Tipps und Tricks

Wie wird man Journalist?

24.03.2021 – Spannende Themen, interessante Menschen, geniale Formulierungen – so stellen sich die meisten Menschen das Leben als Journalist vor. Aber wie kommt man an diesen Job? Die mitmischen-Redaktion hat recherchiert.
Frau hält Blog und zwei Mikrofone
Viele Wege führen in den Journalismus ... ©shutterstock/wellphoto

Ob in den Schlagzeilen auf dem Handy, beim Fußballspiel im Stadion, im Fernsehen, auf TikTok oder YouTube oder ganz klassisch bei der Papier-Zeitung: Der Beruf des Journalisten begegnet uns fast überall im Leben. Journalist zu sein klingt auf den ersten Blick ziemlich attraktiv und abenteuerlich, schließlich kommt man mit vielen Menschen und Geschichten in Kontakt. Aber wie wird man eigentlich Journalist oder Journalistin?

Was ist das eigentlich, Journalist?

Der Beruf ist, anders als Arzt oder Lehrer, keine geschützte Berufsbezeichnung. Das hängt mit der nicht unumstrittenen Interpretation des Artikels 5 im Grundgesetz zusammen. Darin steht, dass jede/r das Recht hat, eine Meinung in Wort, Bild und Schrift zu verbreiten. Das bedeutet, dass die journalistische Tätigkeit nicht von bestimmten Voraussetzungen abhängt – auch nicht von einer vorgeschriebenen Ausbildung. Daher wird offiziell meist vom „Berufsbild Journalismus“ gesprochen.

Journalistinnen und Journalisten, die hauptberuflich bei Presse, Rundfunk und Agenturen angestellt sind, werden als „Redakteure“ bezeichnet. „Reporter“ nennt man vorwiegend Journalisten, die im Außendienst arbeiten. Wer in speziellen Bereichen arbeitet, ist dann zum Beispiel Landeskorrespondent oder Auslandskorrespondent, Moderator, Onlineredakteur oder VJ (Video-Journalist). Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für Wirtschaft, Verbände oder Verwaltung sind Pressesprecher oder Pressereferenten tätig.

Gehaltschancen: 2.200 – 3.400 Euro brutto im Monat beim Berufseinstieg (nach dem Tarifvertrag für Redakteurinnen in Tageszeitungen). Je nach Arbeitgeber und Berufsbezeichnung kann das Gehalt jedoch stark variieren. In der Ausbildung oft nichts oder nur ein geringes Gehalt.

Dauer der Ausbildung: 3 bis 5 Jahre

Was macht man und wo?

Journalisten und Journalistinnen verbreiten Informationen mittels Wort, Bild, Ton oder in Kombination dieser Darstellungsmittel. Sie sammeln Informationen, prüfen sie, wählen sie aus und bereiten sie entsprechend der Darstellungsform für Printprodukte, Hörfunk, Fernsehen oder Onlinemedien auf, zum Beispiel als Nachricht, Video, Interview, Kommentar oder Leitartikel. Als Informationsquellen dienen Meldungen der Nachrichtenagenturen (bei denen ebenfalls Journalisten arbeiten), Pressekonferenzen, Informanten, Datenbanken, Archive, Social Media oder die eigenen Erlebnisse. Viele Journalisten sind heute in mehreren Bereichen gleichzeitig tätig und betreuen zum Beispiel auch die Social-Media-Kanäle eines Mediums.

Mittlerweile gibt es unzählige Möglichkeiten, als Journalist oder Journalistin zu arbeiten. Ganz klassisch bei einer Zeitung im Printmedium oder der Onlineredaktion, im Radio oder Fernsehen, bei Nachrichtenagenturen, in öffentlichen Einrichtungen, bei NGOs, also Nichtregierungsorganisationen, oder auch selbstständig.

Wie wird man das?

Auch wenn sich rein theoretisch jeder „Journalist“ nennen darf, ist ein gewisses Handwerkszeug auch für diesen Job sehr wichtig. Dazu gehört zum Beispiel, wie man richtig recherchiert, also Quellen findet und prüft, Themen findet, mit Informanten umgeht, Texte schreibt, die gut lesbar sind, oder die richtige Technik zum Aufbau und dem Bearbeiten von Videos oder beim Einsprechen von Texten oder einer Moderation.

