Digitalisierung

Modernere Bildung für alle

04.07.2019 – Im letzten Jahr wurde der Digitalpakt für Schulen beschlossen. Drei Oppositionsfraktionen sind damit nicht ganz zufrieden und haben eigene Forderungen zum Thema digitale Bildung vorgestellt.
Schüler mit Tablets im Unterricht
So sieht es vielleicht irgendwann an allen Schulen in Deutschland aus. Im Moment sind wir davon aber noch relativ weit entfernt. © shutterstock.com/Yakobchuk Viacheslav

Welche Unterrichtsmittel habt ihr bei euch in der Schule? Bei manchen sind es noch der alte Polylux und die grüne Kreidetafel. Bei anderen schon Tablets und interaktive Whiteboards. Seit einigen Jahren rüsten Schulen immer mehr auf moderne Geräte um, weil sie sich den Anforderungen der Gegenwart anpassen wollen. In einer Zeit, in der laut EU künftig 90 Prozent aller Berufe digitale Kompetenzen erfordern werden und digitale Medien unseren Alltag so stark wie nie zuvor beeinflussen, ist ein frühzeitiges Heranführen an die neue Medienwelt wichtig. Damit das gelingt, hat der Bund im März letzten Jahres den „DigitalPakt Schule“ beschlossen. Es geht bei diesem Pakt darum, den Schulen über den Zeitraum von fünf Jahren hinweg fünf Milliarden Euro zukommen zu lassen, um den Wandel erfolgreich zu realisieren. Die Umsetzung des „DigitalPakt Schule“ hat im Mai 2019 begonnen.

Drei Oppositionsfraktionen fordern mehr

Fast zur gleichen Zeit stellten die FDP, Die Linke und Bündnis 90/ Die Grünen jeweils Anträge mit eigenen Vorschlägen zu digitalisierter Bildung vor. Die drei Fraktionen meinen, dass der bisher beschlossene Digitalpakt nicht ausreiche und der Bund sich dauerhaft noch stärker für moderne Bildung engagieren solle. Über diese drei Anträge diskutierte der Bundestag am 16. Mai.

Die Debatte im Video

FDP: „Digitalpakt 2.0“

Die Liberalen setzen sich in ihrem Antrag vor allem für mehr Fachpersonal im digitalen Bereich ein. Beispielsweise sollen IT-Administratoren vor Ort sein, um sich professionell um die Hard- und Software zu kümmern. So würde man die technische Ausstattung und Wartung sichern und Lehrkräfte entlasten. Dies ersetze natürlich nicht die zeitgemäße Ausbildung von Lehrern, die ebenfalls mit den zu fördernden digitalen Lernplattformen umgehen können sollten. Außerdem beantragt die FDP, dass die Schulen Handreichungen erhalten sollten, damit der Unterricht datenschutzkonform abläuft.

Die Linke: „Dauerhaft und angemessen fördern“

Für ihren Antrag nahmen die Linken Bezug auf eine im März erschienene Forsa-Umfrage, die aufzeigte, dass unser Bildungssystem dem digitalen Wandel noch immer hinterherhinkt. Sie fordern eine dauerhafte und nachhaltige finanzielle Förderung, die über die beschlossenen fünf Jahre hinausgeht. Zudem ist es den Linken daran gelegen, Bildung nicht nur für Kinder und Jugendliche voranzubringen, sondern ein lebenslanges Lernen zu gestalten. Dafür wollen sie die digitale Bildung auf Fortbildungen für Erwachsene ausweiten, sodass Bildung für alle zugänglich ist. Daher schlagen sie auch vor, dass mehr auf freie digitale Bildungsmaterialien und Open-Source-Angebote zurückgegriffen wird.

Die Grünen: „Gerechte Bildungschancen“

Den Grünen ist Chancengleichheit sehr wichtig, weshalb sie in ihrem Antrag fordern, bisher von der Digitalisierung abgehängte Regionen besonders zu fördern und gleichwertige Bildungschancen zu garantieren. Damit könnten „lebendige Orte der Integration und Bildungsgerechtigkeit“ entstehen. Bei der Umsetzung sollte man „den Rahmen, den das Grundgesetz bietet, ausschöpfen“ und mindestens sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung investieren. Bisher sind es laut Statistischem Bundesamt 6,4 Prozent (Stand 2017), womit Deutschland nicht gerade zu den Spitzenreitern in Europa zählt. 

Wie kamen die Anträge an?

Die Koalitionsfraktionen, also CDU/CSU und SPD, wiesen die Anträge der Oppositionsfraktionen zurück. Der Grund dafür ist, dass die Forderungen ihrer Meinung nach zu früh gestellt wurden. Schließlich würde die Umsetzung des Digitalpakts 1.0 erst jetzt beginnen und man hätte noch nicht mal eine Bilanz aus der ersten Phase der digitalen Umgestaltung ziehen können.

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