Bericht der Regierung

Wie ernähren sich die Deutschen?

28.01.2021 – Zwei Drittel der Männer und die Hälfte aller Frauen sind hierzulande übergewichtig. Das steht im „Ernährungspolitischen Bericht 2020“ der Bundesregierung. Was tun?
Junge Frau mit Gemüsekiste
Wenig Zucker, Salz und Fett, das zeichnet gesunde Lebensmittel aus. Das sieht in der Kiste schon ganz gut aus ... © Shutterstock.com/Luis Molinero

Übergewicht, Diabetes (Zuckerkrankheit), Mangelernährung und Herz-Kreislauf-Krankheiten – all das sind Beschwerden, die mit einer falschen Ernährung einhergehen und sogar zum Tod führen können. Doch eine falsche Ernährung schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Geldbeutel: Weltweit kostet das jährlich rund 2,9 Milliarden Euro.

Doch wie steht es speziell in Deutschland um die Ernährung? Das beantwortet die Bundesregierung im Ernährungspolitischen Bericht 2020, über den die Abgeordneten des Deutschen Bundestages kürzlich debattierten.

Was ist der „Ernährungspolitische Bericht“?

Die Bundesregierung veröffentlicht alle vier Jahre einen „Ernährungspolitischen Bericht“. Zuletzt war dies 2016 der Fall. Zuständig dafür ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und seine aktuelle Ministerin Julia Klöckner (CDU).

Der Bericht fasst „die Grundlagen, Ziele und Maßnahmen der Ernährungspolitik und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes zusammen“. Auf 62 Seiten berichtet die Bundesregierung über Ernährung und über gesunde Lebensmittel, die beispielsweise wenig Zucker, Salz und Fett enthalten. Es geht neben Nachhaltigkeit, Trinkwasserqualität und Tierhaltung aber auch um Zigarettenkonsum und Kosmetikartikel.

Der Bericht thematisiert ebenso Bildung: Beispielsweise sollen Kitas und Schulen frühzeitig eine gesunde Ernährung fördern. Wie der Name also schon vermuten lässt, umfasst der „Ernährungspolitische Bericht“ so ziemlich alles, was mit Ernährung und den Auswirkungen auf die Gesundheit zu tun hat.

Bundesregierung: Ampel auf Lebensmitteln

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte: „Ernährung geht uns alle an. Sie bestimmt unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit, unsere Lebensqualität. Sie hat Auswirkungen auf die Umwelt, sie hat Auswirkungen auf unser Klima.“ Eine schlechte Ernährung verursache außerdem „erhebliche Kosten in unserem Gesundheitssystem“.

Laut der Ministerin brauche es insbesondere für Kinder und Senioren eine gesunde Ernährung.

Um all dies zu bewältigen, habe Klöckner unter anderem „den Weg für den Nutri-Score in Deutschland frei gemacht“. Der Nutri-Score ist eine Lebensmittelampel mit den Farben grün über gelb bis rot. Dabei steht dunkelgrün für ein besonders gesundes Produkt und rot für ein ungesundes.

CDU/CSU: „Noch viel zu tun“

„Die Rahmenbedingungen für gesunde und sichere Lebensmittel stehen uns in unserem Land zur Verfügung“, sagte Ingrid Pahlmann von der Fraktion CDU/CSU.

Dennoch sei auch klar, „dass wir wirklich noch viel zu tun haben, denn zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in unserem Land sind übergewichtig oder adipös“. Adipös ist ein anderes Wort für fettleibig.

Neben der Politik seien aber auch die Verbraucher gefragt. Fraktionskollege Artur Auernhammer ergänzte: „Ernährungsbildung und Ernährungsaufklärung sind die Gebote der Stunde.“

SPD: „820 Millionen Menschen hungern“

Der Ernährungspolitische Bericht zeige „wie bedeutend das Thema Ernährung in den letzten Jahren geworden ist“, so Ursula Schulte von der SPD-Fraktion. Dennoch gebe es auch Schattenseiten: „820 Millionen Menschen hungern weltweit, und mehr als zwei Milliarden Menschen sind von Mangelernährung betroffen.“

Und: „Das ist beschämend, auch weil gleichzeitig 1,3 Milliarden Tonnen genießbarer Lebensmittel jedes Jahr weltweit vernichtet werden.“

Schulte mahnte, „das Menschenrecht auf Nahrung niemals aus den Augen zu verlieren“.

AfD: „Lobenswerte Ziele“

Der AfD-Abgeordnete Wilhelm von Gottberg sagte, es sei alarmierend, „dass die Übergewichtigkeit der Menschen in Deutschland in den letzten 20 Jahren gravierend zugenommen hat“. Dennoch sei „in Deutschland eine gesunde, ausgewogene und nachhaltige Ernährung für alle Menschen gewährleistet“.

Die Bundesregierung setze sich „lobenswerte Ziele“. Dazu gehöre beispielsweise, „das Menschenrecht für angemessene Nahrung weltweit“ zu verwirklichen oder „Hunger und Mangelernährung in den Entwicklungsländern“ zu beseitigen.

FDP: „Dynamisches Verderbslimit“

„Sorgen wir für mehr Nachhaltigkeit beim Umgang mit unseren Lebensmitteln und unseren Ressourcen“, forderte Nicole Bauer von der FDP-Fraktion. Sie sprach sich für eine „zukunftsfähige und wettbewerbsfähige Ernährungspolitik“ aus. Diese könne beispielsweise ein „dynamisches Verderbslimit statt eines starren Mindesthaltbarkeitsdatums“ beinhalten.

Die FDP-Abgeordnete richtete ihre Worte an Ministerin Klöckner: „Sorgen Sie dafür, dass unsere qualitativ hochwertigsten Lebensmittel endlich das kosten, was sie tatsächlich wert sind – nämlich mehr.“

Linke: „Wirklich lächerlich“

Amira Mohamed Ali von der Linksfraktion bemängelte, dass die Bundesregierung „die ernsthaften Probleme, die es in der Ernährungspolitik gibt, nicht entschlossen“ angehe und es „teilweise statt besser sogar schlechter“ werde.

Klöckner täusche „Verbesserungen vor, die es kaum gibt“.

Ali erklärte: „Sie feiern die angeblich große Zuckerreduktion von 7,5 Prozent in Kinderjoghurts. Dabei heißt das konkret, dass statt der viel zu großen Menge von 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm jetzt 14 Gramm Zucker drin sind. Also wirklich lächerlich.“

Grüne: „Schneckenrennen hilft nicht“

„Die eine Gruppe hat schlicht und einfach zu wenig zu essen, die andere isst zu viel vom Falschen“, fasste die Grünen-Abgeordnete Renate Künast die weltweite Problematik zusammen.

Durch die vielen ernährungsbedingten Krankheiten „muss man sagen: Unser Ernährungssystem ist gescheitert“. Künast forderte daher „eine andere Ernährungsumgebung, weil das eine Gesundheits-, eine Umweltfrage, eine soziale Frage ist. Da hilft Freiwilligkeit gar nicht, und Schneckenrennen hilft auch nicht“. Stattdessen müsse die Politik „wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung ergreifen“.

Außerdem berieten die Abgeordneten auch über Anträge der Fraktionen Die Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. Um was es dabei ging, könnt ihr hier nachlesen.

Die gesamte Debatte könnt ihr euch im Video anschauen.

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