Bildung

Wie „retten“ wir das Schuljahr?

27.01.2021 – Durch die Corona-Krise findet der Schulunterricht für viele plötzlich online statt. Das funktioniert nicht immer reibungslos. Nun befasste sich der Bundestag mit dem Thema und beriet über zwei Oppositionsanträge.
Junge liegt mit Kopfhörern, Unterlagen und Laptop auf dem Bett.
Homeschooling ist für viele Schüler sowie für deren Eltern und Lehrer alles andere als bequem. © Shutterstock.com/Dragon Images

Das Internet hängt, der Laptop stürzt ab, das kleine Geschwisterchen weint, Mama und Papa sind schon wieder im Arbeitsstress. Und du? Du willst einfach nur zurück in die Schule, um endlich wieder deine Freunde zu sehen.

So oder so ähnlich sieht momentan der Alltag vieler Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland aus. Durch die Corona-Pandemie ist Präsenzunterricht derzeit nur schwer möglich. Stattdessen finden Schulstunden immer häufiger online statt.

Wie man dennoch das Beste aus der Situation machen kann, hat nun der Deutsche Bundestag debattiert. Die Abgeordneten haben über Anträge der FDP-Fraktion sowie der Fraktion Die Linke beraten.

FDP: Schnelltests und FFP2-Masken

Die FDP-Fraktion möchten mit ihrem Antrag das „Schuljahr retten“. „Nur mit einem klaren Kurs“ könnten es die Schulen durch die Pandemie schaffen, schreiben die Abgeordneten.

Ihr Appell: Die "Kinder und Jugendlichen unserer Gesellschaft dürfen nicht die Verlierer dieser Corona-Krise“ werden.

Daher müsse „die Bundesregierung und die Kultusministerkonferenz einen Plan vorlegen, mit dem Schulen und Familien bestmöglich durch das Schuljahr kommen“. Die Fraktion spricht sich für ein „regional angepasstes Handeln“ aus, um so Schulen in manchen Orten auch wieder öffnen zu können.

Außerdem fordern die Abgeordneten der FDP, „in mobile Luftreinigungsgeräte für Klassenzimmer zu investieren und Schulen und Kitas kostenlose Schnelltests und FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen“.

Aber auch für alternative Lösungswege zeigt sich die Fraktion offen: „Warum sollen Prüfungen bei hohem Infektionsgeschehen nicht auch digital stattfinden?“

Linke: Prüfungen vorerst aussetzen

Auch die Fraktion Die Linke möchte mit ihrem Antrag für „Schulen und Kitas Planungssicherheit schaffen“. Obwohl im Sommer genug Zeit für Vorbereitungen gewesen wäre, hätten sich Kinder und Eltern durch den zweiten Lockdown ein weiteres Mal „von heute auf morgen auf Betreuung daheim und Homeschooling einstellen“ müssen.

Es sei nun höchste Zeit, dass Bund und Länder „endlich an einem Strang ziehen“. Denn noch immer würden „Schulserver zusammenbrechen“ und vielerorts fehle es an schnellem Internet. Außerdem hätten nicht alle Kinder einen eigenen Laptop.

Für Eltern sei es außerdem eine „Mammutaufgabe“, die Kinder zu betreuen und gleichzeitig zu arbeiten. Daher fordert die Linksfraktion, „Räume und Betreuungspersonal für Schüler sowie Kitakinder bereitzustellen, die zuhause nicht betreut werden können“. Außerdem plädieren die Abgeordneten dafür, „Tests und Prüfungen so lange auszusetzen“, bis der Präsenzunterricht wieder möglich sei.

Für betreuende Eltern möchte die Fraktion Homeoffice gesetzlich garantieren. Eine Verordnung zur Homeoffice-Pflicht solle es überall dort geben, wo es möglich sei, schlug Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vor einigen Tagen dem Bundeskabinett vor.

CDU/CSU: „Das, was Sie fordern, ist absurd“

Der CDU-Abgeordnete Tankred Schipanski kritisierte, dass dem Antrag der Linken „jeder Realismus fehlt“. In Richtung der Linksfraktion sagte er: „Sie wollen das Aussetzen von allen Prüfungen. Absurd! Sie wollen ein Recht auf Homeoffice für alle. Reden Sie einmal mit Handwerkern und mit Verkäufern! Das, was Sie fordern, ist absurd.“

Der FDP-Antrag „ist leider nicht besser“, da die darin gemachten Vorschläge „schlichtweg Blödsinn“ seien. Schipanski verwies außerdem auf die begrenzten Möglichkeiten des Bundes, auf Bildungspolitik Einfluss zu nehmen. Denn diese sei laut Grundgesetz vor allem Ländersache.

SPD: „Es gibt keine einfachen Lösungen“

Ulrike Bahr von der SPD-Fraktion erklärte: „Das Thema Schulschließungen ist und bleibt elementar. Aber es ist doch so, dass immer neue Anträge, die sich um das gleiche Thema drehen, der grundsätzlichen Problematik nicht unbedingt weiterhelfen.“

Es bräuchte zwar mehr Unterstützung für Schüler und Lehrer, „die eingebrachten Vorschläge der Linken und der FDP verzerren in meinen Augen aber die Realität“, so Bahr. Die SPD-Abgeordnete stellte fest: „Es gibt keine einfachen Lösungen, auch wenn Sie das mit Ihren Anträgen suggerieren.“

AfD: Digitalunterricht ist „Wunschfantasie“

Auch die AfD-Fraktion zeigte sich unzufrieden. Der Abgeordnete Götz Frömming erklärte, dass „wir das gleiche Dilemma“ wie im ersten Lockdown hätten. „Wir hangeln uns von einer Ankündigung, von einem Versprechen zum nächsten. Eltern und Schüler sind in einer dramatischen Situation. Und das Schlimme ist: Wir wissen nicht, wie wir da wieder herauskommen.“

Frömming sagte, dass digitaler Unterricht nur „in den Wunschfantasien von FDP-Politikern“ funktioniere. Stattdessen sprach er sich dafür aus, „endlich tragfähige Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte“ zu erarbeiten.

Grüne: „Flexibilität und Entscheidungshoheit“ für Schulen

Die Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp erklärte, dass im FDP-Antrag „keine substanzielle Fortentwicklung zu erkennen“ sei. Sie forderte „mehr Flexibilität und mehr Entscheidungshoheit“ für Schulen.

Beispielweise würde ein „Sofortprogramm“ und eine „Bundeszentrale für digitale und Medienbildung“ weiterhelfen.

Stumpp sprach sich dafür aus, Betroffene einzubinden: „Beteiligen Sie Elternvertretungen, Schüler, Lehrkräfte und Schulträger an den Diskussionen. Denn sie sind es letztendlich, die alle Entscheidungen umsetzen und aushalten müssen.“

Die beiden Oppositionsanträge wurden anschließend zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung überwiesen. Die gesamte Debatte könnt ihr euch im Video anschauen.

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