USA-Stipendiatin

Rike, 16, Maryland

15.09.2022 – Ein Jahr an der Ostküste der USA: Rike freut sich auf neue Schulfächer, Spiele mit dem Volleyball-Team ihrer High School und die Zeit mit ihren Gasteltern und dem niedlichen kleinen Gastbruder.
Portrait der Autorin in Feuerwehr-Uniform
Zuhause in Deutschland engagiert sich Rike bei der Jugendfeuerwehr. © privat

Dezember 2022: Weihnachtsmarkt auf Amerikanisch, ein Day Trip nach Philadelphia und eine Weihnachtsüberraschung

Der Dezember begann mit einer Art Weihnachtsmarkt in Downtown Pocomoke, meiner Gast-Kleinstadt. Gemeinsam mit meiner Freundin Maddie war ich da und es gab ein Lagerfeuer, ein bisschen Musik, Plätzchen wurden dekoriert und heiße Schokolade ausgeschenkt, alles kostenlos. In der Schule ging es im Unterricht nach und nach immer weniger stressig weiter. Nachdem die Tests durch waren, hatten die Lehrkräfte – hier genau wie in Deutschland – nicht mehr die Lust, in jeder Stunde Unterrichtsstoff zu machen. Sogar im Matheunterricht wurde ein Film geschaut. 

Ein Tag voller amerikanischer Geschichte

Mit meiner Organisation gab es diesen Monat einen Day Trip nach Philadelphia, wo ich mit anderen Austauschschülern und Austauschschülerinnen einen Tag in der Stadt der U.S. Verfassung verbracht habe. Wir besuchten die Independence und Liberty Hall, die Liberty Bell und das Constitution Center, alles mit einem Fokus auf die U.S. Verfassung, deren Geschichte und Einfluss auf die moderne Welt. 

Das kälteste Football-Spiel ever

An Heiligabend bin ich mit meinen Gasteltern nach Baltimore gefahren. Man hat mir gesagt, dass es in ein „German Christmas Village“ gehen wird, deutsche Weihnachten auf Amerikanisch. Schlussendlich stellte sich heraus, dass das nur ein Vorwand war. Es ging nach Baltimore – nur waren wir eigentlich für das NFL Spiel der Baltimore Ravens da. Bei minus 12 Grad Celsius ging es für mehrere Stunden ins Stadion und wie sich herausstellte, war es das kälteste jemals in Baltimore gespielte Spiel! Die Ravens gewannen das Spiel 17:6 – und ich habe noch immer keine richtige Ahnung von American Football… Das mag zum Teil aber auch daran liegen, dass meine High School kein Footballteam hat. 

Christmas Day mit der Gastfamilie

Am nächsten Morgen wurde ich dann von einem sehr aufgeregten kleinen Gastbruder geweckt. Es wurden die ersten Geschenke ausgepackt. Für ihn war ich dabei leider nicht schnell genug, deshalb hat er mir dann geholfen meine Geschenke auszupacken. Was mich sehr berührt hat, war, dass meine Gasteltern mir ein Paket mit Münzen aus meinem Geburtsjahr geschenkt haben. Das ist eine amerikanische Tradition. Sie sagten, dass sie das gleiche auch für den Kleinen gemacht hätten – und da ich ja auch ihr Kind sei, sollte ich auch welche bekommen. 

Den Rest des Tages kam dann Familie zu uns und es wurde wieder viel gegessen, aber auch gefeiert. Silvester war bei uns ganz ruhig. Nach deutscher Tradition habe ich mit meiner Gastfamilie „Dinner For One“ geschaut und es ging ohne viel Feuerwerk ins neue Jahr. 

November 2022: Bye-bye Volleyball, hallo Schwimmen!

Im November endete leider meine Zeit mit dem Volleyball Team. Wir hatten eine wundervolle Saison und ich habe viele Erfahrungen sammeln können. Ich vermisse das Training und die Spiele sehr, aber es geht schon besser, seitdem Anfang November die Wintersaison begonnen hat. Ich bin für diese Saison im Schwimmteam, welches an meiner Schule äußerst klein ist, wir sind nur zehn Leute.

Bevor es aber in die Wintersaison ging, gab es noch die „Fall Sport Awards“, wo die Sportlerinnen und Sportler der Herbstsaison ausgezeichnet wurden. Besonders geehrt wurden an diesem Abend unser Soccer (Fußball) Team, weil es die Regional Championship gewonnen hat, und unser Fieldhockey Team, denn die Mädels haben den Regional Champions Title und zum zweiten Mal in Folge den State Championship Title für sich gesichert. Für so eine kleine Schule wie meine eine super Leistung.

Tatsächlich gab es auch für mich eine kleine Überraschung, denn ich habe den Sportsmanship Award des Volleyball Teams für die Saison bekommen. Gemeinsam mit meinem Varisity Letter ist dieser eines der wichtigsten Andenken für mich, jetzt schon. So ließ sich die Saison echt schön beenden.

Fürs Schwimmen habe ich auch jeden Tag Training, allerdings nur dreimal die Woche im Wasser, an zwei Tagen joggen wir eine Meile (1,6 Kilometer). Das liegt daran, dass meine High School zu klein für ein eigenes Schwimmbad ist, daher benutzen wir den Pool im örtlichen YMCA (eine U.S. Fitnessstudio Kette). All unsere Wettkämpfe finden auch hier statt, sehr nützlich. 

