USA-Stipendiatin

Solin, 17, Idaho

19.08.2019 – Beeindruckt von Halloween und der Veteranen-Parade: Solin wird langsam heimisch in Idaho, wo sie ihr Austauschjahr verbringt.

Oktober 2019: Alles neu macht der Herbst

Der Oktober war voller Neuerungen, Herausforderungen und besonderer Momente. Denn er begann erstmal mit dem Wechsel zu einer neuen Gastfamilie und Schule. Genau werde ich auf den Prozess nicht eingehen, aber ich kann sagen, dass schnell feststand, dass ich auf meiner alten Schule nicht mehr bleiben konnte. Und auch wenn es alles andere als einfach war, bin ich absolut glücklich darüber, nun in einem neuen Umfeld einen Neuanfang gemacht zu haben.

Die neue Schule 

Meine neue Schule liegt im Herzen von Downtown Boise und ist wie ein Uni-Campus aufgebaut. Das heißt, es gibt verschiedene Gebäude, die jeweils bestimmte Fachrichtungen beherbergen, zum Beispiel ein Tech-Building für die Naturwissenschaften.

Meine Fächer sind einigermaßen ähnlich wie auf der alten Schule, neu sind aber Fächer wie Sociology und Photography. Außerdem bin ich ein Teachers Aide, also ein Lehrer-Assistent in einer Deutsch-Klasse und es ist wirklich super spannend, anderen zuzugucken und sie dabei zu unterstützen, Deutsch zu lernen.

Eine Schule in der Innenstadt hat Vorteile. Wir haben einen offenen Campus während der Mittagspause und können die verschiedensten Restaurants und Supermärkte besuchen. Auch sonst ist es sehr aufregend, nun in der Hauptstadt Idahos zu leben und mit meiner neuen Gastfamilie komme ich ebenfalls sehr gut klar.

Achterbahnen und Spuk-Häuser 

Eines der spannendsten Erlebnisse im Oktober war ein Trip nach Utah zu einem Freizeitpark. Dort verbrachten wir, die Austauschschüler meiner amerikanischen Organisation, zwei Nächte und fuhren nicht nur etliche Achterbahnen, sondern besuchten auch noch „typisch amerikanische“ Spuk-Häuser im Rahmen des anstehenden Halloweens.

Und dann war es Ende Oktober auch schon soweit, Halloween stand endlich an. Einige Tage zuvor hatte ich gemeinsam mit meinen Gastbrüdern, die Boy Scouts (Pfadfinder) sind, schon meinen ersten Kürbis geschnitzt und der wurde dann am Halloween-Morgen draußen aufgestellt.

An meiner Schule galt zwar ein Verkleidungsverbot, dennoch gab es Dekorationen und kleine Aktionen zum Gruselthema. An dem Abend des 31. Oktober verkleideten meine Gastbrüder und ich uns dann (ich natürlich stilecht als Deutschland-Fan) und fuhren gemeinsam mit meiner Gastmutter zu einem berühmten Viertel meiner Stadt, in dem die (allesamt sehr reichen) Hausbewohner ihre Häuser vollkommen dekoriert hatten, geniale Kostüme trugen und teilweise sogar Waffeln und andere Leckereien ausgaben.

Aus Deutschland kannte ich Halloween zwar, doch dieses Ausmaß an Dekoration und Freude über den Feiertag hautnah mitzuerleben, war absolut klasse. Spätabends waren wir dann noch selber unterwegs, um Süßigkeiten zu sammeln, und besuchten noch kurz eine kleine Halloween-Feier in der Nachbarschaft.

An dem darauffolgenden Tag besuchte ich dann auch noch eine Halloween-Party gemeinsam mit meinem Gastbruder und es war super spannend zu sehen, wie amerikanische Teenager diesen Tag feiern.

Football und Paraden 

Weitere Highlights waren zum Beispiel der erste (und bisher einzige) Besuch eines Footballspiels meiner Schulmannschaft, das Wiedersehen (und Shoppen) mit Freundinnen aus meiner alten Schule und die Veterans Parade, eine Parade zu Ehren ehemaliger Soldaten.

Ich empfand es als extrem schön, wie die Menschen den Veteranen ihren Respekt zollten – und natürlich auch generell den Patriotismus der Amerikaner besonders an diesem Tag mitzuerleben. Denn auch wenn es ungewohnt war, schätze ich diese und andere kulturell ungewohnte Erfahrungen sehr. Und ein Gefühl von Heimat gab es nach der Parade dann auch noch, als wir gemeinsam mit einem der Pfadfinder-Leiter auf seine Empfehlung hin zu einem deutsche Supermarkt/Restaurant gingen, in dem mich die deutschen Speisen, Musik und Süßigkeiten doch etwas wehmütig machten.

