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Jugendbegegnung 2026

Warum Ravensbrück?

Merejke Tammen

Vom 23. bis 28 Januar kommen 70 Jugendliche im Deutschen Bundestag zusammen, um sich gemeinsam mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Dafür reisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem nach Fürstenberg/Havel und besuchen dort das ehemalige Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Unsere Autorin wird die Jugendlichen begleiten und kann dabei selbst noch eine Menge lernen. Denn die Vorbereitung zeigt: Es gibt Nachholbedarf!

Ein karger Hof gepflastert mit Steinen, es gibt es Gebäude mit hohen Schornsteinen und eine hohe Mauer und zwei Statuen.

In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück erinnern zwei Plastiken des Bildhauers Willi Lammert an das ehemalige Frauenkonzentrationslager. © picture alliance / Caro | Conradi

Als ich erfuhr, wo es mit der diesjährigen Jugendbegegnung hingeht, musste ich erst einmal googeln. Ravensbrück? Sagte mir nicht viel. Dabei habe ich schon einige historischen Orte der NS-Zeit besucht. Ich kenne die Gedenkstätten Bergen-Belsen und Sachsenhausen, war in Auschwitz und habe Yad Vashem in Israel besichtigt. Aber Ravensbrück war ein blinder Fleck. Also begann ich zu recherchieren. Ich las Wikipedia-Einträge, stöberte auf Gedenkstätten-Websites und fragte ChatGPT — und erhielt folgende Antwort:

Ravensbrück war ein nationalsozialistisches Konzentrationslager in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs. Es lag bei Fürstenberg/Havel in Brandenburg und bestand von 1939 bis 1945.

Hier sind die wichtigsten Punkte:

  • Ravensbrück war das größte Frauen-KZ im Deutschen Reich. Es gab auch ein kleines Männerlager, aber der Großteil der Häftlinge waren Frauen und Kinder.

  • Viele Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern wurden dort inhaftiert – Jüdinnen, politische Gegnerinnen, Roma, Zeuginnen Jehovas und andere „unerwünschte“ Gruppen nach NS-Ideologie.

  • Die Häftlinge mussten Zwangsarbeit leisten, litten unter Hunger, Krankheiten, Misshandlungen und medizinischen Experimenten. Tausende starben im Lager oder wurden in nahegelegene Vernichtungslager deportiert.

  • Das Lager wurde im April 1945 von der Roten Armee befreit.

Die Besonderheit von Ravensbrück war also, dass es sich um ein Frauenlager handelte. Meine weitere Recherche ergab: Auch Mädchen und junge Frauen wurden dort inhaftiert – in einem sogenannten „Jugendschutzlager“. Wobei der Name wohl trügt, denn die Jugendlichen wurden hier keineswegs „geschützt“. Auch sie wurden zur Arbeit gezwungen, wie mir die Website der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück verriet. Der Grund: Sie galten als „asozial“, weil sie sich in den Augen der Nationalsozialisten gemeinschaftswidrig verhielten. Was sie „getan“ hatten? Verbotene Musik gehört oder sie waren mit Jüdinnen und Juden befreundet. Insgesamt gab es acht dieser Jugendlager.

Wie das Leben der Frauen und Mädchen in dem Lager aussah, wo sie arbeiteten, schliefen und aßen, das werden wir in den kommenden Tagen erfahren. Wir – also die 70 Jugendlichen und ich – werden uns mit Biografien der Inhaftierten beschäftigen, Fotos und Dokumente sichten und uns womöglich immer wieder fragen: Wie wird man zum Täter? Wie kann ein Mensch einem anderen Menschen so etwas Grausames antun? Und welche Rolle spielt dabei das Geschlecht?

Ich hoffe auf Antworten und bin gespannt auf fünf aufregende Tage.

Bis bald, ihr lest von mir!

mitmischen-Autorin

Merejke Tammen

Marejke hat ihr journalistisches Volontariat unter anderem in der mitmischen-Redaktion absolviert. Während dieser Zeit ging es für sie mit der Jugendbegegnung 2024 nach Bad Arolsen. Die diesjährige Jugendbegegnung begleitet sie als freie Autorin und berichtet an dieser Stelle über ihre Erlebnisse und Erfahrungen.