USA-Stipendiatin

Claire, 17, New York

07.08.2019 – Claire hat das Stipendium beim zweiten Anlauf bekommen. Lektion gelernt: Träume niemals aufgeben! Jetzt schmiedet sie eifrig Pläne für die Zeit in New York.

September 2019: Eine schwere Erfahrung und ein optimistischer Neustart

Erste Woche, erste Erfahrungen

Es ist viel passiert in meiner ersten Woche. Ich war auf einem Konzert, habe die Niagarafälle gesehen und neue Leute kennengelernt. Dadurch, dass mein Koordinator mir im Vorhinein ein paar Kontaktdaten von Mädchen aus meiner Stufe und meinem Team gegeben hat, konnte ich schon Wochen vor meiner Ankunft Kontakt zu ihnen aufnehmen. Eine meiner Freundinnen, Hanna, hat mich mit auf ein Konzert genommen, wo ich dann wieder andere getroffen habe. 

Es waren auch Hanna und ihr Bruder, mit denen meine Gastmutter und ich zu den Niagarafällen gefahren sind, weil sie, obwohl sie nur knapp zwei Stunden davon entfernt wohnen, noch nie dort waren. Wir konnten leider nur die amerikanische Seite sehen, nichtsdestotrotz war es ein absolutes Highlight. Wir waren auf der “Maid of Mist”, mit der wir zwischen die Wasserfälle gefahren sind. Auf dem Schiff habe ich durch Zufall ein paar Deutsche getroffen. Es war ziemlich ungewohnt, plötzlich wieder Deutsch zu reden, aber auch irgendwie vertraut. Die Austausch-Organisatoren haben uns empfohlen, in den ersten vier Wochen keinen Kontakt nach Deutschland zu haben, was durch Social Media extrem schwierig ist. Ansonsten habe ich eine Menge klassische “Touri”-Bilder gemacht und das Naturspektakel bewundert.

Das mit der Sprache und dem Kommunizieren läuft besser als gedacht, ich habe einige Komplimente bekommen aufgrund meines Englischs. Wichtig hier: Falls Missverständnisse entstehen, versucht es anzusprechen! Amerikaner haben in der Regel viel Verständnis für Austauschschüler und sind sehr offen. Es ist nicht schwer, Freunde zu finden, wenn man auch nur etwas aus sich beziehungsweise aus der Komfortzone herauskommt. Darum geht es ja schließlich in dem Auslandsjahr, richtig?

Gepäck-Fazit

Ich habe zu wenige normale T-Shirts mitgenommen. Ansonsten bin ich ziemlich zufrieden mit meinem Koffer. Kleiner Tipp für USA-Reisende: Packt erst eure Kleider und füllt das, was ihr an Gewicht und Platz übrig habt, mit Pflegeprodukten, die sind in den USA in der Regel ziemlich teuer. Ich weiß, dass das alle Austauschschüler raten, aber bringt so wenig Kleider mit wie möglich. Je nachdem, wo ihr shoppen geht (Locals wissen in der Regel, wo man relativ billig ganz gute Kleidung bekommt), bezahlt ihr extrem wenig, vor allem in der “clearance”-Abteilung, also im Sale.

Aber seid gefasst auf brutale Klimaanlagen – egal ob in Geschäften, Zuhause oder in Autos. Ich als Europäerin fühle mich manchmal, als würde ich gleich erfrieren. 

Nach der Hochphase...

Alles hat sich inzwischen eingespielt. Fußballtraining, Freunde und Gastfamilie. Alles ist nicht mehr ganz so neu und trotzdem gibt es immer etwas zu tun, immer etwas Neues zu entdecken. Sprachlich habe ich das Gefühl, ich beherrsche keine der beiden Sprachen zu 100 Prozent, alles Deutsche wird immer schwieriger. Der Tipp von meiner Organisation, keinen Kontakt nach Deutschland zu haben, stellt sich als eine sehr gute Idee heraus.

