Fachgespräch im Ausschuss
Handlungsdruck bei mentaler Gesundheit junger Menschen
Naomi Webster-Grundl
Wie kann die mentale Gesundheit von jungen Menschen gestärkt werden? Mit dieser Frage hat sich der Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend in einem Fachgespräch befasst, bei dem Sachverständige aus Medizin, Sozial- und Schulwesen ihre Einschätzungen geteilt haben.
Leistungsdruck in der Schule kann ein Faktor für psychische Belastung bei jungen Menschen sein. © picture alliance / Westend61 | Anastasiya Amraeva
Bei Kinder- und Jugendhilfe darf nicht gespart werden! So lautet der Appell der Expertinnen und des Experten, die am 22. April 2026 im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Sachverständige zu Gast waren. Das Thema der Sitzung: „Mentale Gesundheit von jungen Menschen – Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen“. Nach den Statements der Fachleute hatten die Fraktionen Gelegenheit, ihre Fragen an diese zu richten.
Die Sachverständigen und ihre Vorschläge, um die mentale Gesundheit von jungen Menschen nachhaltig zu verbessern:
Freia De Bock, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité Berlin:
Soziale Medien regulierenAmy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz:
Teilhabe junger Menschen in allen Entscheidungsprozessen etablierenMichael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter in Rostock:
Verbindlichen Qualitätsrahmen auf Schulebene und auf kommunaler Ebene für präventive Maßnahmen schaffenChristine Lohn, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. (BAG EJSA):
Finanzierungssystem für Kinder- und Jugendhilfe so umbauen, dass Hilfe wirklich ankommtCornelia Metge, Mitglied im Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer:
Separate Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapie realisieren
Betont wurde, wie wichtig eine frühe Prävention für die mentale Gesundheit von jungen Menschen sei, um Resilienz, Selbstregulation, Stressbewältigung und Medienkompetenz zu fördern. Einig waren sich die Sachverständigen außerdem, dass die Verbesserung der Strukturen in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in Schulen ausreichend finanzielle Mittel erfordere.
Laut einer aktuellen repräsentativen Studie der Robert Bosch Stiftung, auf die sich mehrere der Expertinnen bezogen, ist jedes vierte Kind in Deutschland psychisch belastet. Die Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, Amy Kirchhoff, führte als Gründe dafür die aktuellen Krisenzeiten, Leistungsdruck in der Schule und den Einfluss von Social Media an.
Christine Lohn, die die Perspektive der Jugendsozialarbeit vortrug, erklärte: „Die Jugend hat in unserer Gesellschaft keine Lobby, und junge Menschen nehmen das auch so wahr.“ Die politische Diskussion um geplante Sparmaßnahmen komme durch Social Media ungefiltert bei jungen Menschen an, so Lohn. Sie betonte, dass es negative Auswirkungen auf die Betroffenen habe, wenn Kinder und Jugendliche erlebten, wie Angebote zusammengestrichen würden. Diejenigen, die auf Kinder- und Jugendhilfe angewiesen seien, würden die Auswirkungen von Kürzungen in diesem Bereich direkt spüren.
Laut Kirchhoff zeige sich erneut: „Dinge werden über Jugendliche entschieden, ohne dass mit Jugendlichen gesprochen wird.“ Da die Lebensrealität von Jugendlichen von Politik geprägt werde, müssten junge Menschen auch in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Dadurch würde die Selbstwirksamkeit gestärkt werden und deren mentale Gesundheit enorm profitieren.