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Der Autor

Noah Schöppl 68x68

Noah Schöppl (20)
studiert Politik, Psychologie, Recht und Wirtschaft

Schlaue Maschinen
Operieren ja, schießen nein?

02.10.2018 |

Intelligente Waffen, schlaue Medizin, selbstfahrende Autos – all das ist Künstliche Intelligenz. Und die wird die Welt komplett umkrempeln. Wie kann die Politik auf den Vormarsch schlauer Maschinen reagieren? Diese Frage soll eine neue Expertenrunde des Bundestages beantworten. Noah stellt sie vor.

Roboter

Sie hat Augen! Aber ein menschliches Gesicht braucht eine Künstliche Intelligenz nicht unbedingt. – © dpa

Schnell, schlau, präzise: Eine Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Computer, der auf Basis von Daten Muster erkennen, Entscheidungen treffen und Handlungen durchführen kann. Durch die Kombination von stärkerer Rechenkraft, mathematischen Fortschritten und enormen digitalen Datensätzen, die beispielsweise auf Smartphones erfasst werden, hat sich die KI-Forschung im letzten Jahrzehnt rasant entwickelt. Dabei sind neben den Universitäten auch Technologiekonzerne wie Google, Amazon und Facebook die führenden Forschungseinrichtungen. Der Vormarsch der lernenden Maschinen hat längst begonnen – und ist nicht mehr zu stoppen.

Gut oder schlecht für uns?

Die rasante technologische Entwicklung macht es Maschinen möglich, Aufgaben zu erfüllen, die bisher Menschen vorbehalten waren. Fest steht, dass die KI die menschliche Lebenswelt fundamental verändern wird. Viele Fragen sind dabei noch offen. Welche Jobs kann die Automatisierung Menschen abnehmen? Wie lassen sich die wirtschaftlichen Erträge dieses Zuwachses an Produktivität in einer sozialen Marktwirtschaft gerecht verteilen? Welchen rechtlichen Rahmen brauchen intelligente Maschinen? Welche Entscheidungen darf eine KI über Menschen treffen? Wie neutral ist eine KI und inwieweit reproduziert sie Vorurteile, die sie von menschlichen Datensätzen lernt? Wie lässt sich vermeiden, dass Kriminelle und autoritäre Staaten KI für Ausbeutung und Unterdrückung nutzen? Eine der zentralen Leitfragen ist: Wie können wir das Potential von KI nutzen und gleichzeitig Risiken vermeiden?

Kommission für KI

Um diese und weitere Fragen zu erörtern, hat der Bundestag eine Enquete Kommission eingesetzt, welche die "gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftlichen Potenziale" von KI erörtern soll. Eine Enquete Kommission ist eine parlamentarische Arbeitsgruppe, die über mehrere Jahre an Lösungen für komplexe gesellschaftliche Herausforderungen arbeitet. Die Enquete Kommission zu KI besteht aus 19 Abgeordneten und 19 Sachverständigen und soll bis 2020 einen Abschlussbericht mit Analysen und konkreten Handlungsempfehlungen erarbeiten.

Wer die Mitglieder sind, erfahrt ihr hier. Die Vorsitzende ist Daniela Kolbe (SPD). Für Anregungen erreicht ihr die Abgeordneten per Mail über Vorname.Nachname@bundestag.de.

Jede Menge Skepsis

In der Enquete Kommission geht es den Abgeordneten nicht nur darum, sich selbst über die politische Bedeutung von KI zu informieren und eine Haltung zu entwickeln, sondern auch darum, zur öffentlichen Meinungsbildung rund um KI beizutragen.