Also, alles gut soweit. Bis zum letzten Wochenende, als meine Gastmutter und ich ein paar Probleme hatten, unter anderem durch Missverständnisse in der Kommunikation, manches wurde auch von der Austausch-Organisation AFS unnötig kompliziert gemacht. Meine ehemalige Gastmutter hat sich unwohl gefühlt, weswegen ich auch angefangen habe, mich unwohl zu fühlen. Das hat letzten Endes dazu geführt, dass ich zu meiner “Support Person” musste. Ich dachte immer, dass meine Gastmutter und ich gut zusammengepasst haben, aber die Tatsache, dass sie nicht wirklich versucht hat, alles zu klären, spricht für sich. AFS und meine ehemalige Gastmutter haben mir versichert, dass es nichts mit mir als Person zu tun hat. Dennoch war es eine schwierige Situation, die mich mit unglaublich vielen Emotionen zurück gelassen hat: Traurigkeit, Wut, Ratlosigkeit, Isolation aufgrund der Sprache und des fremden Landes – aber auch etwas Positives: das Wissen, dass es besser so früh passiert als in ein paar Monaten, wenn die Schule voll im Gange ist. 

Geholfen haben mir andere Austauschschüler, manche aus meiner Schule und die anderen PPP-Stipendiaten, die überall in den USA verstreut sind. Aber am meisten geholfen hat mir eine ehemalige Austauschschülerin, die etwas Ähnliches durchgemacht hat. Was ich damit sagen will: Manchmal laufen Dinge anders, als wir es erwarten und hoffen, aber wir können nicht kontrollieren, was um uns herum passiert. Wir können nur unser Inneres kontrollieren. Ich habe mich gezwungen, darüber zu reden und auf andere zuzugehen, weil sonst schnell das Gefühl aufkommt, dass man alleine ist. Aber das war nicht der Fall, man ist niemals alleine. In dieser Situation habe ich auch auf meine deutschen Freunde und auf meine Familie zurückgegriffen, die mir mega viel Halt gegeben haben! 

Dass man die Gastfamilie wechselt, passiert manchmal. In 50 Prozent der Fälle sogar. Ich hätte nie gedacht, dass mir das passieren würde, aber “here I am”, stärker als vorher und immer noch optimistisch. Das wird mein Jahr. Und das kann mir niemand wegnehmen!

Eine meiner Freundinnen, Hannah, hat angeboten, mich aufzunehmen. Die Familie und AFS haben großartige Arbeit geleistet, weil ich schon wenige Tage nach der Entscheidung zu der neuen Familie konnte. Mit dem Vorsatz, nicht zu vergleichen, und mit dem Glauben, dass es trotzdem ein tolles Jahr wird, bin ich dann bei der neuen Familie eingezogen. Und ganz ehrlich: Das war vielleicht das Beste, was mir passieren konnte. Hier habe ich zwei tolle Gastgeschwister und sehr liebe Gasteltern. Klar, es ist nicht dasselbe, aber das heißt nicht, dass es schlechter ist. Im Gegenteil. 

Puhhh, die erste Schulwoche ist geschafft! Schule hier ist... anders. Die Nicht-College-Klassen sind um einiges leichter als die in Europa, wobei es dort weniger Auswahlmöglichkeiten gibt. Neben den Standart-Kursen, die jeder Austauschschüler belegen muss (US Geschichte, Mathe, eine Wissenschaft und Englisch), habe ich Kriminalrecht, Psychologie, “IB theory of Knowledge” und PE. Manche Lehrer sind eher so... lala und manche Lehrer möchte ich nicht mehr hergeben, wie in Deutschland. Ich habe bereits ein paar Kurse in meinem Stundenplan geändert und da kommen eventuell noch ein paar Änderungen hinzu.

Ein weiterer Unterschied ist das Lehrer-Schüler Verhältnis und die „Freiheit“ als Schüler. Lehrer und Schüler sind in der Regel weniger distanziert, wobei man als Schüler stärker in seiner Freiheit eingeschränkt ist als in Deutschland. Um die Toilette zu benutzen, muss man einen „hall pass“ haben, Freistunden sind beaufsichtigt und unterliegen je nach Aufsicht gewissen Regeln (zum Beispiel Handy-Verbot). Es ist nicht gut, nicht schlecht, es ist anders. Hier ein Dankeschön an AFS, die uns von Tag eins an daran erinnert haben.

