Unternehmensgründungen

Traut euch doch!

02.10.2019 – Immer weniger Menschen in Deutschland wagen den Schritt in Richtung Start-up. Wie das zu ändern ist, dazu haben die FDP und die Grünen Vorschläge gemacht.
Junges Team bei der Arbeit
Junges Team, frische Ideen: In Start-ups geht es oft recht locker zu. © shutterstock.com/Rawpixel.com

Ob man nun recycelte Klamotten verkauft, eine neue Software entwickelt oder irgendeine andere Geschäftsidee verfolgt – ein eigenes Unternehmen zu gründen, braucht auf jeden Fall Mut. Schließlich muss man tausend Dinge bedenken und organisieren. Und niemand verspricht einem, dass es gut läuft. 

Gründungen sind aber wichtig für unsere Wirtschaft. Sie bedeuten neue Arbeitsplätze und damit Einkommen für die Beschäftigten, Innovationen und Steuergeld für den Staat, der damit wieder etwas für die Allgemeinheit finanzieren kann. Neue Ideen bringen frischen Wind und man lernt daraus. Deshalb ist es schade, dass die Zahl der Neugründungen zurückgeht. Im Jahr 2018 gründeten 17 Prozent weniger Menschen ein Unternehmen als noch 2017. 

Die Situation in Ost und West 

Die sogenannte Gründungsquote im Westen Deutschlands liegt bei 5,2 Prozent. Das heißt, dass eine von 19 Personen im Alter von 18 bis 64 seit 2015 gegründet hat oder gerade eine Gründung vorbereitet. Zum Vergleich: Im Osten Deutschlands (inklusive Berlin) ist es nur eine von 26 Personen. 

Gründe dafür gibt es viele. Im Osten gibt es mehr ländliche Regionen und schrumpfende Städte. Außerdem sind die Bedingungen zum Teil schlechter, zum Beispiel weil es weniger Arbeitskräfte oder schlechtere Verkehrsverbindungen gibt. Diese Aspekte führen zudem zu einer unterschiedlichen subjektiven Wahrnehmung der Gründungschancen: Während in Westdeutschland 43 Prozent gute Gründungschancen in ihrer Region sehen, können dieser Aussage nur 38 Prozent der Ostdeutschen zustimmen.

Diese Zahlen stammen aus der Studie Global Entrepeneurship Monitor, die jedes Jahr Unternehmensgründungen in 70 Ländern untersucht. 

Die FDP und Bündnis 90/Die Grünen brachten jeweils einen Antrag in den Bundestag ein, in dem sie ihre Ideen beschrieben, wie man die Situaion ändern könnte. Dabei sehen sie ganz verschiedene Wege.

Vorschläge der FDP 

Die FDP legte in ihrem Antrag einen besonderen Fokus auf die Einrichtung sogenannter „Freiheitszonen“ im Osten Deutschlands. Was bedeutet das? In so einer Freiheitszone gäbe es weniger Bürokratie, die Gründung könnte also schneller und unkomplizierter vonstatten gehen. Die Gründer hätten mehr Experimentier-Spielraum und würden professionell beraten. 

In Zukunft würden erfolgreiche Modelle zur Förderung von Gründern dann auf die gesamte Republik übertragen werden.

Vorschläge der Grünen 

Die Grünen schlugen in ihrem Antrag gleich ein ganzes Maßnahmen-Paket vor. So wollten sie zum einen die Finanzierung der Gründung vereinfachen. Zum anderen forderten sie ein besseres Beratungsangebot für Start-up-Gründer, zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit und Green Economy. Frauen sollten dabei besonders gefördert werden, weil sie bisher nur 37 Prozent der Unternehmen gründen. Außerdem plädierten die Grünen für mehr europäische und internationale Zusammenarbeit.

Was sagen die anderen Fraktionen? 

Beide Anträge wurden am 28. September im Bundestag diskutiert. In der darauffolgenden Abstimmung konnte sich jedoch keiner der Anträge gegen die Stimmen der anderen Fraktionen durchsetzen.

Astrid Grotelüschen (CDU/CSU) gab in der Debatte zwar zu, dass es in den letzten Jahren immer weniger Menschen gebe, die gründen wollten. Sie betonte aber, die Koalition hätte dieses Problem schon längst erkannt. Vieles, was die Grünen vorgeschlagen hätten, würde schon angegangen. An dem Antrag der FDP kritisierte Grotelüschen, dass er nur auf den Osten schaue, obwohl es auch in Westdeutschland Regionen gebe, in denen es nicht voran gehe. 

Die Debatte und die Positionen der anderen Fraktionen könnt ihr im Video verfolgen: 

Kommentare