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Freiwilligendienste Was wünschen sich junge Menschen?

Sophie Herzberger

Was brauchen Jugendliche, damit sie sich engagieren? Diese Frage beschäftigt die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und den Unterausschuss ,,Bürgerschaftliches Engagement“ im Deutschen Bundestag.

Junge Frau am Strand

Viele, die freiwillig etwas für die Gesellschaft tun, wünschen sich Anerkennung. © picture alliance / dpa | Carsten Rehder

Nach der Schule oder im Studium ein Jahr Auszeit nehmen, herausfinden, wo der eigene Weg hingehen soll oder einfach anderen Menschen helfen – das ist die Idee vom Freiwilligendienst. Aber was denken junge Menschen überhaupt über diese Angebote? Und was kann man tun, um Freiwilligendienste, wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), noch attraktiver zu machen?

Dazu hat der Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“ des Bundestages kürzlich eine Expertin befragt: Ana-Maria Stuth, Abteilungsleiterin Programme bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Der Anlass: Die DKJS hatte Ergebnisse einer Befragung zum jungen Freiwilligenengagement herausgegeben.

Die Umfrage war im Rahmen sogenannter Zukunftswerkstätten, Jugendhearings (Anhörung) und durch Online-Befragungen durchgeführt worden und sollte Aufschluss darüber geben, wie Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 27 Jahren zum Thema Freiwilligendienst stehen. Dazu wurden im Jahr 2019 1.190 junge Menschen befragt, die teilweise engagiert waren, teilweise aber auch nicht. Die Umfragen fanden im städtischen wie auch im ländlichen Raum statt.

Die Befragung sei nicht repräsentativ, könne jedoch viele interessante Tendenzen zeigen sowie Schlüsse für weitere Forschungsvorhaben zulassen, so das DKJS.

Was ist freiwilliges Engagement?

Für die Befragung definierten die Initiatoren zunächst, was in Deutschland als freiwilliges Engagement gilt. Unter den Begriff sind alle Tätigkeiten gefasst, die gemeinwohlorientiert ausgeübt werden können, ohne dafür eine mögliche Bezahlung zu erwarten. Dies kann in Form eines FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr), FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr), IJFD (Internationaler Jugendfreiwilligendienst) oder BFD (Bundesfreiwilligendienst) stattfinden.

Es geht darum, an einer Einsatzstelle, wie zum Beispiel im Kindergarten oder bei einer Umweltorganisation, eingesetzt zu werden und diese Chance zu nutzen, die persönliche Entwicklung zu fördern, wie auch einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Aber auch individuelle Hilfen wie etwa die Nachbarschaftshilfe fällt unter den Begriff des freiwilligen Engagements.

Das wünschen sich Jugendliche

Ana-Maria Stuth stellte dem Ausschuss vor, was die Jugendlichen zu einer Reihe von Fragen äußerten: 71 Prozent der Befragten ist Zuspruch aus dem Umfeld von Freunden und Familie wichtig bis sehr wichtig, wenn sie sich dazu entscheiden, einen Freiwilligendienst zu machen. Außerdem wünschen sich fast 70 Prozent einen Qualifikationsnachweis, etwa ein Zeugnis. 59 Prozent der bisher nicht-engagierten Teilnehmer konnten sich zudem vorstellen, ein freiwilliges Engagement zu beginnen. Wer sich schon engagiert, ist vor allem im Bereich Schule und Bildungsarbeit aktiv.

Viele Befragte haben das Gefühl, dass eine Tätigkeit im sozialen Bereich nicht besonders positiv angesehen werde. Ein weiterer Faktor ist der Zeitaufwand – fast 50 Prozent lassen sich davon abschrecken. Auch möchten sie mit Studierenden oder Auszubildenden gleichgestellt werden und Vorteile wie Vergünstigungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen können.

Weiterhin erhoffen sich zahlreiche Befragte mehr Flexibilität. Sich auf ein ganzes Jahr festzulegen, ohne jemals einen Vollzeitjob gehabt zu haben, sei vielen zu unflexibel, erklärte die Sachverständige. Außerdem bemängeln einige Jugendliche die Möglichkeit der Eigeninitiative innerhalb der freiwilligen sozialen Arbeit.

Zu wenig Informationen

Ein letzter Punkt der Befragung ergibt, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene die Möglichkeit der Information über Angebote im sozialen Dienst als schwer zugänglich empfinden. Weder in der Schule noch in sozialen Netzwerken gäbe es ausreichend Informationen darüber, was man in diesem Bereich alles machen könne. 46 Prozent der Befragten geben an, nicht zu wissen, wo man sich engagieren kann. Vor allem der Wunsch nach Infomationen in den sozialen Medien ist groß: 50 Prozent würden gern mehr Inhalte über über Instagram bekommen.

Fazit der Studie: Vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das Engagement im Freiwilligendiest ein wichtiges Anliegen. 66 Prozent der Befragten engagieren sich schon jetzt, fast 60 Prozent derer, die bisher noch nicht engagiert sind, können es sich vorstellen. Beeinträchtigt wird dieses Interesse und der Wunsch nach Spaß und Hilfe durch fehlende Informationen. Viele Befragte wünschen sich außerdem mehr Flexibilität und Mitbestimmung bei den Angeboten und Anerkennung durch die Gesellschaft und aus dem eigene Umfeld.

Das sagen die Verantwortlichen

Der Unterausschuss des Bundestages, geleitet von Alexander Hoffmann (CDU/ CSU), kam online zusammen. Zu Gast war Ute Kortländer, eine Referentin aus dem Bundesfamilienministerium, die zu den Ergebnissen der Studie Stellung nahm. Es gebe bereits Projekte, die den Wünschen der Befragten nachkämen und weiter ausgebaut werden sollten. Als Beispiel nannte sie das Projekt „Freiwillige Botschafterin“. Dieses besteht aus amtierenden und ehemaligen Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Freiwilligendienstes und konzentriert sich auf die Verbreitung von Informationen über freiwillige Arbeit. Es sollen weitere Möglichkeiten der Informationsverbreitung an Schulen und über leicht zugängliche Internetseiten erarbeitet werden, kündigte Kortländer an.

Zur Frage der Flexibilität sagte Ute Kortländer, dass man bereits nach dem Freiwilligendienste-Teilzeit-Gesetz vom Mai 2019 einen Freiwilligendienst von sechs Monaten absolvieren könne. Dies setze bestimmte Bedingungen voraus, sei aber möglich. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass ein solcher Dienst auch eine Echtzeit-Simulation darstellen solle, also etwa eine Vollzeittätigkeit. Und auch Vergünstigungen könne man schon nutzen, so Kortländer: Zum Beispiel über die „Ehrenamtskarte“, die in einigen Regionen angeboten wird. Sie bietet die Möglichkeit, landesweite Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen, als Dank für den Beitrag für die Gesellschaft.

Zur Person

mitmischen-Autorin

Sophie Herzberger

studiert, ist stetig auf der Suche nach neuen Herausforderungen und hat eine Leidenschaft für die Schauspielerei. Besonders spannend daran findet sie die Vielfältigkeit der Themen, die aufgegriffen werden, und die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Menschen, in denen sie sich selbst wiederzufinden zu versucht.

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