Alles in allem kommt Schule eher weniger einer akademischen Herausforderung gleich, ist aber dennoch ein toller Ort, um neue Leute kennenzulernen und Zeit mit anderen Leuten zu verbringen. Und nein, das mit dem Lunch und dort einen Sitzplatz finden war kein Problem, hier sind alle total offen und fragen dich, ob du mit ihnen sitzen willst. Vor allem wenn man in einem Sport-Club ist, da man dort sehr einfach Leute kennenlernen kann. 

Aber die Woche war dennoch sehr anstrengend, einfach deshalb, weil man den ganzen Tag mit Schule und Sport beschäftigt ist und dann bis mitten in die Nacht Hausaufgaben machen und lernen muss. Aber zum Glück ist jetzt erstmal Wochenende!

August 2019: American Dream in New York

Mein großes Abendteuer

Hey, ich heiße Marie-Claire, bin 17 Jahre alt und komme aus dem Saarland. In meiner Freizeit spiele ich Fußball, bin in der Freiwilligen Feuerwehr und engagiere mich in der Kommunalpolitik. Ich habe gerade die 12. Klasse eines Gymnasiums beendet. Dies ist zwar ein eher untypischer Zeitpunkt für ein Highschool-Jahr, aber ich glaube, dass man sich so eine Chance nicht entgehen lassen darf.

Da ich oft umgezogen bin, liebe ich es, an neue Orte zu gehen und neue Menschen kennenzulernen. In einem anderen Land mit einer komplett anderen Kultur zu leben, hatte aber schon immer einen besonderen Reiz. Also habe ich mich informiert, welche Möglichkeiten es gibt. Meine Wahl fiel auf ein Auslandsjahr mit Gastfamilie, weil es mir wichtig ist, dabei auch Erfahrungen als Familienmitglied zu sammeln. Finanziell war das aber leider nicht machbar, weswegen ich über Stipendien recherchiert habe und so auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm gestoßen bin.

Zum ersten Mal beworben habe ich mich in der zehnten Klasse, da habe ich das Stipendium aber leider nicht bekommen. Danach war die Enttäuschung natürlich groß – mich nochmal zu bewerben, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Ich war der Meinung, dass ich bestimmt nicht angenommen würde, weil ich schon mal bis in die letzte Runde gekommen war. Aber eine Lehrerin hat mir klargemacht, dass ich nichts zu verlieren habe. Also habe ich mich nochmal beworben und naja – dieses Mal hat es funktioniert.

Lektion gelernt: NIEMALS einen Traum aufgeben!

New York, New York

Ich werde nach New York kommen – und meine Version vom American Dream leben! Meine Gastfamilie ist zwar anders als ich sie mir ausgemalt hatte, aber trotzdem möchte ich sie für nichts auf der Welt eintauschen. Da ich sie relativ früh bekommen habe, konnten wir schon einiges planen. Wir werden uns natürlich New York City anschauen, aber auch die Niagarafälle, die nicht mal zwei Autostunden von mir entfernt sein werden. Wochenendtrips wie zum Beispiel nach Boston haben wir zwar noch nicht final ausgeplant, sind aber definitiv ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste. In den Winterferien dann beginnt unser (erster) großer Trip – wir besuchen die Familie von meiner Gastmutter, die in der Nähe von San Diego, Californien lebt. Aber auf dem Hinweg legen wir für drei Tage einen Stop in Las Vegas ein; dann werden wir auch eine Tagestour zum Grand Canyon machen. Meine Vorfreude ist gigantisch!! 

In den Ferien im Februar fahren/fliegen wir vielleicht nach Florida, wo wir uns Disney World und die Universal Studios anschauen und einen Tag bei der anderen Schwester von meiner Gastmutter verbringen würden. Ob und was genau da aber passiert steht noch in den Sternen. Das sind nur erste Ideen – diese Ferien möchte ich aber egal wie nutzen, um noch etwas vom Land zu sehen. Und zum Glück teilen meine Gastmutter und ich die Liebe zum Reisen.

Es sind jetzt noch 32 Tage. So langsam werden letzte Vorbereitungen getroffen; Adapter für die Steckdosen bestellen, Gastgeschenke kaufen, letzte Impfungen… Am wichtigsten aber: meine Zeit nutzen und viel mit Freunden und Familie unternehmen. Denn wenn mich das Stipendium schon jetzt etwas gelehrt hat, dann, dass Zeit unglaublich wertvoll ist.

Das ist das PPP
So funktioniert die Bewerbung
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