Pfadfinderinnen

„Das Friedenslicht erreicht viele Menschen“

05.12.2022 – Die Pfadfinderinnen Jonna (19) und Paula (19) werden am 14. Dezember bei der Übergabe des Friedenslicht aus Bethlehem im Reichstagsgebäude dabei sein. Wir haben mit den beiden gesprochen.
Porträt von Paula (links) und Jonna (rechts)
Besonders die tolle Gemeinschaft zeichnet für Paula (links) und Jonna (rechts) das Pfadfinderinnensein aus. Am 14. Dezember sind die beiden bei der Übergabe des Friedenslichts in Berlin dabei.

© privat

Ihr seid Teil der Pfadfinder-Bewegung. Wie seid ihr zu den Pfadfindern gekommen?

Paula: Ich bin seit zwölf Jahren bei den Pfadfindern und durch meine Oma dazu gekommen: Bei uns im Dorf war Tag der offenen Tür bei den Pfadfindern und meine Oma hat gemeint, dass wir uns das unbedingt mal anschauen sollten. Ich fand es direkt so cool, dass ich mitmachen wollte.

Jonna: Ich bin 2016 zu den Pfadfindern gekommen und wurde ganz klassisch von meinem besten Freund zu einem Treffen mitgenommen. Im Anschluss bin ich direkt als Betreuerin bei einer sogenannten Wölflingsfahrt mitgefahren. Das ist eine Fahrt für die jüngeren Pfadfinder. Das fand ich so schön, dass ich dabeigeblieben bin.

Was gefällt euch daran, Pfadfinderin zu sein?

Paula: Ich freue mich besonders über die vielen Leute, die man über die Zeit kennenlernt. Wir alle haben ungefähr das gleiche Weltbild und die gleichen Ideen. Außerdem ist man viel draußen unterwegs und erlebt viel. Und eigentlich ist das Beste daran, die Gemeinschaft, die durch diese beiden Dinge entsteht. Man hält zusammen und man arbeitet zusammen, zum Beispiel bei größeren Aktionen wie dem Bundeslager. So teilt man viele schöne Momente miteinander.

Jonna: Ich stimme Paula zu. Ich finde es schön, dass es immer ein Grundinteresse gibt, das bei allen gleich ist – egal aus welchem Pfadfinderverband du kommst. Wenn wir auf neue Menschen treffen, wissen wir schon vorher, dass man auf jeden Fall eine große Gemeinsamkeit hat: und zwar die Liebe und Verbundenheit zur Natur und zum Pfadfindersein.

Am 14. Dezember wird eine Delegation der Pfadfinder das Friedenslicht aus Bethlehem im Reichstagsgebäude übergeben. Worum geht es bei dieser Tradition?

Paula: Die Aktion gibt es schon einige Jahre. Das Friedenslicht wird jedes Jahr in der Adventszeit in der Geburtsgrotte von Jesu in Bethlehem entzündet. Es wird dann von dort in die ganze Welt getragen. Das Friedenslicht ist – wie der Name sagt – das Symbol des Friedens, der über die Grenzen hinweg in jedes Land getragen werden soll. Und die Pfadfinder sind ein großer Teil davon und helfen, dieses Licht so weit wie möglich auf der Welt zu verteilen. Dabei steht das Friedenslicht auch als Zeichen der Völkerverständigung. Und genau dieses Symbol des Friedens und er Völkerverständigung wollen wir auch in die Politik tragen.

Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat das Wort „Frieden“ eine neue Bedeutung für junge Menschen in Europa gewonnen. Woran denkt ihr, wenn ihr von Frieden sprecht?

Jonna: Wir haben eben gemeinsam überlegt, was Frieden für uns bedeutet. Für uns beide ist Frieden nicht nur die Abwesenheit von jeglichem Konflikt. Frieden bedeutet auch, dass wir als Gesellschaft fähig sind, mit Konflikten umzugehen. Wir sollten lernen, dass eine Gesellschaft nicht ohne Konflikte funktionieren wird. Aber wir haben die Möglichkeit, diese Konflikte so auszutragen, dass dabei niemand zu Schaden kommt – weder Mensch noch Umwelt.

Deshalb ist Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern eine Frage des Miteinanders. Jeder muss seinen Beitrag zum Frieden leisten. Und das passt auch zur Symbolik des Friedenslichts: Traditionell wird das jeweilige Friedenslicht in die verschiedenen Gemeinden gebracht und dann kann jeder seine eigene Kerze an der Friedenslichtkerze entzünden und so sein eigenes Friedenslicht mit nach Hause nehmen. Dieses Symbol, dass jeder ein Stück Frieden darstellt und mitnimmt, finde ich schön.

Ihr werdet in Berlin dabei sein: Mit welchem Gefühl fahrt ihr hin?

Paula: Wir waren beide noch nie bei der Friedenslichtübergabe dabei. Ich freue mich sehr darauf, ein Teil der Aktion zu sein. Ich hoffe, dass wir uns dort mit einigen Leuten austauschen, über die Symbolik des Friedenslichts sprechen und gemeinsam überlegen können, was für mehr Frieden unternommen werden kann. Ich bin sehr gespannt.

Jonna: Ich habe zwar in unserer Gemeinde schon einmal das Friedenslicht weitergegeben, aber ich war noch nie bei so einer großen Delegation dabei. Ich bin schon sehr aufgeregt und finde es toll, dass wir Teil davon sein können. Diese Aktion ist eine so große Sache und das Friedenslicht erreicht so viele Menschen, das finde ich ziemlich cool.

Wegen der Pandemie wurde das Friedenslicht in den vergangenen Jahren digital überreicht. In diesem Jahr geht das wieder persönlich. Macht das einen großen Unterschied?

Paula: Ich finde alles, was persönlich statt digital stattfinden kann, deutlich besser. Wir alle haben während der Pandemie gelernt, wie wichtig es ist, persönlichen Kontakt zu den Menschen zu haben. Das gilt auch besonders für die Jugendarbeit. Die hat sehr unter der Corona-Pandemie gelitten. Wir sind deshalb sehr froh, dass so eine Aktion wie mit dem Friedenslicht jetzt wieder in Präsenz stattfinden kann.

Jonna: Es macht einen ganz anderen Eindruck, wenn man das Licht persönlich übergeben kann, gerade bei einer Aktion, die so viel Symbolwert hat. So kann sich ein Gefühl des Miteinanders entwickeln.

Aber an dieser Stelle muss man auch unbedingt noch mal sagen, dass die Pfadfinderverbände während der Pandemie in der Kinder- und Jugendarbeit sehr viel geleistet haben. Wir haben uns viel Mühe gegeben und viele Aktionen digital umgesetzt. Ich denke da beispielsweise an kleine digitale „Hajks“:  Da haben Pfadfinder sich mit einem Schlafsack in ihr Zimmer gelegt und mit Camping-Geschirr gegessen, per Zoom war man verbunden, es gab Singrunden und Spielrunden. Es ist schön, dass wir nun wieder in Präsenz zusammenkommen können, aber es ist auch toll, wie wir zusammen mit dem Problem umgegangen sind.

(mk)

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