Ehrenamt

Flexibler, digitaler, jünger

Ehrenamtliches Engagement verändert sich: Vor allem junge Menschen engagieren sich gerne auch digital. Das geht aus dem Dritten Engagementbericht der Bundesregierung hervor.
Eine junge Frau sitzt winkend vor dem Laptop
Ehrenamtliches Engagement findet heute auch oft digital statt, insbesondere für junge Menschen. © shutterstock/Dean Drobot

Viele Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich, darunter auch viele junge Leute. Ob in der Freiwilligenfeuerwehr, bei den Pfadfindern oder in der Flüchtlingshilfe: Rund 30 Millionen Menschen setzen einen Teil ihrer Freizeit für bürgerschaftliches Engagement ein.

Ein Unterausschuss fürs Ehrenamt

Häufig können Organisationen ihre Arbeit nur deshalb machen, weil es freiwillige Helfer gibt. Und auch für die Demokratie ist es wichtig, dass Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Wer sich ehrenamtlich einbringt, beteiligt sich an gemeinsamen Vorhaben, gestaltet mit, übernimmt Verantwortung und lernt mitunter, wie Entscheidungen auf demokratische Weise getroffen werden. Denn wenn viele Menschen zusammenkommen, gibt es unterschiedliche Idee und Vorstellung und gemeinsam muss man Kompromisse aushandeln.

Wie wichtig das Ehrenamt für die Demokratie ist, hat uns auch Ariane Fächer, die stellvertretende Vorsitzende des Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement, im Interview erklärt.

Arbeit im Unterausschuss

Freiwillige Helfer brauchen die richtigen Rahmenbedingungen für ihr Engagement. Deswegen beschäftigen sich auch die Abgeordneten im Bundestag immer wieder mit dem Thema. Es gibt sogar einen eigenen Unterausschuss: Den Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement, der zum Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gehört. Der Unterausschuss beschäftigt sich beispielsweise mit Gesetzesvorhaben, die ehrenamtliche Tätigkeiten betreffen.

Mitglieder des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement im Interview

Dritter Engagementbericht der Bundesregierung

Auch im Plenum wurde kürzlich über ehrenamtliches Engagement gesprochen. Es ging um den sogenannten Dritten Engagementbericht der Bundesregierung. Der Bericht stammt noch aus der vergangenen Wahlperiode.

Eine Sachverständigenkommission von neun Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen hatte sich schwerpunktmäßig mit dem Engagement junger Menschen in der digitalisierten Welt beschäftigt. Ziel des Berichts sei unter anderem, Anregungen zu geben, in welcher Weise Engagement durch geeignete Rahmenbedingungen befördert und gestärkt werden könne, heißt es. So soll er eine „Grundlage für gesellschaftspolitisches Handeln für Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“ bieten.

Engagement junger Leute

Das Engagement junger Menschen sei insgesamt hoch, stellen die Autoren fest. Im Rahmen des Berichts hat die Kommission eine Studie in Auftrag gegeben, die die Rolle der Digitalisierung im Engagement der jungen Menschen aufzeigt. Eine Erkenntnis: Online- und Offline-Engagement seien keine trennbaren Handlungsfelder für die jungen Menschen.

Die Studie zeige auch bildungsbezogene Ungleichheiten auf: Jugendliche an Haupt- und Realschulen engagieren sich im Vergleich zu Schülern an Gymnasien seltener im digitalen ehrenamtlichen Bereich. Dies gelte auch für das ehrenamtliche Engagement im nicht-digitalen Bereich. Jugendliche, die ein Gymnasium besuchen, engagieren sich allgemein also häufiger ehrenamtlich.

Soziale Medien im Ehrenamt

Soziale Medien wie Twitter, Facebook oder Instagram erfüllten laut Bericht eine wichtige Funktion beim Engagement: Für rund 58 Prozent der Befragten seien sie für Organisationszwecke wichtig, dabei wurde hier vor allem Whatsapp genannt.

Viele der Befragten sähen Vorteile, soziale Medien und das Internet für ihr Engagement zu nutzen. Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass man sich so freier entscheiden könne, wofür und wann man sich engagiere. Zudem ergäben sich so Möglichkeiten, sich unabhängig vom Wohnort an ehrenamtlichen Projekten zu beteiligen. Das fanden rund 65 Prozent der Befragten.

Vorschläge der Kommission

Aus ihren Erkenntnissen haben die Autoren und Autorinnen einige Schlussfolgerungen für die Engagementpolitik abgeleitet. Dazu gehört beispielsweise der Vorschlag, den jungen Leuten digitale Beteiligung in den Organisationen zu ermöglichen, die bereits bestehen.

Außerdem betont die Kommission, wie wichtig es sei, dass politische Institutionen und Institutionen, bei denen man sich ehrenamtlich einbringen kann, über die Lebensumstände der jungen Generation informiert seien. Sie schlagen deshalb vor, „junge digitale Beiräte“ einzusetzen. Diese sollten bei Entscheidungen, die das ehrenamtliche Engagement betreffen, eingebunden werden. 

Zudem weisen die Experten darauf hin, dass Schulen zentral sind, um den Jugendlichen Engagement und politische Beteiligung nahezubringen. Deshalb sollten diese beiden Bereiche nach Auffassung der Kommission stärker als bislang in den Unterricht eingebunden werden.

Fachgespräch im Unterausschuss

Prof. Dr. Jeanette Hofmann, die Vorsitzende der Sachverständigen-Kommission des Dritten Engagementberichts, nahm auch an einem Fachgespräch im Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement teil. Hier fasste sie drei wichtige Punkte aus dem Engagementbericht noch einmal zusammen:

  • Gesellschaftliches Engagement nehme in der jungen Generation nicht ab, es werde flexibler und projektförmiger.
  • Engagement profitiere von der Digitalisierung.
  • Es gebe große soziale Ungleichheit: Engagement sei weitgehend etwas für sozioökonomisch Privilegierte, Schüler mit geringerer Bildung stünden eher abseits. In diesem Bereich bestehe der größte öffentliche Handlungsbedarf.

Den Dritten Engagementbericht der Bundesregierung findet ihr hier, zum Fachgespräch des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement geht es hier.

(mk)

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