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Parlaments-Stipendium Die Paten

Wie läuft Demokratie in Deutschland? 119 junge Menschen aus 37 Ländern können das nun fünf Monate lang herausfinden. Möglich macht dies ein Stipendium des Bundestages. Die Gäste haben jetzt erstmals ihre Paten-Abgeordneten getroffen, bei denen sie ihr Praktikum absolvieren werden.

CDU/CSU

Carsten Körber (CDU/CSU) und Angeliki Fevronia Bozini aus Griechenland. © Michael Kuchinke-Hofer

Zwischen Ländern vermitteln

Seit sechs Jahren übernimmt Carsten Körber (CDU/CSU) Patenschaften für Teilnehmer am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS). "Das Programm bietet die Chance, jungen Leuten aus anderen Ländern hautnah zu zeigen, wie in Deutschland Demokratie gemacht wird. Diese Erfahrungen können sie dann wiederum mit in ihre Heimatländer nehmen".

Von der diesjährigen Stipendiatin Angeliki Bozini (25) ist er besonders begeistert. Angeliki ist in Griechenland zugelassene Rechtsanwältin und hat in München die Grundzüge des deutschen Rechts studiert. "So kann sie wunderbar zwischen beiden Ländern vermitteln und zum gegenseitigen Verständnis beitragen", findet Körber.

Ein Traum wird wahr

Für das Praktikum hat Körber deshalb schon einen besonderen Programmpunkt geplant: Ein Gespräch mit dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Angeliki ist begeistert. "Dieses Gespräch wäre für mich ein einmaliges Erlebnis, das nicht jeder hat", sagt sie.

Angeliki will sich im Bundestag aber vor allem mit Politik beschäftigen, hauptsächlich interessieren sie die Arbeitsabläufe im Bundestag. "Dieses Wissen zusammen mit meinem juristischen Kenntnisse mit nach Griechenland zu nehmen, ist für mich sehr wertvoll", findet sie. Im Praktikum möchte Angeliki deshalb so viele Eindrücke wie möglich sammeln.

"Ich freue mich schon darauf, Strategien vorzubereiten und bei Debatten und Diskussionen dabei zu sein. Auch auf die Arbeit im Wahlkreis bin ich gespannt", so die Rechtsanwältin. Ihre Teilnahme am Programm schätzt Angeliki schon jetzt unheimlich: "Für mich erfüllt dies einen Traum."

SPD

Kirsten Lühmann (SPD) und Anna Mnatsakanyan aus Armenien. © Michael Kuchinke-Hofer

"Super tolle junge Leute"

An viele ihrer früheren Stipendiaten erinnert sich Kirsten Lühmann (SPD) gerne zurück: "Wir hatten sieben super tolle junge Leute, die uns sehr bereichert haben". Zu einigen hat das Büro auch heute noch Kontakt, manche kamen nach ihrem Praktikum sogar zu Besuch.

Das Internationale Parlamentsstipendium IPS sieht Lühmann vor allem als Chance für beide Seiten, neue Erfahrungen zu sammeln. "Für mich bedeutet Politik, ganz viel zu wissen. Denn erst, wenn ich alle Informationen zu einem Thema habe, kann ich mir eine Meinung bilden", so Lühmann.

Ein Höhepunkt des Programms ist für sie der Abschlussabend, wenn die Stipendiaten ihre Heimatländer vorstellen. "Es ist toll zu sehen, wie stolz die jungen Leute auf ihr Heimatland sind. Gleichzeitig sind sie aber auch selbstkritisch und neugierig, etwas über die deutsche Politik zu lernen".

Wissen für die junge Demokratie

Auf die neuen Einblicke ist die armenische Stipendiatin Anna Mnatsakanyan (24) schon ganz gespannt: "Für mich ist die Zeit hier eine Chance, andere junge engagierte Menschen kennenzulernen". Besonders neugierig ist sie auf die Zeit im Abgeordnetenbüro.