Rückblick auf die ersten 100 Tage USA 

Meine ersten 100 Tage in den USA sind nun vergangen, und auch wenn sie nicht immer nur rosig und perfekt waren, habe ich das Gefühl, enorm viel gelernt zu haben, und würde vermutlich nichts daran ändern. Viele meiner Erwartungen, positiv und negativ, an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben sich erfüllt, so einige Dinge sind aber doch ganz anders, als in Deutschland angenommen wird.

Und auch wenn ich hier vieles erlebe, tolle neue Menschen kennenlerne und häufig über die Vielfalt dieses Landes (selbst hier in Idaho) staune, finde ich, dass man durch diese Auslandserfahrung doch auch anfängt, viele Dinge an Deutschland, die man zuvor kaum gebilligt hat, zu schätzen und sehr stolz darauf zu sein, aus Deutschland zu kommen.

Jedes Mal, wenn jemand mich etwas über Deutschland fragt, sprudle ich so vor Informationen, Geschichten und Nachrichten, während ich vor einem Jahr vermutlich gesagt hätte „Ja, ist ganz okay, aber ziemlich langweilig – die USA sind sicher viel besser“. Nun aber kann ich sagen, die USA sind zwar ziemlich aufregend, Deutschland aber ist auch sehr cool ... – auf seine eigene Art halt.

September 2019: Das Abenteuer beginnt

Ankunft in den USA 

Am 7. August war es endlich soweit. Nachdem ich, wie viele andere, ein paar Tränchen zum Abschied verdrückt hatte, ging es gemeinsam mit den anderen Stipendiaten meiner Organisation von Frankfurt aus nach Washington D.C. und es hieß „Welcome to the USA!“

Nach einer sehr kurzen Nacht im Hilton Hotel fuhr ich mit einigen anderen um fünf Uhr morgens von dort aus am nächsten Tag zurück zum Flughafen in D.C., um meine Weiterreise zur Gastfamilie anzugehen. Und nach einem Flug mit zwei Stunden Verspätung, einem hektischen Umstieg in Minnesotas Hauptstadt Minneapolis und ganz viel Aufregung landete ich dann (gemeinsam mit einer anderen PPPlerin, mit der ich mich schon beim Vorbereitungsseminar angefreundet hatte) endlich in Idahos Hauptstadt Boise und konnte meiner mich schon sehnlichst erwartenden Gastfamilie in die Arme fallen. Nun war es offiziell, das Abenteuer USA hatte für mich begonnen!

Fast Food und Sehenswürdigkeiten 

Die ersten Tage verbrachten meine Gastfamilie und ich hauptsächlich mit gegenseitigem näher Kennenlernen und kleinen Erkundungen der Nachbarschaft. Zum Beispiel in die keine zehn Minuten entfernte Hauptstadt Idahos. Dort habe ich dann das Idaho State Capitol gesehen, Downtown erkundet und meine erste amerikanische Fast-Food-Erfahrung gemacht. Und es sollte nicht die letzte sein, denn inzwischen habe ich ziemlich sicher mehr Geld für Essen als für irgendetwas anderes in den USA ausgegeben – wie erwartet.

Schulfach Leadership 

Ein weiteres Highlight meiner Ankunftszeit war der erste Besuch meiner High-School. Dort habe ich von meiner Counselorin, einer Art Betreuerin oder Beratungslehrerin, die speziell für die Stundenpläne, akademische, aber auch persönliche Angelegenheiten der Schüler zuständig ist, meinen Stundenplan erhalten. Neben den üblichen Fächern standen Kurse wie Leadership, American Government und Design. Ich musste meinen Stundenplan später noch ändern, weil mir einige Kurse nicht passten, aber auch das war relativ problemlos möglich.

Die letzten Tage vor dem tatsächlichen Schulbeginn verbrachte ich dann noch mit einer Shoppingtour in der örtlichen Mall, einem Kinobesuch und Spaziergängen mit dem Hund.

Und am 26. August dann: mein erster Tag auf einer amerikanischen High School. Und diesen meisterte ich doch recht gut. Natürlich war alles noch neu und für das Öffnen meines Schließfaches brauchte ich trotz vorherigem Üben Hilfe von anderen Schülern. Denn hier gibt es anders als ich es zuhause in Deutschland gewohnt bin keine PIN-Codes sondern noch alte Drehschlösser – eben typisch amerikanisch.

