PPP Berlin-Tag 2026
Einmal Junior-Botschafter, immer Botschafter
Naomi Webster-Grundl und Jasmin Nimmrich
Wer als CBYX-Stipendiat mit gepackten Koffern nach Deutschland reist, der kommt nach einem knappen Jahr für den Berlin-Tag in den Deutschen Bundestag. Auch in diesem Jahr treffen die jungen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner nicht nur aufeinander, sondern auch auf ihre Patenabgeordneten.
Zum Berlin-Tag 2026 sind 300 amerikanische Stipendiaten in die Hauptstadt gereist. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner begrüßte gemeinsam mit Alan Meltzer, Geschäftsträger a. i. der US-Botschaft, und Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) die CBYXler. © Deutscher Bundestag
Gerade haben sich die 300 jungen US-Amerikaner noch angeregt miteinander unterhalten, doch als Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Alan Meltzer, der Geschäftsträger a. i. der US-Botschaft, das Foyer des Paul-Löbe-Hauses betreten, herrscht abrupt Stille.
Ein Jahr lang haben die jungen Leute an den unterschiedlichsten Orten in Deutschland gelebt. Bevor sie wieder nach Hause in die USA zurückkehren, sind sie für den mittlerweile traditionellen PPP/CBYX-Berlin-Tag im Bundestag zusammengekommen.
42 Jahre Austauschprogramm
Seit 42 Jahren gibt es das Austauschprogramm zwischen dem Deutschen Bundestag und dem US-amerikanischen Kongress. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU), Mitglied der Berichterstattergruppe für Internationale Austauschprogramme, der die diesjährigen CBYX-Stipendiatinnen und -Stipendiaten begrüßt, betont die hohe Wertschätzung der Abgeordneten des Deutschen Bundestages für das Partnerprogramm.
Aktuell seien die Zeiten zwischen Deutschland und den USA sicher nicht langweilig, so Hoppenstedt. Doch trotz aller politischen Differenzen fühle sich Deutschland weiterhin sehr eng mit den USA verbunden. In der vergangenen Woche seien auch Gespräche über die weitere Finanzierung des Programms geführt worden und beide Seiten hätten ihr großes Interesse am Fortbestehen des Austauschprogrammes bekundet.
„Sie werden die Botschafterrolle nicht los“
Ein hoffentlich interessantes und anregendes Jahr liege hinter den Stipendiaten, die als Junior-Botschafter ihres eigenen Landes nach Deutschland gekommen seien, so Hoppenstedt. „Aber Sie werden die Botschafterrolle nicht los, wenn Sie zurückreisen – das, was sie hier erlebt haben, müssen Sie in ihr Land weitertragen. Erst Botschafter in Deutschland, dann Botschafter in den USA.“
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sprach den Stipendiaten ihren Respekt für den Mut aus, ein Jahr in ein anderes Land zu ziehen und sich einer anderen Kultur und Sprache auszusetzen. Die jungen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner hätten sich auf ein „Jahr ohne Drehbuch“ eingelassen und sich in ein Abenteuer gestürzt. In dieser Zeit hätten sie mit Sicherheit einige neue Erfahrungen gesammelt, darunter mitunter auch die ein oder andere scheinbar merkwürdige Begebenheit kennengelernt wie die umfangreiche Farbpalette der deutschen Mülltrennung, das fehlende Tempolimit auf der Autobahn oder die Synchronisation von Filmen.
Prägende Erfahrungen
„It’s not the years, it’s the mileage. Nicht das Alter, sondern die Erfahrungen prägen einen Menschen“, zitierte Klöckner frei nach Harrison Ford als Indiana Jones. Manchmal hätten die jungen Leute sicherlich Heimweh gehabt. „Aber vielleicht fühlen sie sich, wenn sie zurück in den USA sind, auch manchmal homesick, wenn sie an Deutschland denken“, so Klöckner.
„Wie Indiana Jones kehren Sie aus dem Abenteuer zurück mit neuen Erfahrungen und neuen Perspektiven auf die Welt. Ihr Abenteuer ist nicht vorbei; es geht auf der anderen Seite des Atlantiks weiter.“
Institution demokratischer Freundschaft
Alan Meltzer, der Geschäftsträger a. i. der US-Botschaft, erklärte, das PPP/CBYX-Programm sei eine Institution der demokratischen Freundschaft. Der Austausch lasse junge Leute nicht nur eine andere, sondern auch ihre eigene Gesellschaft besser verstehen. „Das Alumni-Netzwerk ist eine lebendige Verbindung zwischen unseren Ländern und ihr werdet Teil davon sein“, so Meltzer.
Zum Berlin-Tag haben die CBYX-Stipendiaten auch die Möglichkeit, Bundestagesabgeordneten ihre Fragen zu stellen und ihre Patenabgeordneten zu treffen. © Deutscher Bundestag
Ein Jahr, das sich auf das restliche Leben auswirkt
In vier Ausschusssälen hatten die Stipendiaten und Stipendiatinnen dann die Gelegenheit, Fragen an Abgeordnete verschiedener Fraktionen zu stellen.
Für den Abgeordneten Metin Hakverdi (SPD) war rückblickend klar: „Ohne meinen eigenen Schüleraustausch in Südkalifornien im Jahr 1985 würde ich heute niemals hier im Deutschen Bundestag sitzen.“ Seine Zeit in den USA habe dabei seine Weltsicht und sein Werteverständnis nachhaltig geprägt. Für die heute anwesenden Stipendiaten hoffe er, dass sie eine ähnliche Erfahrung machen würden und ihr Leben lang von ihrer Zeit in Deutschland profitierten.
Auch Anna Lührmann (Bündnis 90/Die Grünen) verbrachte 1999/2000 ein Jahr in den USA im Staat New York. Diese Zeit sei für sie enorm prägend gewesen und habe sich auf ihr weiteres Leben ausgewirkt. Das Ankommen in einer Gastfamilie, in ihrem Fall eine republikanisch geprägte, sei dabei nicht immer leicht gewesen. Doch auch durch diese Erfahrung habe sie gelernt, dass es der Respekt füreinander sei, der die Demokratie und ihr Nebeneinander von Meinungen möglich mache.
Patenschaft ermöglicht neue Erfahrungen
Die Stipendiatinnen und Stipendiaten interessieren sich außerdem für den beruflichen Alltag der Abgeordneten: Was sind die größten Herausforderungen? Sind die Abgeordneten manchmal nervös, bevor sie im Plenum eine Rede halten? Und was ist das Beste am Job als Abgeordneter? Johannes Schraps (SPD) erklärte, für ihn sei es ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn er jungen Leuten durch seine Position als Abgeordneter Möglichkeiten eröffnen könne – sei es zum Beispiel durch Praktika oder eben die Teilnahme an einem Programm wie dem PPP. „Wenn man jemanden anruft und sagt: Ich übernehme die Patenschaft für dich und du kannst dadurch für ein Jahr in einem anderen Land leben - und zu merken, wie viel der Person das bedeutet, das ist schon wirklich ein sehr schöner Teil unseres Jobs.“