Während ihres Praktikums will Anna möglichst viel über die Rolle des Bundestags erfahren: "Armenien ist erst vor kurzem eine parlamentarische Demokratie geworden. Deutschland ist da für mich ein Vorbild. Deshalb ist es mir wichtig, die Arbeit des deutschen Parlaments zu erleben". Gleichzeitig freut sich Anna aber auch, ihre Kultur zu vertreten. "Das ist eine große Verantwortung für mich."

AfD

Stephan Brandner (AfD) und Michaela Machackova aus Tschechien. © Michael Kuchinke-Hofer

Neue Blickwinkel

Der Abgeordnete Stephan Brandner (AfD) ist zum ersten Mal beim Stipendiatenprogramm dabei. Auf die Meinung der Stipendiatin Michaela Machackova (26 Jahre) aus Tschechien ist er deshalb gespannt. "Mit Michaela kommt ein neuer, parteiferner Blick auf unsere Arbeit". Auch Michaela interessiert die neue Perspektive: "Ich beschäftige mich eigentlich mit Umweltschutz und liberaler Politik. Deshalb wird es sicher interessant, mal eine andere politische Sicht kennenzulernen".

Parlamente im Verlgleich

In ihrem Studium hat sich Michaela mit deutschem und tschechischem Recht beschäftigt. Wie praktisch, dass Brandner Vorsitzender des Rechtsausschusses ist. "Die Arbeit im Rechtsauschuss wird für mich super spannend", sagt Michaela.

Während des Stipendiums will sie sich aber auch auf polititische parlamentarische Prozesse konzentrieren. Im tschechischen Parlament hat Michaela bereits ein Praktikum gemacht. "Jetzt interessiert mich natürlich, was im Bundestag ähnlich und was anders ist".

Andere Parteienlandschaft

Einen Unterschied kennt Michaela jedenfalls schon: den Status von Parteien. "In Tschechien sind sie eher juristische Personen, in Deutschland hat man es da mit Vereinen zu tun. Jetzt interessiert mich natürlich, ob man davon zum Beispiel im Parlament etwas merkt".

Für die Parteienlandschaft in Tschechien interessiert sich auch Stephan Brandner: "Das Land hat viele neue Parteien. In Deutschland gibt es das eher weniger. Deshalb sind die Erfahrungen aus Tschechien sicher interessant".

FDP

Carl-Julius Cronenberg (FDP) mit Lucas Huissoud aus Kanada. © Michael Kuchinke-Hofer

Gemeinsamer Draht

Carl-Julius Cronenberg (FDP) und der Stipendiat Lucas Huissoud (23) aus Kanada verstehen sich auf Anhieb gut, denn sie interessieren sich für die selben Themen. "Ich bin Mitglied in der Enquete-Kommission "Künstliche Intelligenz". Da hoffe ich natürlich auf Lucas’ Kenntnisse aus seinem Philosophiestudium", erzählt Cronenberg. "Das wusste ich ja noch gar nicht", sagt Lucas und gibt gleich Tipps, wo man gute Literatur zum Thema findet. "Künstliche Intelligenz ist wirklich spannend, ich habe dazu schon viel gelesen. Ich freue mich deshalb sehr, wenn ich mich zu diesem Thema einbringen kann".

Voneinander lernen

Lucas ist gespannt darauf, die deutsche Gesetzgebung besser kennenzulernen. "Im Praktikum möchte ich vor allem praktische Erfahrungen in der deutschen Politik sammeln", sagt er.

"Meine Erwartung ist, dass wir nach dem Praktikum einen hervorragenden Botschafter für Deutschland und unsere Art der Demokratie in die Welt hinaus schicken", sagt Cronenberg. Umgekehrt könne die deutsche Politik aber auch viel von Kanada lernen, beispielsweise in der Integrationspolitik.

"Na ja, eigentlich sind sich Deutschland und Kanada ja ziemlich ähnlich", findet Lucas. "Ich glaube, das Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen kann man als großen Erfolg werten. Und wie wichtig dieses Zusammenleben ist, würde ich in meiner Zeit im IPS-Programm gerne vertreten."

