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BNE Was bedeutet Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Anton Nikolaus Neidhardt

Das Ziel: Bildung soll junge Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen. Wie das gelingen kann und wo die größten Herausforderungen liegen, darum ging es kürzlich in einem Expertengespräch im Bildungsausschuss.

Junge Frau nachdenklich am Laptop

Wie beeinflusst mein Handeln andere Menschen? Das ist eine der Kernfragen, um die es geht. © shutterstock.com/Hero Images on Offset

Zum Hintergrund: Wofür steht BNE?

Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, ist eine internationale Bildungskampagne, die in Deutschland vom Bildungsministerium und der deutschen UNESCO-Kommission vorangetrieben wird.

Die Idee dahinter ist, dass Bildung nicht nur Wissen vermitteln soll, sondern Schülerinnen und Schüler darin unterstützt, die Gesellschaft und sich selbst kritisch zu hinterfragen. Es geht etwa um die Fragen: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen in meiner Kommune oder in anderen Erdteilen? Welche globalen Mechanismen führen zu Konflikten, Terror und Flucht? Was können wir gegen Armut tun? Das Ziel ist, dass junge Menschen lernen, verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Dabei spielen natürlich Nachhaltigkeitsthemen wie Klimaschutz und Biodiversität eine Rolle. Genauso wichtig sind aber auch die Lernmethoden, denn interaktives Lernen fördert kritisches Denken und Teamfähigkeit.

Im Bildungsausschuss ging es Anfang März um den Stand des BNE-Aktionsplans.

Defizite in der Ausbildung von Lehrkräften und Kita-Personal

Professor Gerhard de Haan, wissenschaftlicher Berater des Nationalen Aktionsplans BNE, zog eine Zwischenbilanz und legte die aktuelle Situation in Deutschland dar. Obwohl BNE als politisches Ziel formuliert sei, gebe es vielerorts Lücken in der Verankerung des Konzepts. Öffentliche Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel Volkshochschulen erhielten beispielsweise tendenziell weniger Fördergelder, obwohl das Thema hier deutlich öfter als früher aufgegriffen werde. Die Hauptdefizite liegen laut de Haan in der Ausbildung von Lehrkräften und Kita-Personal.

Eine Option, die Situation zu verbessern, sei die Integration von BNE in Bildungsprogramme des Bundes wie die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ oder die „Exzellenzinitiative Berufliche Bildung“. Da es in der „Nationalen Weiterbildungsstrategie” jedoch an direktem Bezug zur BNE fehle, benötige es eine Förderinitiative, um mehr finanzielle Mittel bereitstellen zu können.

Grundlegender Wandel des Bildungswesens gefordert

Auch Walter Hirche von der deutschen UNESCO-Kommission betonte die Relevanz der BNE für das Bildungsziel der globalen Nachhaltigkeitsagenda. Es sei ein „grundlegender Wandel der Aufgaben der Bildung“ erforderlich. Sämtliche UNESCO-Staaten seien sich laut Hirche einig, dass Handlungsbedarf bestehe. Dafür müsse man auf nationaler Ebene garantieren können, BNE bis 2034 in allen Bildungsplänen zu verankern, was nur durch einen kulturellen sowie strukturellen Wandel der existierenden Bildungsangebote gelingen könne.

Dies sei ein „schwieriges Unterfangen”, so Hirche. Auch UNESCO-Stätten und die rund 300 deutschen UNESCO-Projektschulen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele

Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen die Agenda 2030 verabschiedet, mit dem Ziel, den Menschen weltweit in Zukunft ein menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu wahren. Die Agenda 2030 listet 17 Nachhaltigkeitsziele auf, die ihr hier nachlesen könnt. Hochwertige Bildung ist eins dieser Ziele.

Mehr politische Beteiligung von Jugendlichen

Auf die Ängste vieler Jugendlicher in Bezug auf Klimawandel und Artensterben machte Lea Potrafke von „youpaN“, dem Jugendforum der Nationalen Plattform BNE, aufmerksam. Es sei wichtig, dass alle Menschen in der Lage seien, Prozesse für eine nachhaltigere Gesellschaft in Gang zu setzen. Dafür müssten junge Menschen allerdings deutlich mehr Partizipationsmöglichkeiten auf allen politischen Ebenen erhalten und BNE gleichzeitig für alle zugänglich gemacht werden, was jedoch nur mit Hilfe höherer Ausgaben für öffentliche Bildung zu schaffen sei. Das Versprechen des Dresdner Bildungsgipfels von 2008, bis 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Bildung und Forschung zu investieren, sei bis heute nicht eingelöst worden.

Finanzbildung für Mädchen und Frauen

Natascha Wegelin, Geschäftsführerin von „Madame Moneypenny, GmbH“ sprach einen weiteren Aspekt der BNE an: Finanzen und Frauen. Finanzielle Bildung sei erforderlich, um die finanzielle Situation vieler Frauen in Deutschland zu verbessern. Jede dritte Frau müsse mit einer Rente von weniger als 1.000 Euro rechnen. Männer hätten zudem 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen.

Wegelins Unternehmen habe es sich zur Aufgabe gemacht, über das Problem und seine Ursachen aufzuklären, erklärte sie, da es trotz einer OECD-Empfehlung von 2005 noch immer kein Schulfach zu finanzieller Aufklärung gebe.

Mehr über den deutschen BNE-Aktionsplan erfahrt ihr auf dem BNE-Portal des Bildungsministeriums.

Zur Person

Portrait des Autoren
mitmischen-Autor

Anton Nikolaus Neidhardt

wurde 2002 geboren und lebt in Dresden, wo er 2021 sein Abi machte. Danach leistete er einen Freiwilligendienst in Uganda. In seiner Freizeit produziert er Musik und geht gerne klettern, vor allem in der Sächsischen Schweiz.

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