Wirtschaft

Als Jugendlicher ein Unternehmen gründen

27.11.2020 – Kreativ sein, was Spannendes machen und selbst der Boss: Unternehmensgründungen machen Spaß - und sind anstrengend, voller Risiko und zeitintensiv. Die FDP möchte junge Gründer fördern und denkt über eine "Junior GbR" nach.
Mode-Label, irgendwas mit IT oder Krebsforschung? Welche Firma hat sie wohl gegründet? © shutterstock/NDAB Creativity

Die einen beginnen neben der Schule, professionell Websites zu programmieren, andere erschaffen ihr eigenes Mode-Label: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ein Unternehmen zu gründen? Vergangene Woche war die Gründerwoche 2020. Dies ist eine deutschlandweite Veranstaltung, die Menschen aufklären und ermutigen soll, selbst ein Unternehmen zu gründen. Über sieben Tage verteilt gab es rund 500 Veranstaltungen. Mehr als 1600 Unternehmen, Stiftungen, Verbände und Hochschulen beteiligten sich.

Die FPD-Fraktion möchte vor allem für junge Menschen Anreize schaffen, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen, besonders auch für Minderjährige. Dazu brachte sie einen Antrag in den Bundestag ein.

Wenige junge Leute wagen den Schritt

Die Fraktion schreibt in ihrem Antrag, dass Gründerinnen und Gründer „extremen bürokratischen und rechtlichen Hürden“ ausgesetzt seien. Dies würden auch die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen: Während es im Jahre 2001 noch über 1,5 Millionen Unternehmensgründungen gegeben habe, seien es 2019 nur noch 650.000 gewesen.

Zudem gebe es sehr wenige junge Gründer. So heißt es in dem Antrag, dass Deutschland unter 33 vergleichbaren Ländern mit hohem Einkommen bei „jungen Gründungen“ (Prozentanteil derjenigen 18- bis 64-Jährigen, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen) mit 2,6 Prozent lediglich Rang 29 belege. Auffällig sei der große Rückstand Deutschlands gegenüber Ländern wie den USA, Kanada und Chile, deren Anteil der Gründenden an der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung 2019 zwei- bis fünfmal so hoch sei wie jener Deutschlands.

Neue Firma: „Junior GbR“

Als Unterstützung fordert die FDP zum Beispiel ein Unterrichtsfach an Schulen, in dem das Thema Wirtschaft und Firmengründung gelehrt wird und „die Schaffung eigener Start-up Wohnheime“. Junge Menschen, die eine Firma gegründet haben, würden zusammen wohnen und sich dadurch besser austauschen können.

Denkbar ist für die Fraktion eine neuen Rechtsform für Unternehmen von minderjährigen Gründerinnen und Gründern, die „Junior GbR“. Außerdem möchte die FDP digitale, bürokratische und rechtliche Erleichterungen für junge Gründer.

Lage nicht so dramatisch

Die CDU-Abgeordnete Astrid Grotelüschen erklärte in der Debatte zu dem Antrag, dass Unternehmensgründungen zwar wichtig seien, da „jede einzelne Gründung den Wirtschaftsstandort Deutschland und die jeweilige Gründerregion“ stärke. Jedoch sehe sie die Lage nicht so dramatisch wie die FDP. Die würde sich nur „Zahlen heraussuchen oder Zusammenhänge herstellen“, die in ihre Argumentation passten.

Ähnlich sieht es Falko Mohrs von der SPD-Fraktion. Er sagte, dass „60 Prozent aller Jungunternehmer sehr optimistisch in die Zukunft gucken“ würden und das Bild weitaus besser sei, als es die FDP darstelle.

„Fliegende Luftballons“

Der AfD-Abgeordnete Enrico Komning meinte in seiner Rede, dass es durch die Corona-Krise nicht nur darum gehe, Unternehmensgründungen zu erhöhen. Vielmehr gehe es „darum, freies Unternehmertum überhaupt zu retten.“ Dafür brauche es noch weitaus mehr Anstrengungen.

Thomas Lutze von der Fraktion Die Linke sprach sich grundsätzlich dafür aus, Unternehmensgründungen zu fördern. Es müsse aber „auch einen gewissen Schutz geben, dass sich junge Menschen nicht Konsequenzen aufladen, die nachher ihr ganzes Leben negativ prägen können“. Das fehle ihm im Antrag der FDP-Fraktion.

Claudia Müller von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unterstützte ebenfalls die Initiative der FDP, aber deren Anträge entpuppten sich „häufig als Luftballons, die Luft verlierend durch den Raum fliegen und schließlich inhaltslos auf hartem Boden landen“.

Die ganze Debatte im Bundestag könnt ihr im Video anschauen.

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