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Lehren aus der Corona-Pandemie

„Perspektiven junger Menschen systematischer einbeziehen“

Um die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie besser zu verstehen, hat die Enquete-Kommission Corona gemeinsam mit der Kinderkommission zu einem geschützten Austausch über die Pandemiejahre eingeladen. Franziska Hoppermann, Vorsitzende der Enquete-Kommission, und Michael Hose, aktuell Vorsitzender der Kinderkommission, ziehen nach dem Austausch mit den heute 12- bis 25-Jährigen ihr Fazit:

Leerer Spielplatz mit Schaukelgerüst und einem an einem Metallpfosten befestigten Schild mit Verbotshinweisen

Fernlehre, Abstandsregeln und der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen haben für viele Kinder und Jugendliche die Erfahrung der Corona-Pandemie geprägt. © picture alliance / GES/Markus Gilliar | Markus Gilliar

Frau Hoppermann, die Veranstaltung mit 150 Kindern und Jugendlichen hat nun stattgefunden. Können Sie schon ein Fazit ziehen?

Hoppermann: Gemeinsam mit der Kinderkommission haben wir als Enquete-Kommission historisches geleistet: Das erste Mal in der Geschichte des Parlaments wurden Kinder und Jugendliche direkt an der parlamentarischen Arbeit beteiligt – dies haben wir in den vergangenen Jahren viel zu selten getan. Die 12- bis 25-Jährigen waren durchweg sehr offen und engagiert dabei, es sind sehr viele konkrete Empfehlungen entstanden, mit denen wir gut weiterarbeiten können. Es ist sehr schön zu sehen, dass es bei den Kindern und Jugendlichen um einen positiven Blick nach vorne und ein Lernen aus der Krise ging.

Herr Hose, was hat Sie am meisten überrascht?

Hose: Mich hat vor allem die Klarheit und Ernsthaftigkeit gefreut, mit der die Kinder und Jugendlichen ihre Erfahrungen geschildert haben. Viele haben sehr konkret benannt, was ihnen in der Corona-Zeit gefehlt hat – nicht nur Unterricht, sondern vor allem soziale Kontakte, Struktur und Verlässlichkeit. Beeindruckt hat mich auch, wie differenziert sie die Rolle von Schule und Politik reflektieren. Das war kein allgemeines Klagen, sondern sehr konkrete Rückmeldungen aus dem Alltag.

Was wünschen sich die jungen Menschen von der Politik, falls es erneut zu einer solchen Krise kommen sollte? Und gab es auch etwas, das Sie traurig gemacht oder Sie positiv gestimmt hat?

Hose: Ich habe gelernt, dass wir die Perspektive junger Menschen viel früher und systematischer einbeziehen müssen. Sie wünschen sich vor allem Verlässlichkeit, klare Kommunikation und echte Beteiligung. Traurig gemacht hat mich, wie viele von Einsamkeit und Druck berichtet haben. Positiv war zugleich, wie reflektiert und lösungsorientiert viele Vorschläge waren – etwa zu besserer digitaler Bildung, mehr Unterstützung im Schulalltag und niedrigschwelligen Hilfsangeboten. Das zeigt: Diese Generation will und kann mitgestalten.

Hoppermann: Wir müssen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen einen offeneren Zugang finden. Trauen wir ihnen einfach mehr zu, denn der Tag hat uns gezeigt: Sie wollen mit uns zusammen agieren und was bewegen. Aber es braucht eine gute Kommunikation. Die Kreativität für neue Lösungen und Formen auf der einen und die Solidarität mit den Älteren und vulnerablen Gruppen auf der anderen Seite macht deutlich, wie groß der Zusammenhalt ist und wie verantwortungsvoll Kinder und Jugendliche sind.

Frau Hoppermann, wie wird die Enquete-Kommission mit den Ergebnissen der Veranstaltung verfahren?

Hoppermann: Wir lassen die Ergebnisse in die Arbeit der Enquete einfließen und es liegt nun in unseren (politischen) Händen, aus den Ergebnissen etwas zu machen: Denn wir sind es der „Generation Corona“ schuldig, dass wir aus ihren Erfahrungen für die Zukunft lernen und ihre Vorschläge ernst nehmen.

Franziska Hoppermann (CDU/CSU) sitzt seit 2021 im Deutschen Bundestag. Seit dem 8. September 2025 ist sie Vorsitzende der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“.

Michael Hose (CDU/CSU) sitzt seit 2025 im Deutschen Bundestag. Er ist Mitglied und aktuell Vorsitzender der Kinderkommission und gehört der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ an.