Bundestagspolizist

„Für die Sicherheit des Parlaments sorgen“

10.08.2022 – Christopher Stock (31) hat eine Ausbildung bei der Bundestagspolizei gemacht. Im Interview berichtet er über seine Arbeit mitten im politischen Getümmel, Staatsbesuche und Teamgeist, zudem gibt er Tipps für die Bewerbung.
Porträt von Christopher Stock
„Seit ich beim Bundestag arbeite, interessiere ich mich mehr für das politische Geschehen“, erzählt Polizist Christopher Stock. Die Arbeit sei deshalb sehr vielfältig. © privat

Warum haben Sie sich für eine Ausbildung bei der Bundestagpolizei entschieden?

Das hatte bei mir vor allem familiäre Gründe. Ich wollte unbedingt in Berlin bleiben, in der Nähe meiner Eltern. Mein älterer Bruder ist nämlich bei der Bundeswehr und ist dadurch regelmäßig im Rahmen von Auslandseinsätzen längere Zeit weit weg. Bei anderen Polizeibehörden kann es immer mal passieren, dass man versetzt wird. Bei der Bundestagspolizei ist die Chance am größten, in Berlin zu bleiben.

Wussten Sie schon als Kind, dass Sie mal zur Polizei möchten?

Nein, gar nicht. Ich habe erst in einem anderen Bereich gearbeitet: Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Stahl- und Betonbauer, aber wollte dann nicht in der Branche bleiben und habe mich nach Alternativen umgesehen. Während ich mein Fachabitur gemacht habe, habe ich nebenbei in einem Supermarkt gejobbt. Da hatte ich viel mit Menschen zu tun und das hat mir sehr gefallen. Bei der Polizei hat man auch viel Kontakt mit Leuten, deswegen kam ich auf die Idee, mich hier zu bewerben.

Welche Herausforderungen sind Ihnen während der Ausbildung begegnet?

Das erste Ausbildungsjahr findet in einer Kaserne statt. Die ist in Mecklenburg-Vorpommern, in Neustrelitz. Hier teilt man sich eine Stube mit einem anderen Kollegen. Das Pendeln zwischen Kaserne und Berlin fand ich sehr gewöhnungsbedürftig: Montag bis Freitag Kaserne, am Wochenende Berlin, zwischendurch lernen – das ging mir ganz schön an die Substanz.

Man musste auch erstmal begreifen, die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und sich unterzuordnen. Und besonders bei den jüngeren Kollegen habe ich beobachtet, dass es schwierig sein kann, sich daran zu gewöhnen, plötzlich selbständig sein zu müssen. Einige kommen direkt von der Schule und sind noch sehr jung.

Sehr positiv fand ich, dass man viele Kollegen um sich herum hat, alle verfolgen das gleiche Ziel und sind in der gleichen Situation. So kann man sich gegenseitig unterstützen.

Wie läuft denn so eine Ausbildung bei der Bundespolizei ab? Das erste Jahr sind die Auszubildenden in Kasernen untergebracht – wie geht es dann weiter?

Die Ausbildung geht zweieinhalb Jahre. Im ersten Jahr findet die Grundausbildung statt, da beschäftigt man sich zum Beispiel intensiv mit Gesetzen. Zusätzlich wird man an Waffen und in der Selbstverteidigung ausgebildet.

Das zweite Ausbildungsjahr wird in Blumberg bei Berlin durchgeführt und beinhaltet praktische Unterrichtseinheiten. Auch kleinere Einsätze werden durchgeführt. Zudem finden in dieser Zeit drei Praktika statt. Die Auszubildenden der Bundestagspolizei sind hierbei zweimal für eine Woche in Berlin, um das zukünftige Aufgabenfeld näher kennenzulernen. Da wird man in der regulären Schichtfolge einer Dienstgruppe eingesetzt. Nach Möglichkeit handelt es sich bei einer der beiden Wochen um eine Sitzungswoche, damit wir das unterschiedliche Arbeitsaufkommen kennenlernen, das auch von den Arbeitsabläufen im Bundestag abhängt.

Im letzten halben Jahr bereitet man sich auf die Prüfung, die sogenannte Laufbahnprüfung, vor. Da wird alles aus den vorherigen zwei Jahren noch einmal wiederholt. Am Ende stehen mündliche und schriftliche Prüfungen an.

