Abgeordneten-Interview

„Das Problem europäisch lösen“

13.01.2021 – Er ist eher der Radfahrer- und Fußgänger-Typ. Dennoch will er keine nationale Pflicht für einen Lkw-Abbiegeassistenten: der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß. Laura hat ihn gefragt, warum.
Warnt vor einem Alleingang beim Lkw-Abbiegeassistenten: Christoph Ploß (CDU).© Tobias Koch

Herr Ploß, sind sie eher Auto- oder Radfahrer?

Ich bin eher Radfahrer und Fußgänger. Ich habe noch nie in meinem Leben ein Auto besessen und fahre so gut wie nie Auto. Ich nutze auch häufig den öffentlichen Nahverkehr, denn ich wohne in der Großstadt und habe die U-Bahn und gute Busverbindungen in Reichweite.

Fühlen Sie sich auf dem Fahrrad sicher?

Meistens schon, ja. Natürlich gib es immer mal Situationen, in denen man aufpassen muss. Vor allem bei Abbiegesituationen an großen Kreuzungen kann es schon sehr gefährlich für Fußgänger und Radfahrer werden.

Im Jahr 2019 sind 445 Radfahrer in Deutschland tödlich verunglückt. Wie kann man Radler besser schützen?

Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Deswegen streben wir als CDU auch die „Vision Zero“ an, also dass es keine Verkehrstoten mehr gibt. Erfreulicherweise verunglücken seit Jahren immer weniger Menschen, aber wir wollen als CDU für noch mehr Sicherheit sorgen.

Eine der Lösungen hierfür ist der sogenannte Abbiegeassistent. Deshalb wollen wir erreichen, dass diese technische Hilfe so schnell wie möglich in allen Fahrzeugen eingebaut wird, da Radfahrer und Fußgänger so besser zu erkennen sind.

Wie funktioniert denn dieser Abbiegeassistent genau?

Das System wird in die Fahrzeuge eingebaut. Es erkennt Radfahrer oder Fußgänger im Umfeld des Fahrzeugs und gibt dann optische oder akustische Signale. Auf einem Bildschirm kann der Fahrzeugführer sehen, was neben dem Wagen passiert, oder er nimmt ein Geräusch wahr, wenn ein Radfahrer in einem bestimmten Umkreis um das Auto fährt. Häufig sehen Lkw- oder Autofahrer ankommende Radfahrer nicht, weil sie im „toten Winkel“ sind.

Die Grünen haben einen Antrag eingereicht, der fordert, dass nur noch Lkw in Ortschaften fahren sollen, die so einen Abbiegeassistenten haben. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Von diesem Vorschlag halte ich gar nichts. Wir müssen das Problem europäisch lösen. Denn sonst dürften Lkw aus anderen Ländern, in denen diese Regeln dann noch nicht gelten, gar nicht mehr nach Deutschland kommen und hier in die entsprechenden Ortschaften fahren. Das würde einerseits das europäische Klima vergiften, andererseits würde es dazu führen, dass viele Güter aus anderen Ländern gar nicht mehr nach Deutschland geliefert werden können. Möglicherweise führen andere Länder dann sogar Strafen für deutsche Lkw ein, um das Ganze auszugleichen.

Welche Alternative schlagen Sie vor?

Wir wollen zum einen Lkw umrüsten und haben dafür die Aktion „Abbiegeassistent“ ins Leben gerufen. Dabei sollen sich Firmen und Unternehmen selbst verpflichten, ihre Fahrzeugflotten mit dem Assistenten auszurüsten. Zudem hat sich die EU auf unsere Initiative hin darauf geeinigt, dass alle neuen Fahrzeugtypen ab 2022 serienmäßig einen Abbiegeassistenten eingebaut haben müssen und alle neuen Fahrzeuge ab 2024.

Wie sollten Radfahrer bis dahin besser geschützt werden?

Wir setzen dabei auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, sodass immer mehr Lkw umgerüstet werden. Aber langfristig muss und wird es eine verpflichtende europäische Lösung für das Problem geben.

(lh)

Über Dr. Christoph Ploß (CDU/CSU)

Dr. Christoph Ploß ist 35 Jahre alt und studierter Historiker. Der CDU-Politiker ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und sitzt im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Seit September ist Ploß Landesvorsitzender der CDU Hamburg.

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