Klimawandel

Wie Kommunen nachhaltig sein können

17.12.2020 – Wettbewerbe für Umweltschutz, Solarstrom, CO2-Reduzierung – klimafreundliche Maßnahmen beginnen im Kleinen, in Städten, Dörfern und Landkreisen. Einige Projekte wurden im Bundestag vorgestellt.
Schüler pflanzen Bäume
Mit Schulprojekten können Kommunen etwas für den Umweltschutz tun. © shutterstock.com/Dmytro Zinkevych

Schmelzende Gletscher, brennende Wälder und überflutete Städte – für all das sorgt der Klimawandel. Um diese Veränderungen zu stoppen, braucht es ein Umdenken in der Gesellschaft und konkrete klimapolitische Maßnahmen, meinen fünf von sechs Fraktionen des Bundestages. Und zwar auch auf kleinster, kommunaler Ebene.

Genau damit hat sich der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung (PBnE) kürzlich beschäftigt. Eine nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können. Oder anders ausgedrückt: Hier und heute sollen Menschen mit den Ressourcen haushalten und die Erde für zukünftige Generationen bewahren.

Wie also kann Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene funktionieren, also in Dörfern, Städten oder auch ganzen Landkreisen? Zu dem öffentlichen Fachgespräch des Beirates waren zwei Kommunalvertreter eingeladen.

Bürger sollen sich beteiligen können

Die beiden Kommunalvertreter waren sich einig: Eine nachhaltige Entwicklung gelinge nur dann, wenn auch die Bürgerinnen und Bürger mitreden dürfen.

Aus der Kleinstadt Leutkirch im baden-württembergischen Allgäu war der Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle eingeladen. Er sagte, es reiche nicht aus, wenn der Gemeinderat einfach etwas Neues beschließe. Wichtiger sei es, "dass das die Bürgerinnen und Bürger mit Fachleuten zusammen auf den Weg bringen."

Klimawoche und Schulprojekte

Auch für Manfred Schnur, Landrat des Landkreises Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz, ist es wichtig, die Menschen für die Idee der Nachhaltigkeit zu gewinnen. Neben Projekten mit Schulen und Kindergärten gebe es in seinem Landkreis auch jedes Jahr eine Klimawoche.

Mit der Nachhaltigkeitsstrategie des Landkreises Cochem-Zell möchten die Verantwortlichen eine "umfassende Entwicklung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht" erreichen. Seit 2008 habe der Landkreis ein Klimaschutzkonzept, "in dem wir uns verbindliche Vorgaben für CO2- und Stromreduzierung gemacht haben", so Schnur.

Zur Erklärung: CO2 ist Kohlendioxid und wird als "Treibhausgas" bezeichnet: Wie das Glas eines Treibhauses verhindert es, dass Wärme von der Erde ins Weltall entweicht. Die Menschen sorgen dafür, dass jedes Jahr viele Milliarden Tonnen Kohlendioxid zusätzlich in die Atmosphäre gelangen. Der Treibhauseffekt wird dadurch stärker, und die Erde heizt sich immer mehr auf. Unter professionellen Klimatologen, Ozeanologen und Atmosphärenphysikern herrscht in der Wissenschaft weitgehend Konsens über diese Zusammenhänge.

Erste Erfolge konnte Cochem-Zell bereits erzielen: So sei man mittlerweile ein "Null-Emission-Landkreis". Das bedeutet, dass alle klimaschädlichen Gase ausgeglichen werden und der Landkreis klimaneutral ist.

Champions League Sieger

Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle machte deutlich, wie bemüht auch Leutkirch um Nachhaltigkeit sei. So sei die Stadt bereits seit 25 Jahren Mitglied in einem internationalen Klimaschutzbündnis. Sogar Preise habe man schon bekommen: Leutkirch sei Seriensieger der Solar-Bundesliga und im Jahre 2012 habe man sogar die "European Champions League" der Erneuerbaren-Energien-Städte gewonnen. Beides sind Wettbewerbe zwischen Städten, die sich in besonderem Maße für erneuerbare Energien einsetzen.

Erneuerbare Energien sind eine Art der Energiegewinnung, die das Klima nicht belasten und für die es unendlich Ressourcen gibt beziehungsweise Ressourcen, die schnell wieder nachwachsen. Wind- und Wasserkraftanlagen oder Solarenergie sowie Biomasse als Energieträger gehören dazu.

Was muss sich bessern?

Neben den vielen Erfolgen gebe es aber auch Probleme und Herausforderungen, so Henle. Dazu zähle beispielsweise der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, sprich Bus und Bahn. Ein weiteres großes Problem sei die Sanierung von alten Gebäuden. Hans-Jörg Henle erklärte, dass es in Leutkirch Schulgebäude gebe, die gerade einmal Standards von vor 60 Jahren erfüllten.

Damit die Kommunen solche Herausforderungen bewältigen können, sprach sich Landrat Schnur für spezielle und langfristige Förderungen aus.

Mehr über den Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung erfahrt ihr auf bundestag.de.

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