Heute steht die deutsche Öffentlichkeit der wachsenden Wichtigkeit von KI eher skeptisch gegenüber. Laut einer repräsentativen Umfrage des YouGov-Meinungsforschungsinstituts glaubt jeder Vierte, dass die Nachteile von KI überwiegen, während nur jeder Siebte glaubt, dass die Vorteile von KI überwiegen. Anwendungen wie beispielsweise der militärische Einsatz von automatisierten Waffensystemen, die von einer KI gesteuert werden, lehnen 71 Prozent der Deutschen ab. Fortschritte in der Medizin durch KI sind hingegen sehr willkommen. Maschinenmedizin ist hier das Stichwort: die datengestützte Diagnose und Behandlung von Krankheiten.

SPD: KI ist, was wir draus machen

In der Bundestagsdebatte zur Einsetzung der Enquete Kommission am 28. Juni stimmten die Abgeordneten aller Fraktionen überein, dass KI immer wichtiger wird und über die nächsten Jahre prominent in einer Enquete Kommission debattiert werden sollte.

Sören Bartol (SPD) eröffnete die Debatte mit der Aussage: "KI wird alle unsere Lebensbereiche beeinflussen, mehr und schneller als die meisten von uns sich das vorstellen können." Für ihn steht fest, dass KI eine "Chance auf ein besseres Leben für alle" birgt, solange die wirtschaftlichen Potentiale von KI fair verteilt werden: "Künstliche Intelligenz ist per se weder gut noch böse, sondern sie ist das, was wir daraus machen."

AfD: Angst vorm Überwachungsstaat

Uwe Kamann(AfD) hingegen argumentierte, dass KI nicht nur notwendig für Deutschland ist, um technologisch und wirtschaftlich mitzuhalten, sondern auch "einen Überwachungsstaat ermöglicht, und das wollen wir nicht." Trotzdem betonte der AfD-Abgeordnete seine Unterstützung für die Einsetzung der Enquete Kommission zu KI.

Union: Kein Objekt sein

Nadine Schön (CDU) sagte: "KI ist kein Hype, sondern es ist Fakt, dass KI alles mitgestaltet und die Digitalisierung vorantreibt." Sie betonte, dass Deutschland einen Gestaltungsanspruch gegenüber KI einnehmen müsse: "Wir wollen nicht nur Objekt von Wandel sein, sondern als Akteur handeln."

FDP: "Made in Germany"

Mario Brandenburg (FDP) ermutigte seine Kollegen: "Wir müssen wieder lernen zu träumen, denn wenn wir keine klare Zukunftsvision für Künstliche Intelligenz entwickeln, passiert das im Silicon Valley oder in China." Für ihn stehe fest, dass das Ziel hochwertige KI "Made in Germany" sein muss und KI Menschen dabei nicht ersetzen, sondern ergänzen soll.

Linke: Große Herausforderungen

Petra Sitte (Die Linke) ist besorgt, "wie wir mit Maschinen umgehen, die plötzlich über vergleichbar menschliche Eigenschaften verfügen". Auch sie rechnet damit, dass "autonome Softwareagenten in Bereichen eingesetzt werden, die zuvor Menschen vorbehalten waren" und die Politik damit vor große Herausforderungen stellt.

Grüne wünschen sich mehr Öffentlichkeit

Anna Christmann (Bündnis 90/Die Grünen) stellte fest: "Wir wollen, dass KI auf Grundlage von europäischen Werten erforscht und entwickelt wird, sodass Grund- und Freiheitsrechte und soziale Gerechtigkeit berücksichtig werden." Zudem betonte sie, dass sich ihre Fraktion mehr Öffentlichkeitsbeteiligung gewünscht hätte, und einen entsprechenden Änderungsantrag eingereicht hatte.

Vorsitzende: Gestalten oder gestaltet werden

Wie viele andere Abgeordnete in der Debatte betonte auch die Vorsitzende der Enquete Kommission, Daniela Kolbe von der SPD-Fraktion, dass KI uns vor die Herausforderung stelle, "ob wir die Veränderung gestalten oder ob wir maschinell gestaltet werden". Über die anstehende Arbeit der Enquete haben wir mit ihr in einem Interview gesprochen. Mehr über die Kommission erfahrt ihr hier.

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