Thanksgiving, Geburtstagsfeier und Christmas Parades

Im November wurde in meiner Gastfamilie dann auch ganz klassisch amerikanisch Thanksgiving gefeiert. Es kamen meine Gastgroßeltern, Urgroßeltern, Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen. Es waren viele Leute und noch mehr Essen. Meine Gasteltern haben einen Truthahn gemacht, da ich Vegetarierin bin, kann ich darüber leider nichts sagen. Ich habe ein bisschen was von allen vegetarischen Gerichten probiert: Mac and Cheese, Kartoffelpüree, Bohnen, Karotten mit Honig, Brot, Cornbread und: Süßkartoffel-Auflauf mit Marshmallows. Das letzte klingt vielleicht erstmal komisch, es war aber überraschend gut. 

Dann war eine Woche nach Thanksgiving nochmal Zeit für eine Feier, denn mein Gastbruder hatte Geburtstag! Jetzt ist er zwei Jahre alt. 

Es gab auch viele Christmas Parades in der Gegend und ich habe mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden diese Paraden angeschaut, unglaublich spannend. Vor allem aber eins: kalt!

Oktober 2022: Homecoming, Kürbisse und die Feuerwehr von Ocean City

Es ist mittlerweile ganze sechs Wochen her, dass ich in den USA gelandet bin. Eine unglaubliche Zeit – für mich fühlt es sich bis jetzt definitiv nicht so an, als wäre schon mehr als ein Monat um. In den letzten Wochen konnte ich mich gut einleben und habe eine Routine entwickelt. 

Homecoming: Bitte anständig tanzen!

Eine Sache, die passiert ist, ist das typisch amerikanische Homecoming. An meiner Schule war am 1. Oktober der Homecoming Dance. Es war für mich eine ganz neue Erfahrung und ich hatte eine wunderbare Zeit bei der Feier. Die Auflagen waren recht streng, was man von einer High School in einer US-amerikanischen Kleinstadt aber erwarten konnte. Was mich als Europäerin aber am meisten verwundert hat, waren die Schilder, die alle Schülerinnen und Schüler darauf hinwiesen, beim Tanzen bitte darauf zu achten, aufrecht zu bleiben und unangemessene Tänze zu unterlassen. Ich glaube, dass an meiner deutschen Schule keiner darauf gekommen wäre. 

Schule, Sport und Kürbisse

Die Volleyball-Saison ist mittlerweile fast vorbei, leider. Ich hatte bis jetzt viele unglaubliche Spiele mit meinem Team und ich bin sehr dankbar, dass ich noch einige vor mir habe bis es dann in die Wintersaison geht. 

In der Schule fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Besonders viel Spaß macht mir das Fach American Literature, wo wir die Literatur von US-amerikanischen Autorinnen und Autoren, Dichterinnen und Dichtern bearbeiten. 

Eine letzte Sache die ich in Maryland, vielleicht den ganzen USA, bemerkt habe, ist die Faszination mit Kürbissen im Herbst. Vor unserem Haus hier stehen mittlerweile fünf Kürbisse und wir haben zwei „Pumpkin Patches“, kleine Kürbis-Farmen, besucht. Mein kleiner Gastbruder genießt diese Ausflüge sehr.

Verantwortung lernen

Ich habe kürzlich eine meiner Verpflichtungen als Stipendiatin erfüllt und eines meiner drei „Leadership Projects“ erledigt, Projekte, in denen wir als Junior Botschafter lernen sollen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, sich sozial und kulturell zu engagieren. Für mein erstes Projekt hatte ich die Aufgabe, einen Tag lang eine Person in einer Führungsposition zu begleiten und zu beobachten. Dieses Projekt habe ich bei einem Battalion Chief der Berufsfeuerwehr in Ocean City erledigt. Der Tag war anstrengend, aber sehr lehrreich. 

September 2022: Holpriger Start mit glücklichem Ausgang

Hallo! Mein Name ist Rike, ich bin 16 Jahre alt und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Am 29. August hat mein Auslandsjahr mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm begonnen.

Das ist das PPP

Dieses Jahr verbringe ich in Maryland an der Ostküste der USA. Der Beginn war etwas holprig, da mein Anschlussflug in Chicago gestrichen wurde und ich dann irgendwie umbuchen musste. Da meine Gasteltern aber unglaublich lieb sind, sind sie mitten in der Nacht drei Stunden nach Washington gefahren, um mich dort am Flughafen abzuholen. 

Nach den Startschwierigkeiten konnte es dann losgehen und ich habe die Zeit bis jetzt sehr genossen. Mein kleiner Gastbruder ist noch keine zwei Jahre alt und war nach meiner ersten Nacht in der Familie sehr verwirrt, dass ich am nächsten Morgen noch da war. Immerhin hatte er mir abends doch zum Abschied gewunken!

In meiner Schule habe ich es ins Varsity Volleyballteam geschafft. Wir sind also etwas fortgeschritten und es stehen viele Spiele an, auf die ich mich sehr freue. Seit wenigen Tagen läuft hier auch die Schule. Es ist ganz anders als zu Hause, aber ich komme ganz gut klar. Ich habe eine Auswahl an Fächern belegt, unter anderem American Literature und Spanisch (in Deutschland habe ich Französisch gelernt). Ich bin sehr gespannt, wie dieses Jahr wird!

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