Ulrich Lechte (FDP)

„Ist besonders, ein Volksvertreter zu sein“

Auch in der Sommerpause ist der Terminkalender von Ulrich Lechte voll. Deshalb hat Fabian im Video-Call mit ihm gesprochen. Es ging um die Studentenstadt Regensburg, was es bedeutet, Abgeordneter zu sein – und um Skat.
Foto von Ulrich Lechte auf einer Brück, im Hintergrund ist Regensburg zu erkennen.
Seit dem Studium lebt Ulrich Lechte in Regensburg. Er findet, die Stadt wirke manchmal wie „ein einziges großes Café“.

© Ulrich Lechte

Es ist 17 Uhr an einem Donnerstag. Ich sitze an meinem Schreibtisch und starte die Videokonferenz, die ich mit Ulrich Lechte von der FDP vereinbart habe. Eigentlich wollten wir uns persönlich treffen, doch verschiedenste Termine und unsere jeweiligen Urlaubspläne haben das unmöglich gemacht. Es ist Sommerpause im Parlament. Ulrich Lechte erscheint pünktlich auf meinem Bildschirm, er sitzt im Garten und nutzt den Moment, um zu entspannen, hat er doch einige Termine heute schon hinter sich.

Ulrich Lechte ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er wurde 2017 und 2021 über die Landesliste der FDP Bayern gewählt. Sein Wahlkreis ist der mit der Nummer 233, Regensburg. Und so pendelt der FDP-Politiker zwischen Berlin und Regensburg regelmäßig hin und her, in den Sitzungswochen des Parlaments ist er in der Hauptstadt, sonst in der Heimat.

Regensburg: Wuselige Studentenstadt

Öfter schon war ich selbst in Regensburg, ich habe viele Freunde, die dort studieren. Es ist eine wuselige Stadt, die sich vor allem durch die vielen Studenten auszeichnet. Es gibt eine vielfältige Kneipen- und Clubszene. Das bestätigt mir auch Lechte im Gespräch: „Das Leben in Regensburg ist gerade als junger Mensch sehr lebenswert“, findet er. Der Wahlkreis umfasst die Stadt Regensburg und den Landkreis. Regensburg sei als Universitätsstadt sehr modern. Der Landkreis ist eher von dörflichem Leben geprägt. „Ich finde, dass diese zwei Welten sehr harmonisch kombiniert wurden“, sagt der Abgeordnete. Rund 340.000 Menschen leben in seinem Wahlkreis.

Geboren wurde Ulrich Lechte in Sinsheim, Baden-Württemberg. 1996 kam er für sein Jurastudium nach Regensburg und ist dort geblieben. Seit vielen Jahren lebt er hier mit seinem Partner zusammen. 

Kontakt mit der „liberalen Familie“

Lechte erzählt seinen Lebenslauf wie aus der Pistole geschossen und ohne nachzudenken. Er berichtet anfangs von seinem ersten Kontakt mit der Politik: Er war dabei, als die Liberale Hochschulgruppe an seiner Universität gegründet wurde. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) ist ein Studierendenverband, der der FDP nahesteht. Dort hat er Freunde gefunden und wurde Teil der „liberalen Familie“ – so bezeichnet man in FDP-Kreisen die Gesamtheit der verschiedenen liberalen Verbände wie etwa den LHG und die Jungen Liberalen.

1998 trat Ulrich Lechte den Jungen Liberalen bei, der LHG und der FDP. 2000 wurde er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, kurz JuLis genannt, und konnte sich lange in dieser Position beweisen und halten.

An ein Mandat war zu dieser Zeit aber noch nicht zu denken – er leitete das Abgeordnetenbüro eines Mitgliedes des Bundestages in Regensburg. „An meiner Arbeit schätzte ich damals besonders die vielen Freundschaften, die durch diese Tätigkeit entstanden sind“, sagt er.

Regensburg im Sommer: wie ein riesiges Café

Ich frage den FDP-Politiker nach seinem Lieblingsplatz im Wahlkreis. „Mit Sicherheit eines der vielen Cafés in der schönen Altstadt von Regensburg“, antwortet er. Dort schaue er sich gerne das Treiben der Stadt an. „Regensburg wirkt im Sommer wie ein einziges großes Café“, fügt er hinzu. Das nutze er gerne, um seine Seele einmal abseits von Terminen baumeln zu lassen.

