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IPS global 2026

Im Maschinenraum der Demokratie

Naomi Webster-Grundl

Ein Highlight des IPS-Programms: Das dreimonatige Praktikum im Abgeordnetenbüro. Beim Auftakt-Abend auf der Fraktionsebene begegnen sich die Stipendiaten und die jeweiligen Abgeordneten zum ersten Mal.

Im Vordergrund sind unscharf Menschen zu erkennen, die sich unterhalten. Im Hintergrund steht eine Stellwand mit der Aufschrift: IPS Internationales Parlaments-Stipendium des Deutschen Bundestages

Beim IPS-Auftaktabend lernen die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Abgeordneten kennen, in deren Büro sie ein dreimonatiges Praktikum machen werden. © DBT / Xander Heinl

Auf der Fraktionsebene im Reichstagsgebäude stehen verteilt sich angeregt unterhaltende Grüppchen. Die 82 Stipendiatinnen und Stipendiaten des IPS global 2026 lernen heute die Abgeordneten kennen, in deren Büro sie für drei Monate ein Praktikum machen werden. Eine Teilnehmerin aus Aserbaidschan ist deshalb ein bisschen aufgeregt und hofft, dass sie keinen „Sprachsalat“ im Kopf haben wird, wenn sie ihre Abgeordnete trifft. Diese steht dann plötzlich neben ihr und spricht sie an – die Sorge der Stipendiatin, dass man sich vielleicht nicht erkennt, war also unbegründet und auch das Gespräch auf Deutsch verläuft ganz locker und entspannt.

Als Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die Fraktionsebene betritt, versammeln sich alle, um ihr zu lauschen. „Sie bekommen hier einen Einblick in den Maschinenraum der Demokratie“, so Klöckner. Die Teilnahme der Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 36 Ländern sei ein Bekenntnis zu Demokratie und Offenheit. Während ihrer Zeit im Bundestag würden die IPS-Teilnehmer aber auch mitbekommen, dass Demokratie nicht unanstrengend sei – wenn zum Beispiel in Ausschüssen mühsam um Gesetze gerungen werde. Demokratie funktioniere nicht ohne Regeln, unterschiedliche Meinungen und Kompromisse, so Klöckner. „Sie sind neugierig und wollen etwas lernen. Nehmen Sie die Chance hier wahr und tragen Sie das, was Sie hier erleben, nach Hause. Demokratie braucht Menschen wie Sie“, appelliert Klöckner an die IPS-Teilnehmer.

Eine Frau steht an einem Redepult und spricht zu einem stehenden Publikum.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner begrüßt die Stipendiatinnen und Stipendiaten. © DBT / Xander Heinl

Parlament, Praktikum, Perspektiven

Die aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten gehören zum 40. IPS-Jahrgang. Seit 1986 setzt sich der Bundestag mit diesem Programm für internationalen Austausch ein und gibt jungen Menschen aus der ganzen Welt die Chance, ihren Horizont zu erweitern, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und die demokratische Kultur lebendig zu halten und weiterzuentwickeln.

Für die IPS-Teilnehmer, die während des fünfmonatigen Programms verschiedene Vorträge, Podiumsdiskussionen und viele weitere Veranstaltungen erleben, ist das dreimonatige Praktikum im Abgeordnetenbüro meist das unangefochtene Highlight. Eine Abgeordnete, die schon oft IPS-Teilnehmer bei sich im Büro als Praktikanten hatte, erklärt: „Es ist einfach toll, die Perspektiven aus ganz unterschiedlichen Ländern mitzubekommen. Und bei drei Monaten können die Praktikanten auch wirklich mitarbeiten und Aufgaben im Team übernehmen.“ Ein anderer Abgeordneter erklärt, dass er sich immer an dem IPS-Programm beteilige, da er es auch als seine Pflicht sehe, jungen Menschen Einblicke in die Demokratie und das Parlament zu geben.

Eine Collage zeigt unterschiedliche Aufnahmen von Leuten im Gespräch.

Der Abend bot eine erste Gelegenheit für den Austausch zwischen den IPS-Teilnehmern und ihren Partnerabgeordneten. © DBT / Xander Heinl

Die meisten Stipendiaten freuen sich „auf alles, was ich während des Praktikums lernen werde“. Eine Teilnehmerin aus Südafrika erklärt, dass es dort eine neue Regierung gebe mit einer Koalition aus zwei sehr unterschiedlichen Parteien. „Ich bin sehr gespannt, zu sehen, wie das hier in Deutschland funktioniert.“ Eine andere Teilnehmerin hofft darauf, mitzubekommen, wie sich die deutsche Mentalität in der Politik ausdrückt.

Auf der ganzen Fraktionsebene laufen angeregte Gespräche – darüber, wie die alltägliche Arbeit im Büro ablaufen wird, wie sich die Stipendiaten am besten vorbereiten können oder auch schon über Fachpolitik. Man kann auf jeden Fall spüren: Die IPS-Teilnehmer können den Start des Praktikums kaum erwarten.