Die Linke

Petra Pau (Linke) und Maysoon Kheir aus Israel. © Michael Kuchinke-Hofer

Eine Chance für beide

Als die Vizepräsidentin des Bundestages Petra Pau (Die Linke) zum ersten Mal eine Stipendiatin betreute, kam diese aus Israel. Auch Maysoon Kheir (29 Jahre), die in diesem Jahr im Büro Pau hospitiert, stammt aus Isreal, und zwar aus dem Dorf Peqin im Norden des Landes.

"Das Spannende ist, wie vielfältig und unterschiedlich jeder einzelne mit der Politik des Landes umgeht", so Pau. Viele ihrer früheren Stipendiaten hat sie noch gut in Erinnerung. "Das Programm ist immer eine Bereicherung und eine Chance – und zwar nicht nur für die Stipendiaten, sondern auch für mein Büro".

"Das passt"

Auch auf Maysoon Kheir ist sie schon gespannt. "Seit ich 1998 in den Bundestag gewählt wurde, setze ich mich für Bürgerrechte und Demokratie und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Ich glaube, da passen Maysoon und ihre Vorarbeit gut zu unserem Büro".

Das findet auch Maysoon: "Ich habe viel im Bereich interkultureller und interreligiöser Begegnungen gearbeitet. Das passt gut zu Frau Paus Agenda. Deshalb freue ich mich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit ihr". Das Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus interessiert sie besonders.

Eigene Identität einbringen

In Israel hat sie als Nationalkoordinatorin für ein Annäherungsprogramm von Palästinensern und Israelis mit Behinderung gearbeitet. Davor hat sie in Marburg Friedens- und Konfliktforschung studiert. "In meine Arbeit bringe ich natürlich auch meine Identität ein. Ich bin Palästinenserin und Israeli, beides trage ich in mir", sagt Maysoon.

Bündnis 90/Die Grünen

Franziska Brantner (Grüne) und Jean Subtil aus Frankreich. © Michael Kuchinke-Hofer

Neue Sicht der Dinge

Franziska Brantner (Bündnis 90/Die Grünen) hat schon mehrmals Stipendiaten betreut. "Es ist toll, dass der Bundestag jungen Leute die Chance gibt, die Arbeit hier im Parlament kennenzulernen", sagt sie. "Ich denke deshalb immer, je mehr Abgeordnete sich beteiligen, desto mehr junge Leute haben die Chance".

Aber auch für ihr Büro waren die internationalen Stipendiaten immer eine Bereicherung. "Man holt natürlich Leute mit einer ganz neuen Sicht auf die Dinge ins Team. Das ist immer sehr interessant", so Brantner. "Und viele Stipendiaten bringen ja dann auch die Sprachkenntnisse ihres Heimatlandes ein. Das eröffnet uns ganz andere Zugänge".

Herzensthema: Europapolitik

Stipendiat Jean Subtil (23 Jahre) will sich vor allem auf die Parlamentsarbeit konzentrieren, denn in seinem Heimatland Frankreich herrscht eine andere Form der Demokratie, eine semi-präsidentielle Demokratie. "Bei uns hat das Parlament weniger Macht als der Präsident. Deshalb will ich die Institution Bundestag besser kennenlernen. Diese Expertise kann ich dann später vielleicht in die französische Politik einbringen", sagt Jean.

Ein weiteres Herzensthema ist für ihn die Europapolitik – und damit ist er bei Brantner als europapolitischer Sprecherin der Grünen genau richtig. "Wir haben übrigens beide an der gleichen Universität studiert: Am Science Po (L'institut d'études politiques de Paris)", stellt Jean lachend fest. "Ich bin sehr gespannt, wie wir im Deutschen Bundestag den EU-Ausstieg der Briten erleben werden". Aber auch auf den Alltag in Brantners Wahlkreis Heidelberg freut sich Jean.

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