Was ist das Besondere an der Arbeit bei der Bundestagspolizei?

Wir haben hier einen ganz klaren Auftrag: für die Sicherheit und die Funktionsfähigkeit des Parlaments zu sorgen.Das Besondere ist ja, dass der Deutsche Bundestag ein eigener Polizeibezirk ist, in dem der Bundestagspräsident die Polizeigewalt ausübt.

Spannend sind auch immer die Plenumswochen, wenn die Abgeordneten tagen oder Staatsbesuche anstehen.

Manchmal gibt es auch spezielle Einsätze: Ich war zum Beispiel in Bonn bei einer Klimakonferenz dabei oder 2017 in Hamburg beim G20-Gipfel, dem Treffen der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt. Oder wir sorgen für Sicherheit, wenn die Bundestagspräsidentin oder der -präsident Staatsbesuch empfängt.

Ist die Bundestagspolizei bei Einsätzen wie dem in Hamburg mit den anderen Polizeibehörden gemeinsam im Einsatz?

Zum Teil, in Hamburg war es so, dass wir eine gewisse Zeit dem Bundeskriminalamt zugeordnet wurden. Wir waren für den Innenschutz und den Schutz der Staatsgäste zuständig. Unser Auftrag unterscheidet sich also auch hier teilweise von anderen Einheiten wie den Hundertschaften, die auf den Straßen beispielsweise bei Protesten gegen den G20-Gipfel im Einsatz waren.

Was ist das Spannendste an Ihrer Arbeit im Bundestag? Oder anders gefragt: Was macht besonders viel Spaß?

Ich finde super, dass es eigentlich immer etwas Neues kennenzulernen gibt: ein Staatsbesuch, ein neues brisantes Thema, das im Plenarsaal besprochen wird, oder neue Gesetze, die verabschiedet werden. Die Arbeit ist vielfältig.

Seit ich hier arbeite, interessiere ich mich auch mehr für das politische Geschehen. Vieles lernt man schon in der Ausbildung, denn da gehört auch politische Bildung dazu. Aber dann zu merken, dass dein Dienst sich verändert, weil eine Aktuelle Stunde oder eine namentliche Abstimmung stattfindet – das ist etwas anderes, als wenn man sich theoretisch mit diesen Abläufen beschäftigt.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um sich auf einen Ausbildungsplatz bei der Bundestagspolizei zu bewerben?

Die Voraussetzungen unterscheiden sich nicht von anderen Polizeien: Man sollte sportlich sein, Einsatz zeigen, Leistungsbereitschaft mitbringen. Teamfähigkeit ist ein großes Thema und man muss lernen, an seine Belastungsgrenzen zu gehen. Gleichzeitig muss man Fingerspitzengefühl im Umgang mit bestimmten Situationen entwickeln. Und man sollte unbedingt Freude am Kontakt mit Menschen haben.

Und in welchem Zeitraum kann man sich bewerben?

Ab Oktober kann man sich für einen Ausbildungsbeginn im nächsten Jahr bewerben. Die Ausschreibungsfrist endet am 31. Januar 2023. Bald danach beginnt dass mehrstufige Auswahlverfahren mit einem schriftlichen Test: ein Diktat und Fragen zum Allgemeinwissen im Multiple-Choice-Verfahren. Kleiner Tipp: Da beim Diktat lediglich die Punkte am Satzende vorgelesen werden, sollte man sich auf die Kommaregelungen und die Groß-/Kleinschreibung vorbereiten.

Im Anschluss findet der Sporttest am Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Neustrelitz statt. Wenn man den Sporttest bestanden hat, wird man zu einem Vorstellungsgespräch nach Berlin eingeladen. Das Gespräch dauert ungefähr 30 Minuten und beinhaltet Fragen zum Bundestag und der Bundestagspolizei. Abschließend stellt dann ein Polizeiarzt die uneingeschränkte Polizeidienstfähigkeit fest. Wenn alles bestanden ist, beginnt man am 1. September 2023 seine Ausbildung bei der Bundespolizei als „Polizeimeisteranwärter/Polizeimeisteranwärterin beim Deutschen Bundestag".

Über Christopher Stock

Christopher Stock hat von 2014 bis 2017 seine Ausbildung bei der Bundestagspolizei gemacht. Heute ist er Polizeiobermeister und als Einsatzbeamter in den Dienstgruppen im Schichtdienst tätig.

(mk)

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