Ehrenamt-Bericht

„Ich kann ganz konkret etwas verändern“

21.08.2019 – Schülervertretung, UNESCO-Projekt, Partei-Engagement – Tim verbringt ganz schön viel Zeit mit seinen verschiedenen Ehrenämtern. Hier erzählt er, warum sich das sowas von lohnt.
Junger Mann vor einem Aufsteller der UNESCO
Wie können junge Leute sich in der Kultur- und Bildungspolitik einbringen? Tim engagiert sich unter anderem bei der UNESCO. © privat

Heute geht’s um bürgerschaftliches Engagement. Wie kamst du dazu, dich zu engagieren?

Alles hat mit der Schülervertretung begonnen. Nach und nach bin ich dann auf immer mehr Beteiligungsangebote aufmerksam geworden. 

Und wo genau engagierst du dich zur Zeit?

Zum einen bin ich Schülersprecher unserer Schule und parallel eben sehr engagiert in der Schülervertretung. Zum anderen setze ich mich außerschulisch für Jugendbeteiligung in verschiedensten Bereichen ein. So war ich junger Multiplikator der Europäischen Kommission für die Europawahl und nehme derzeit an einem Programm der deutschen UNESCO teil. Die UNESCO ist eine Organisation der Vereinten Nationen, die sich für Bildung, Wissenschaft und Kultur einsetzt. Bei dem Projekt "Junge Ideen" beschäftigen sich 20 junge, politisch interessierte Menschen damit, wie sich junge Leute in der Kultur- und Bildungspolitik einbringen können. Außerdem arbeite ich in einer Partei und ihrer Jugendorganisation mit.

Das klingt nach vollgepackten Tagen. Wie viel Zeit verbringst du mit all deinen Projekten?

Ja, es ist sehr zeitaufwendig. Aber wie viel Zeit ich für die jeweiligen Projekte aufwende, ist sehr phasenabhängig. Manchmal habe ich extrem viel zu tun, dann gibt es wieder ruhigere Wochen. Im Schnitt würde ich meinen Zeitaufwand auf fünf Stunden pro Woche schätzen.

Und wie sieht es aktuell aus? 

An dem Projekt der UNESCO habe ich in letzter Zeit sehr viel gearbeitet. Bald findet die jährliche Hauptversammlung der deutschen UNESCO statt. Dafür mussten Präsentationen erstellt, Abstimmungen getroffen und Diskussionen geplant werden. Ich schätze, in den letzten zwei Monaten habe ich mich etwa 25 Stunden damit beschäftigt. 

Wow! Das ist wirklich viel Zeit. Warum machst du das überhaupt?

Einmal ermöglichen es mir diese Projekte und Organisationen, für meine Werte einzutreten und an Themen zu arbeiten, die ich als wichtig erachte. Ich habe die Möglichkeit, ganz konkret etwas zu verändern und direkte Auswirkungen meiner Arbeit zu spüren. Außerdem bieten mir meine Projekte den Raum und die Freiheit, kreativ zu werden. Das macht mir großen Spaß. Mein Engagement hat mir auch zu einem Netzwerk aktiver, junger Menschen verholfen, das immer wieder durch neue, interessante Leute ergänzt wird. Von diesen Menschen, aber oft auch allein durch die Arbeit an einem Projekt, lerne ich viele neue Skills und Arbeitsmethoden, die mir später beim Studium und im Leben helfen werden.

Woran denkst du besonders gern zurück?

Während meines Auslandsjahres in den USA habe ich viele Stunden in einem Community Center für Latino- und Hispanic-Kinder geholfen. Wir haben den Kindern dort vorgelesen, mit ihnen gespielt und sie bei den Hausaufgaben unterstützt. Die Kinder kamen aus einkommensschwachen und bildungsschwachen Familien, in denen es auch oft Gewalt gab. Am Ende meines Jahres dort habe ich mit einem anderen Freiwilligen im Community Center ein kleines Nachmittagsfest veranstaltet. Eltern und Kinder wurden eingeladen und spielten einen Nachmittag zusammen. Viele der Kinder spielten sonst nie mit ihren Eltern ­– sie waren den ganzen Nachmittag so glücklich, ich werde nie vergessen, wie sie gestrahlt haben. Wie man mit solchen Kleinigkeiten diese Kinder so glücklich machen konnte, das hat mich auch sehr glücklich gemacht.

Wie könnte man mehr junge Menschen dazu motivieren, sich zu engagieren?

Das ist eine sehr schwierige Frage, auf die ich keine perfekte Antwort habe. Ich würde aber zuerst einmal bei der Werbung beginnen. Es muss mehr Werbung für ehrenamtliches Engagement gemacht werden. Außerdem muss sich das Bild von Ehrenamt in der Gesellschaft wandeln. Engagement an sich muss von der Belastung durch Vorurteile wie „Bringt sowieso nichts!“ befreit werden. Und engagierte Jugendliche sollten mehr wertgeschätzt und ernstgenommen werden. In den USA ist es zum Beispiel so, dass einmal im Jahr ein kleines Fest für alle Freiwilligen veranstaltet wird, um ihnen für ihre Arbeit zu danken. Auch kleine Geschenke werden dann verteilt. So fühlen sich die engagierten jungen Menschen dort wertgeschätzt.

Über Tim Oswald

Tim ist 18 und Schüler am Lise-Meitner-Gymnasium in Maxdorf. Neben seinen vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten und Hobbys schreibt er übrigens auch selbst für mitmischen.de. 

Kommentare