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Jugend-Enquete-Kommission 2026

„Wir haben unsere Arbeit getan, jetzt sind Sie dran“

20. Oktober 2026 Jasmin Nimmrich

Wie gefährlich sind Fake News für den politischen Diskurs? Wie verändert künstliche Intelligenz die Medienlandschaft? Und welche Verantwortung tragen Plattformen, Medien und Politik? Um Antworten auf diese Fragen zu geben, hat die Jugend-Enquete-Kommission 2026 Forderungen aufgestellt, die Souveränität und Sicherheit im digitalen Raum für junge Leute gewährleisten sollen.

In einem modernen Konferenzraum mit großen Glasflächen steht eine junge Frau an einem Rednerpult und spricht zu einer Gruppe von Menschen, die an einem langen, ovalen Tisch sitzen. Im Hintergrund ist eine große Leinwand mit weißer Schrift auf blauem Grund zu sehen. An der Wand hängen mehrere Porträtfotos. Die Anwesenden wirken aufmerksam und konzentriert, einige machen sich Notizen oder schauen in Richtung der Rednerin. Auf dem Tisch stehen Mikrofone, Namensschilder und Getränke.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Räumen war eines der Hauptanliegen der Mitglieder der Jugend-Enquete-Kommission 2026. © Reinhardt und Sommer

Nach dem parlamentarischen Vorbild einer Enquete-Kommission hat sich die diesjährige und mittlerweile fünfte Jugend-Enquete-Kommission von April bis Juli intensiv mit den Themen künstliche Intelligenz, Fake News und Social Media sowie Fragen der politischen Regulierung auseinandergesetzt. Die „Jugend-Enquete-Kommission e.V.“ ist ein überparteilicher, gemeinnütziger Verein, in dem sich junge Menschen aus ganz Deutschland gesellschaftspolitisch engagieren können. Dabei werden sie von Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Praxis unterstützt.

Das Policy Paper 2026 beschäftigt sich mit der Frage „Fake News und KI: Gefahren für die Medienlandschaft?“ und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Öffentlichkeit. Die jungen Menschen fordern darin mehr Schutz Minderjähriger auf Social-Media-Plattformen, digitale Souveränität und Maßnahmen gegen digitale Gewalt. 18 Kommissionsmitglieder im Alter von 16 bis 27 Jahren haben die Ausarbeitung am 16. Oktober dem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien im Beisein des Vorsitzenden Sven Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen) und der Schirmherrin der Jugend-Enquete-Kommission, Bundestagsvizepräsidentin Josephine Ortleb (SPD), übergeben. 

„Ohne einen Austausch auf Augenhöhe gibt es keine Jugendbeteiligung“

Während die Policy Papers der letzten vier Enquete-Kommissionen an den Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend übergeben wurden, händigten die diesjährigen Kommissionsmitglieder ihren Bericht erstmals dem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien aus, einem auf das Thema zugeschnittenen Fachausschuss. Wie wichtig die Beteiligung junger Menschen sei, betonte Josephine Ortleb (SPD). Denn „junge Stimmen werden im Bundestag gebraucht“ ganz generell und vor allem auch da, wo es um die konkrete politische Sache gehe, so die Bundestagsvizepräsidentin.

Mit den vorgestellten Forderungen der Jugend-Enquete-Kommission „geht es um euch, um eure Stimme“, sagte Ortleb. Auch im Deutschen Bundestag müsse jungen Menschen kontinuierlich ein Raum geöffnet werden, in dem ihre Sorgen und Wünsche ernst genommen würden. „Die Augenhöhe ist dabei entscheidend, denn ohne einen Austausch auf Augenhöhe gibt es keine Jugendbeteiligung“, resümierte sie. Den Verein stellte Ortleb als Vorbild für gelungene Jugendbeteiligung dar.

Eine Gruppe von Menschen steht in einem modernen Sitzungssaal hinter einem langen Konferenztisch. Die Personen sind überwiegend formell gekleidet und blicken in die Kamera. Auf dem Tisch liegen Wasserflaschen, Gläser, Namensschilder und Unterlagen. Im Hintergrund ist ein großer Bildschirm zu sehen, auf dem ein Text angezeigt wird. Der Raum ist hell und hat eine runde Architektur mit einer umlaufenden Galerie.

