Bundestagsabgeordneter

„Es gibt vier große Erfolge“

17.11.2021 – „Eine mündliche Zusage ist allein nichts wert, sondern die Staaten müssen auch handeln“, sagt Lukas Köhler (FDP) zu den Ergebnissen der Klimakonferenz in Glasgow. Dennoch sieht er große Erfolge.
„Wir dürfen keinen Klimaschutz gegen die Menschen machen“, sagt Lukas Köhler von der FDP. © James Zabel

Herr Köhler, die Weltklimakonferenz in Glasgow ist zu Ende. Was sind die Erfolge?

Aus meiner Sicht gibt es vier große Erfolge: Erstens eine zwar leicht abgeschwächte, aber von allen Staaten unterzeichnete Abschlusserklärung, die das sogenannte 1,5-Grad-Ziel festlegt. Das besagt, dass die Erde sich höchstens um 1,5 Grad Celsius erwärmen dürfen soll. In den alten Erklärungen der letzten Jahre hieß es immer nur, die Staaten wollen „deutlich unter 2 Grad bleiben“.

Zweitens hat man sich auf einen endgültigen Ausstieg aus der Kohle geeinigt. Beim Verbrennen von Kohle entsteht Kohlendioxid, also CO2, das die Erwärmung der Erde mit verursacht.

Drittens haben die USA und China vereinbart, sich gemeinsam auf den Weg zur Klimaneutralität zu machen. Die beiden Länder sind für einen Großteil der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich, also für das Ausströmen schädlicher Stoffe in die Umwelt.

Und der vierte, etwas technische Punkt, ist, dass das gemeinsame Regelwerk nun vollendet ist. Bei der Klimakonferenz in Paris 2015 haben die Staaten gemeinsame Regeln aufgesetzt, die aber seitdem nie ganz vollendet beschlossen wurden. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Länder Berichte darüber vorlegen müssen, wie weit sie mit ihren Klimazielen schon gekommen sind.

Und wo haben sie mehr erwartet?

Gerade beim Thema Kohleausstieg hätte ich einen deutlicheren Konsens erwartet. Oft gibt es am Rande von Gipfeln sogenannte „Side Notes“, also Nebenabsprachen. Dabei sprechen sich viele Staaten für einen bestimmten Aspekt aus. Damit etwas in die Abschlusserklärung kommt, müssen jedoch alle Staaten zustimmen. Daher sind dort die Formulierungen meist etwas schwammiger und schwächer – so ist es nun auch beim Ausstieg aus der Kohle.

Einige Beobachter sagen, die Arbeit beginnt erst jetzt, und zwar in den einzelnen knapp 200 Staaten. Was meinen sie damit?

Eine Klimakonferenz hat zum Ziel, dass man sich gemeinsam auf bestimmte Themen einigt. Wenn die Staaten alles einhalten, was sie in Glasgow beschlossen haben, würde sich die Erde um 1,8 Grad erwärmen. Diese Begrenzung ist gut. Doch eine mündliche Zusage ist allein nichts wert, sondern die Staaten müssen auch handeln.

Was bedeutet das konkret für Deutschland?

Welche Maßnahmen in den kommenden Jahren im Bereich Klimaschutz getroffen werden, muss die zukünftige Bundesregierung entscheiden. Dabei ist aber wichtig, dass wir keinen Klimaschutz gegen die Menschen machen dürfen. Das heißt, wir müssen die ökologische Komponente, wie das Einsparen von CO2, so gestalten, dass dadurch zum Beispiel keine Arbeitsplätze abgebaut werden.

Sie und Ihre Fraktion haben sich mit Extremwetter-Phänomenen wie Sturm oder Hochwasser als Folge der Erderwärmung in Deutschland beschäftigt. Wie schlimm wird es und wie können wir uns wappnen?

Wir werden in den kommenden Jahren etwas unternehmen müssen, denn Extremwetter-Phänomene wie Hochwasser oder Dürren werden zunehmen. Im Kampf dagegen müssen wir flexibler werden und auch mehr Geld investieren, zum Beispiel in Hochwasserschutz. Zusätzlich müssen wir versuchen, durch die Reduktion von CO2 den Klimawandel einzudämmen.

Mehr über Dr. Lukas Köhler

Dr. Lukas Köhler ist 35 Jahre alt und Klimapolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Der Münchener hat Philosphie studiert und sitzt seit 2017 im Deutschen Bundestag.

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