Dabei solle man sich mit einem Thema gut auskennen: Der Wirtschaftsjournalist sollte etwa Kenntnisse über die Wirtschaft haben, der Wissenschaftsjournalist von Biologie, Chemie, Physik oder sonstiger Wissenschaft, der Kulturjournalist von Kultur und wer über Rechtsthemen schreibt, tut sicher gut daran, Jura zu studieren.

All dies kann man auf verschiedenen Wegen erlangen.

Zum Einstieg: Praktika

Ohne praktische Vorerfahrung läuft eigentlich fast nichts mehr. Wer nicht während der Schulzeit in eine Redaktion reingeschnuppert hat, kann das oft im Studium während eines (Pflicht-)Praktikums in den Semesterferien machen. Auch freie Mitarbeit bei der Regionalzeitung im Ort oder ein eigener Blog oder YouTube-Channel kann eine gute Voraussetzung sein, um erste journalistische Erfahrungen zu sammeln. Zudem kann man bei der Schüler- oder Studierendentzeitung testen, ob einem das schreiben liegt oder bei Portalen wie politikorange oder mitmischen.de.

Fun Fact

Der Beruf des Journalisten ist in jedem Land ein bisschen anders gestaltet. In den USA gibt es zum Beispiel noch die Aufteilung zwischen Reporter und Editor: Während Reporter für die Recherche zuständig sind, verfassen die Editoren die Texte. In Deutschland erledigt der Journalist das meist beides.

Das Volontariat

In dieser „Ausbildung“ lernt man alle Grundlagen des Journalismus. Meist arbeitet man schon in einer Redaktion und besucht zusätzlich Kurse zur Weiterbildung. In der Regel dauert ein Volontariat 18 bis 24 Monate. Voraussetzung sind hier meist erste Erfahrungen in Redaktionen durch Praktika und häufig auch ein Studienabschluss. Volontariate werden in fast allen Medienbereichen angeboten und sind qualitativ sehr unterschiedlich. Eine Liste mit allen Volontariaten findet ihr auf der Seite der Arbeitsagentur.

Die Journalistenschule

Neben den Volontariaten zählen Journalistenschulen zu den ältesten Ausbildungswegen im Journalismus. Bei ihnen ist der Bewerbungsprozess oft sehr aufwändig: Man muss Probetexte schreiben oder kleine Videos drehen und an persönlichen Gesprächen teilnehmen. Die Ausbildung dauert hier meist 12 bis 48 Monate. Es gibt jedoch pro Jahr nur wenige Plätze für sehr viele Bewerber.

Einige Schulen sind an große Medienhäuser angegliedert, die sich in den 80er Jahren entschlossen, ihren Nachwuchs selbst auszubilden. Wer dort einen Platz ergattert, hat danach meist große Chancen auf eine Anstellung in einem Medienhaus.

Andere Journalistenschulen sind zum Beispiel die Deutschen Journalistenschule in München (DJS), die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft e.V. oder beispielsweise die Evangelische Journalistenschule (EJS).

Studium

Daneben gibt es in den letzten Jahren immer mehr journalistische Studiengänge. Oft lohnt es sich, anfängliche breitere journalistischer Kenntnisse zu erwerben, die in späteren Studienphasen eine Spezialisierung nach Fachgebieten und/oder Mediengattung erleichtern; zum Beispiel zum Sportjournalisten. Wichtig ist außerdem die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Das ermöglichen einige Studiengänge über integrierte Volontärspraktika, die einem Volontariat gleichkommen, andere durch regelmäßige Praxiseinsätze, durch praktische Übungen oder durch die redaktionelle Gestaltung von Hochschulmedien.

Weiter Informationen findet ihr auf den Seiten des Deutschen Journalistenverbandes (djv), bei der Arbeitsagentur, oder auch direkt bei den einzelnen Medienhäusern und Redaktionen.

(lh)

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