Die Mitglieder der diesjährigen Jugend-Enquete-Kommission haben die Forderungen ihres Policy Papers im Ausschuss für Kultur und Medien im Bundestag vorgestellt. © mitmischen.de

„Wir sind nicht für Applaus gekommen“ 

Stellvertretend für den Vereinsvorstand stellte Catharina Brock die Forderungen der diesjährigen Kommission vor. „Jugendbeteiligung sollte selbstverständlich sein“, sagte Brock an die anwesenden Bundestagsabgeordneten gewandt. Denn schließlich sei es der Anspruch an politische Maßnahmen, über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, hinweg zu wirken. Daher sollten bei jeder politischen Entscheidung auch die Menschen mit einbezogen werden, die unmittelbar davon betroffen seien und sein würden. 

Politics without youth is politics without use.

Der Jugend-Enquete-Kommission e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht. Der Verein hat das Ziel, die politische Partizipation junger Menschen zu stärken und ihnen nachhaltiges politisches Gehör zu verschaffen.

Einmal jährlich gibt es eine Jugend-Enquete-Kommission, in deren Rahmen junge Leute die Möglichkeit erhalten, ihre Perspektiven zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen in Entscheidungsprozesse einzubringen.

Schutz und Souveränität 

Zu einer der zentralen Forderungen der Jugend-Enquete-Kommission 2026 zählt die Einführung einer Altersbegrenzung bei Social Media, ein Thema, das in der Politik bereits diskutiert wird. Für die Kommission steht zudem fest, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht am Endgerät aufhören dürfe. Daher lauten die konkrete Forderungen an den Ausschuss für Kultur und Medien: Einführung eines verbindlichen und standardisierten Tests der Medienkompetenz in der neunten Klasse sowie Angebote digitaler Lernmodule zu Datenschutz und künstlicher Intelligenz.

Außerdem betont das Policy Paper die Bedeutung von „Daten- und KI-Souveränität“, um europäische Datenhoheit zu sichern, und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern abzubauen. Für den Einsatz von KI-Modellen in Schulen und Behörden müsse daher ein „European Models First“-Ansatz gelten. 

Die Forderungen

Handlungsfeld 1: Zugang zu Sozialen Medien ab 16 Jahren

  • Der Schutzraum für die nächste Generation – Strikte Plattformregulierung und strukturelle Anpassungen im Sinne des Jugendschutzes

  • Verbindliches Mindestalter von 16 Jahren für Social-Media-Accounts und verpflichtende Altersverifikation auf europäischer Ebene

  • Verbindliche Feststellung des Medienkompetenz-Niveaus und gezielte Förderung durch digitale Bildungsmodule

Handlungsfeld 2: Digitale Souveränität

  • „European Models First“ als Standard für die KI-Nutzung an deutschen Schulen

  • SEAL-Score zur digitalen Souveränität der Bundesverwaltung

Handlungsfeld 3: Schutz gegen digitale Gewalt

  • Schutzlücke schließen: Nachschärfung des geplanten § 201b StGB gegen Deepfakes

  • Errichtung einer zentralen Koordinierungs- und Anlaufstelle für Opfer digitaler Gewalt

Und so geht es weiter 

Mit den Abschlussworten „Wir haben unsere Arbeit getan, jetzt sind Sie dran“, übergaben die jungen Leute ihre Forderungen offiziell an den Deutschen Bundestag. Damit werden sich die anwesenden Abgeordneten weiter beschäftigen.  

Dass es auch im kommenden Jahr eine Jugend-Enquete-Kommission geben wird, steht bereits fest! 2027 wird sich diese mit dem Thema „Psychische Resilienz junger Menschen stärken: zwischen Prävention, Versorgung und Digitalisierung“ beschäftigen. Bis zum 3. November können sich Interessierte zwischen 15 und 27 Jahren bewerben. Alle Infos dazu findest du hier.