Unamerikanische High School 

Leider war es das dann gefühlt auch schon mit den typisch amerikanischen Aspekten meiner High School. Denn die ist doch ziemlich unamerikanisch. Ich bin nämlich auf einer IB/Honors School gelandet. Einer Schule speziell für besonders intelligente Schüler und solche, die einfach viel Lernen in Kauf nehmen möchten, um Geld für das College durch Stipendien zu sparen.

Das heißt für mich als Austauschschülerin sehr harten Unterricht und viele Hausaufgaben, Tests und Arbeiten. Es gibt keine Sportclubs (nein, auch kein Football und Cheerleading), dementsprechend keinerlei School Spirit. Es gibt für alle nur einen Sportkurs und wir haben keine Turnhalle sondern nur ein kleineres Fitnessstudio, weshalb wir uns im Schulflur aufwärmen.

Außerdem ist es aufgrund einer sehr kurzen Mittagspause und dadurch, dass man sich nachmittags und am Wochenende nicht trifft, sondern die Zeit mit Lernen verbringt, etwas schwieriger, Freunde zu finden. Doch einige Freundschaften konnte ich dennoch schon knüpfen und ich habe natürlich Hoffnung, dass es besser wird oder zumindest Alternativen geben wird.

Memorials und Football-Spiele 

Abgesehen von der etwas negativen Schulerfahrung habe ich aber auch einige tolle Dinge erlebt. Ich war mit meiner Gastfamilie in einem Reservoir, war auf einer Geburtstagsparty und habe das sehr beeindruckende Anne Frank Memorial in Boise besucht und auch das örtliche Aquarium durfte ich bereits erkunden.

Und ein bisschen American High School Flair gab es dann doch noch, als ich zumindest ein Mal ein Footballspiel der High School Mannschaft der Highschool, die direkt neben meinem Apartment hier liegt, besucht habe. 

Alles in allem war es ein sehr interessanter und erfahrungsreicher Monat und ich bin schon sehr gespannt, was die nächsten noch so bringen.

August 2019: Vorfreude auf die Einblicke in Gesellschaft, Kultur und Politik in den USA

Hallo liebe Leser, 

mein Name ist Solin, ich bin 17 Jahre alt und komme aus dem schönen Braunschweig.

In meiner Freizeit spiele ich gerne Tennis mit Freunden und informiere mich über Geschichte und Politik.

Und im kommenden Schuljahr werde ich statt in der 12. Klasse in Deutschland die Schulbank zu drücken an eine High-School in den USA gehen!

Möglich macht das für mich das Parlamentarische Patenschafts-Programm PPP, denn es bietet mir und anderen Stipendiaten die Gelegenheit für etwa zehn Monate nicht nur mehr über die amerikanische Gesellschaft, Kultur und Politik zu erfahren, sondern all dies sogar hautnah mitzuerleben.

Vom Fernweh zum Stipendium 

Den Wunsch, ein Jahr lang in einem Land weit weg vom gewohnten Zuhause in eine fremde Kultur einzutauchen, hatte ich schon lange. Und ich war deshalb umso glücklicher, als ich über Freunde von dem Programm erfuhr. Diese hatten sich in vorherigen Jahren (leider erfolglos) dafür beworben.

Aufgrund dieser Geschichten malte ich mir nicht allzu große Chancen aus.

Dennoch ging ich motiviert den Auswahltag an und behauptete mich mit einer Mitbewerberin gegen 14 andere Applikanten. Und einige Monate später kam dann die Nachricht, dass ich von meinem Patenabgeordneten für das Stipendium nominiert wurde.

Nach weiterem schier unendlichen Warten und Ausfüllen zahlreicher Unterlagen, erhielt ich dann Anfang Mai endlich meine Platzierungsdaten. Mein Auslandsjahr werde ich bei einer tollen Gastfamilie in einer Großstadt in Idaho verbringen!

Worauf ich mich freue 

Ich hoffe, das Leben eines typisch amerikanischen Schülers zu leben, politische Sachverhalte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, Kontakte zu knüpfen und viele typische US-Essspezialitäten ausprobieren zu können!

Ich freue mich nun schon sehr darauf und die Vorbereitungen sind im vollen Gange, denn es sind noch einige Gastgeschenke zu kaufen, mein Koffer muss gepackt werden und letzte Freunde und Verwandte endgültig für 10 1/2 Monate verabschiedet werden, bevor ich in einigen Tagen das Abenteuer Auslandsjahr in den USA angehen kann!

Gerne halte ich euch hier über meine spannende Reise auf dem Laufenden!

Das ist das PPP
So funktioniert die Bewerbung
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