Inhalt

Patenschaftsprogramm
Botschafter für zwei Kulturen

08.06.2018 |

Botschafter sein – das geht auch ohne Diplomatie-Kurs. Wie genau, das erleben gerade 350 junge Amerikaner in Deutschland. Ein Bundestags-Stipendium macht's möglich.

Frau in rot

Grace, 17, aus Kalifornien: "Mir ist es wichtig, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA wieder besser werden." – © Anna Rakhmanko

zwei Männer

Menyae, 24 aus Maryland und Trey, 25, aus Alaska. Trey meint: "Ich finde besonders die Öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland toll." – © Anna Rakhmanko

Frau in Weiß

Jessica, 24, aus Nirvana: "Ich mag besonders die Leute in Deutschland. Alle kümmern sich immer umeinander." – © Anna Rakhmanko

Bundestagspräsident Schäuble

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist der Schirmherr des PPP. Auch er hat ein "Patenkind" unter den Teilnehmern. – © Anna Rakhmanko

Bundestagspräsident Schäuble

Bundestagspräsident Schäuble appellierte an die PPP-Teilnehmer: "Wir müssen alle dafür sorgen, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät." – © PR

Seinen 24. Geburtstag wird Menyae sicher nie vergessen. Denn wer bekommt schon ein Ständchen von 350 Jugendlichen und zahlreichen Abgeordneten aus dem Deutschen Bundestag? Der 24-jährige Amerikaner strahlte mit seinem rosafarbenen Hemd um die Wette, als alle ihm gratulierten. Die Stimmung war gelöst im Fraktionssaal der CDU/CSU-Fraktion, wie bei einem großen Klassentreffen. Schüler, Studenten und Berufstätige aus den Vereinigten Staaten saßen in den Reihen, in denen sonst nur Politiker platznehmen, aßen Schokoriegel und tranken Softdrinks.

Land und Kultur kennenlernen

Es war der Berlin-Tag des Parlamentarischen Patenschafts-Programms, kurz PPP. Das deutsch-amerikanische Austauschprogramm gibt es seit 1983. Jedes Jahr verbringen junge Amerikaner ein Jahr in Deutschland und lernen Land und Leute kennen. Im Gegenzug leben junge Deutsche in den USA. Kurz vor ihrer Rückreise in die USA treffen sich alle amerikanischen Stipendiaten im Deutschen Bundestag – Der Berlin-Tag ist damit Höhepunkt des Congress Bundestag Youth Exchange (CBYX), wie das Programm in den USA heißt. Das Projekt ist ein gemeinsames Programm des Bundestages und des US-Kongresses unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten.

Die Welt verändern

„Dass wir heute hier so zusammen sitzen, ist nur möglich durch das enge Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika“, rief Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble die deutsche Geschichte in Erinnerung. „Doch nun müssen wir alle dafür sorgen, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät." Mit seinen Worten sprach er ein Thema an, dass allen Anwesenden am Herzen lag: Wie geht es weiter mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen? „Wohin die Welt sich entwickelt, ist nun ihr Problem", sagte Schäuble. „Sie haben die Chance, sich darum zu kümmern, denn auch wenige können sehr viel bewegen". Seine Enkeltochter sei vor Kurzem in New York geboren – auch sie könnte nun rein theoretisch Präsidentin der Vereinigen Staaten werden, scherzte der Präsident.

Wie geht es weiter?

Doch die Jugendlichen wollten nicht nur Ratschläge für die Zukunft von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Vor allem wollten sie wissen, wie es mit dem PPP weitergeht. Unter großem Applaus konnte Dagmar Freitag (SPD) bestätigen, dass die Finanzierung für das kommende Jahr gesichert sei. Zusammen mit ihren Kollegen Steffen Kotré (AfD), Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen), Otto Fricke und Carl-Julius Cronenberg (FDP), Stefan Liebich (Linke) und Peter Beyer (CDU/CSU), als Koordinator der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen, stand die Abgeordnete den Teilnehmern Rede und Antwort: Wie regelt Deutschland Fragen zum Datenschutz? Wie will das Land den Mangel an Fachkräften ausgleichen, und was bedeutet der Ausstieg aus dem Atomabkommen? Auch wenn die Antworten der Politiker sehr unterschiedlich ausfielen, waren sich alle einig: Es ist wichtig, miteinander zu sprechen. „Seien Sie Botschafter für beide Kulturen", sagte auch der Gesandte der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, Kent Logsdon.

Ärger mit der Spülmaschine

„Eigentlich passen wir gut zusammen, Deutsche und Amerikaner", fand auch Dax aus St. Louis. „Die Beziehungen sind gut, nur die politischen News eben nicht immer." Ein Jahr lang hat Dax bei Kirsten und Ulrich Ostermayer und ihren zwei Kindern in Berlin gewohnt. Beim PPP-Tag waren sie stellvertretend für alle Gastfamilien eingeladen, die junge Amerikaner aufgenommen haben. Manchmal gab es schon Verständigungsschwierigkeiten, erzählte Kirsten Ostermayer. Zum Beispiel, wenn es ums Ausräumen der Spülmaschine ging oder darum, die eigene Wäsche zu waschen. „Auch als ich letztens den Sand aus meinen Schuhen im Flur ausgekippt habe, gab es Ärger", sagte Dax und muss lachen. Trotz aller kleinen Probleme im Alltag war die Zeit in Deutschland „einfach der Hammer". Deshalb hat er sich fest vorgenommen, wiederzukommen und in Deutschland zu studieren.

Auch der Präsident hat ein "Patenkind"

So geht es auch dem 16-Jährigen Dylan. Nach der High School will der Schüler auch an die Universität in Deutschland. Tipps bekam er dabei direkt vom Bundestagspräsidenten – denn jeder Stipendiat hat beim PPP einen Paten-Abgeordneten aus der Stadt, in der er lebt. Bei Dylan war das Wolfgang Schäuble. „Ich habe mit dem Präsidenten besprochen, wie man sich austauschen kann zwischen den Kulturen. Und, dass man viele Dinge, wie zum Beispiel die aktuelle Politik der USA, erklären muss."

Abschluss mit Donuts

Wie das möglich sein kann, erfuhren die Teilnehmer im Anschluss in der amerikanischen Botschaft. Nach dem Besuch einer Plenardebatte im Bundestag und dem Treffen mit dem Bundestagspräsidenten und ihren Abgeordneten hatten sie nun bei Donuts und Popmusik die Möglichkeit, den Mitarbeitern Fragen zu stellen, um später vielleicht einmal ganz offiziell Botschafter für ihr Land zu werden.

(lh)

Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: