Arbeitswelt

Rasante Veränderungen

12.12.2018 – Wie kann sich die Berufsausbildung weiter entwickeln, während sich die Digitalisierung überall breit macht? Mit dieser Frage beschäftigt sich gerade eine Enquete-Kommission. Die stellt nun erst einmal fest, wo es überall hakt.
Roboter schenkt alkoholfreies Bier ein
In der Gastro-Ausbildung ist die Abbrecherquote besonders hoch. Sieht die Zukunft der Branche dann so aus? © dpa

Alles noch gut in 17 Jahren?

Bis 2035 bleibe die "Beschäftigungsquote beständig". Die Aussage stammt von Prof. Dr. Hubert Ertl vom Bundesinstituts für Berufsbildung und er meint damit, dass es in 17 Jahren prozentual nicht mehr Arbeitslose geben werde, als heute. Selbstverständlich ist das nicht unbedingt – wegen der Digitalisierung. Damit nicht alle Arbeitsplätze wegdigitalisiert werden, muss aber schon heute in der Ausbildung etwas geschehen. Und genau um diese Entwicklung kümmert sich die Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt".

Digitalisierung kommt – wirklich

Der Bundestag hat diese Enquete-Kommission vor allem aus zwei Gründen ins Leben gerufen: Weil sich erstens immer weniger Menschen für eine Berufsausbildung interessieren und stattdessen lieber studieren wollen. Und weil zweitens auch der Dachdecker oder Fliesenleger mit der Digitalisierung zu tun hat. Wir berichteten schon darüber. In der fünften Sitzung des Gremiums am 10. November verbreitete Ertl mit der oben zitierten Aussage also schon mal ein bisschen Optimismus.

Außerdem ist ihm klar, dass die Digitalisierung nicht überall in gleichem Maße am Start ist: Beim Mediengestalter seien über 80 Prozent der Aufgaben digitalisiert, bei Landwirten hingegen nur etwa 30 Prozent, so der Experte. Dennoch kämen auch auf Landwirte Veränderungen zu, etwa wenn es um die Organisation der Arbeit geht. Das bedeutet also: Auch wer in Zukunft "nur" in weniger digitalisierten Bereichen arbeiten will, muss sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen.

Rasante Entwicklung

Auch Dr. Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte interessante Zahlen mitgebracht. Die Forschung gehe davon aus, so Matthes, dass bis 2023 47 Prozent der Berufe von Automatisierung betroffen sein könnten. Sprich: Hier arbeiten dann Roboter statt Menschen. Die Expertin sieht das aber nicht so pessimistisch, sie meint, "nicht Berufe, nur Tätigkeiten sind ersetzbar". Oder anders ausgedrückt: Die Arbeit für den Menschen bleibt, sieht nur ein bisschen anders aus.

Gelerntes veraltet

Matthes erklärte das am Beispiel der Lager- und Transportarbeiter. Schon 2016 seien in dieser Branche 86 Prozent der ursprünglichen Tätigkeit durch technische Möglichkeiten ersetzt worden. Und bereits im Jahr 2013 seien 15 Prozent der Arbeitnehmer in Berufen tätig gewesen, in denen 70 Prozent der Tätigkeit durch Maschinen erledigt werden können. Dieser Wert habe nur drei Jahre später schon bei 25 Prozent gelegen, betonte Matthes.

Aber was hat das mit der Ausbildung zu tun? "Es hat sich gezeigt, dass Berufsbilder nur selten mit technologischen Entwicklungen Schritt halten können", sagte die Expertin. Heißt: Die Auszubildenden lernen etwas, das schon wenige Jahre später nicht mehr ausreicht. Deswegen müsse man nicht nur über die Ausbildung, sondern auch über mehr Umschulungen nachdenken.

Düstere Lage bei Ausbildungen

Dr. Ute Leber, ebenfalls vom IAB, sieht diese schon auf einem guten Wege. Bei der betrieblichen Weiterbildung lasse sich ein Anstieg erkennen, ein Drittel aller Beschäftigten mache hier mit. Doch nun die schlechte Nachricht: "Diejenigen, deren Tätigkeit in der Zukunft deutlich stärker von der Digitalisierung betroffen sein könnten, sind deutlich weniger repräsentiert", so Leber.

Und noch schlimmer schätzt sie den Zustand der (Erst-)Ausbildung ein. 50 Prozent der Ausbildungsstellen seien nicht besetzt, und die vergebenen Plätze konzentrierten sich auf bestimmte Branchen und Berufe. Dazu komme eine hohe Abbrecherquote, besonders im Gastro- und im Baugewerbe. Besonders schlimm sei die Lage bei der Nichtbesetzung von Lehrstellen in Ostdeutschland, so Leber.

Aufgabe der Enquete-Kommission ist es nun, die Diagnosen der Experten in Konkrete Strategien umzusetzen, um die Berufsausbildung fit für die Zukunft zu machen.

(DBT/ah)

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