Kleines Rädchen im riesengroßen Räderwerk

Er erzählt mir, dass es für ihn etwas sehr Besonderes sei, ein Volksvertreter zu sein. „Die deutsche Demokratie ist ein großes Räderwerk. Es ist spannend, als Abgeordneter ein kleines Rädchen im großen Ganzen sein zu dürfen“.

Der FDP-Politiker sagt, dass wir es in Deutschland sehr gut hätten. Als Mitglied und Obmann des Auswärtigen Ausschusses falle ihm auf, dass die Gesellschaft oft auf hohem Niveau jammere. „Wir beschweren uns hier über Dinge – da würde man in anderen Ländern nur mit dem Kopf schütteln“, so Lechte. Er wolle deshalb dazu beitragen, die demokratische freiheitliche Grundordnung zu halten und sich für Freiheit und Frieden in der ganzen Welt einzusetzen.

Ulrich Lechte ist außerdem einer der 66 Schriftführer des Bundestages. Schriftführer werden vom Bundestag gewählt, sie sitzen im Plenum links und rechts neben der Bundestagspräsidentin oder einem ihrer Stellvertreter. Sie nehmen beispielsweise Wortmeldungen entgegen oder verlesen Schriftstücke.

Fulltime-Job: Abgeordneter

Lechte schätzt die Arbeit im Wahlkreis sehr, obwohl man hier mit sehr vielen unterschiedlichen Themen konfrontiert werde. „Das kann ganz schön herausfordernd sein“, sagt er. Schließlich könne ein Abgeordneter immer nur Experte auf einem Gebiet sein. Trotzdem liege ihm viel daran, Zusammenhänge zu verstehen. Deshalb trete er gerne mit Menschen in Kontakt und höre ihre Sicht der Dinge. „Das muss man mögen, oder?“, frage ich. „Stimmt“, nickt der Regensburger, „die Tage sind sehr lang und man hat wirklich immer etwas zu tun“.

Bei der Vorbereitung auf unser Gespräch ist mir auf Lechtes Homepage gleich der entsprechende Slogan aufgefallen. „Wir müssen wieder mehr miteinander reden“, steht da. „Und das tue ich nicht nur auf den öffentlichen Abendveranstaltungen“, sagt er, daneben gebe es unzählige Gespräche, Termine und Telefonate mit Bürgerinnen und Bürgern.

Viele Reisen ins Ausland

Aber nicht nur in seinem Wahlkreis ist Ulrich Lechte viel unterwegs. Als Obmann des Auswärtigen Ausschusses und außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion kommen zu den vielen Terminen in Deutschland noch einmal jede Menge Auslandsreisen hinzu, zu Treffen mit anderen Politikern oder Konferenzen.

Ohne seine Mitarbeiter könne er das Arbeitspensum nicht bewältigen, „schon alleine wegen der Masse an E-Mails, Bürgeranfragen, Termineinladungen und, und, und“.

Freizeit, die man hat, gut nutzen

„Schafft man es, auch einmal komplett abzuschalten?“, frage ich ihn im Hinblick auf dieses Pensum. Er lächelt: „Das schaffe ich zwischendurch mithilfe einer Thai Massage. Und wenn wirklich mal kein politischer Termin ansteht und der Kalender leer ist, gehe ich zum Skatspielen im Verein“. Letzteres sei zeitlich aber oft schwieriger.

Sein Verein sei sehr erfolgreich und könne bald auf Bundesebene spielen, erzählt der Politiker. „Beim Skatspielen kann ich komplett abschalten“. Das nächste Turnier ist für den 10. September angesetzt. Ich wünsch Ulrich Lechte dafür viel Erfolg und bedanke mich für das nette Gespräch.

Zur Person

Ulrich Lechte wurde 1977 in Sinsheim, Baden-Württemberg geboren. Nach der Schule studierte er in Regensburg. Anschließend arbeitete er unter anderem im Vertrieb, als Lektor und leitete ein Wahlkreisbüro. Seit 1998 ist er Mitglied der FDP, von 2000 bis 2004 war er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Bayern. 2017 zog Lechte in den Deutschen Bundestag ein. Er ist Obmann im Auswärtigen Ausschuss und Schriftführer des 20. Bundestages. Mehr erfahrt ihr auf seinem Bundestagsprofil.

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Mitmischen-Autor
Fabian Ernstberger
ist 19, gelernter Bankkaufmann, lebt in der Oberpfalz und macht gerade sein Abitur. Er engagiert sich in der Schülervertretung und anderen Gremien für mehr Jugendbeteiligung in der Politik. Außerdem ist er beim Bundesprogramm „Demokratie leben!“ aktiv.
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