Podcast

Wie leben Juden in Deutschland?

25.01.2021 – Seit über 1700 Jahren leben Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Aber wie sieht ihr Leben eigentlich aus? Dazu gibt es nun einen Podcast.
Die Moderatorinnen Mirna Funk, Shelly Kupferberg und Miron Tenenberg (v.l.) sprechen mit Gästen über das Judentum.©1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.

Was wisst ihr über das Judentum? Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit über 1700 Jahren auf dem Gebiet, das heute Deutschland ist. Derzeit gibt es aktuell circa 150.000 Juden und Jüdinnen in der Bundesrepublik. Aber wie sieht jüdisches Leben in Deutschland heute eigentlich aus? Was bedeutet es, jüdisch zu sein – und wie steht es um das Thema Antisemitismus?

#2021JLID

Diesem Thema will der Verein „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ auf den Grund gehen. Unter dem Hashtag #2021JLID soll es das ganze Jahr über Veranstaltungen im Bereich politische Bildung, Kunst und Kultur geben.

Der Hintergrund: Im Jahr 321 erlässt der römische Kaiser Konstantin ein Edikt. Es legt fest, dass jüdische Menschen städtische Ämter in der Kurie, der Stadtverwaltung Kölns, bekleiden dürfen und sollen. Dieses Edikt belegt, dass jüdische Gemeinden bereits seit der Spätantike wichtiger integrativer Bestandteil der europäischen Kultur sind.

"Das ist schon sehr schräg"

„Wenn wir von 1700 Jahren Juden auf deutschem Boden sprechen, aber so gut wie niemand in diesem Land irgendetwas über Juden oder ihre Lebenswirklichkeit weiß, dann ist das schon sehr schräg und auch irgendwie bedenklich. Das muss sich ändern“, sagt Autorin und Moderatorin Mirna Funk. Sie ist Teil eines Projekts der Initiative „1700 Jahre jüdisches Leben“ – dem #2021JLID-Podacst. Zusammen mit den Journalistinnen Shelly Kupferberg und Miron Tenenberg, alle auch jüdisch, trifft sie regelmäßig jüdische und nicht-jüdische Gäste. Es wird geredet, gesungen und diskutiert.

Aber warum gerade ein Podcast? „Ein Podcast ist gerade in Zeiten von Corona das ideale Medium für unser Ziel, die Vielfalt jüdischen Lebens sichtbar und erlebbar beziehungsweise in diesem Fall hörbar zu machen“, sagt Sylvia Löhrmann, Generalsekretärin des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Zuhörer „können interessante Einblicke in sehr unterschiedliche Lebensgeschichten mitnehmen und – salopp gesagt – unterm Strich die Erkenntnis, dass Stereotype ‚für die Tonne‘ sind.“

Darum geht es

In der ersten Folge stellen sich die drei Hosts vor – und sprechen ausführlich darüber, was jüdisches Leben für sie bedeutet, was sie sich von dem Festjahr erhoffen und welche große Chance die Erinnerung an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland bieten könnte. Denn trotz dieser fast 2000 Jahre alten deutsch-jüdischen Geschichte fehlt den meisten nicht-jüdischen Deutschen Wissen zur ganz normalen jüdischen Lebenswirklichkeit, finden die drei.

In Folge zwei trifft Shelly Kupferberg den Schauspieler Christian Berkel. Erst spät hat dieser begonnen, die eigene komplexe Familiengeschichte aufzuarbeiten und sich somit auch mit seiner jüdischen Identität auseinanderzusetzen. Warum er sich heute um eine Möglichkeit betrogen fühlt, wie es sich anfühlt und wie es ist, in internationalen Filmproduktionen Nazis zu spielen, erzählt er im Gespräch.

In der dritten Folge spricht Mirna Funk mit der Psychologin und Beteiligungspädagogin Marina Weisband, die auch Rednerin bei der Gedenkstunde im Bundestag ist (mehr erfährst du hier). Sie ist 1987 in Kiew geboren, Mutter einer Tochter und lebt in Münster. Seit November 2020 hat sie ein eigenes Youtube-Format. In „Frag einen Juden“ stellt sie alle wichtigen Fragen zu jüdischem Leben.

Bisher sind drei Folgen erschienen. Alle findest du hier.

Mehr zum Projektjahr und zur Initiative „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und wir ihr daran teilnehmen könnt, erfahrt ihr hier und in unserem Infokasten.

(lh)

Mehr zu "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V."

Der Verein “321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.” gestaltet 2021 das bundesweite deutsch-jüdische Festjahr unter der Dachmarke #2021JLID mit der Unterstützung durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und die Stadt Köln. Entscheidungsträger sind unter anderem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, der Präsident des Zentralrates der Juden, Dr. Josef Schuster, und Sylvia Löhrmann, Staatsministerin a.D.

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