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Die Autorin

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Lilith Diringer (17)
ist Schülerin

Bundeswehr-Einsatz
Deutsche Mission in der Wüste

06.12.2017 |

Der Bundeswehreinsatz in Mali gilt als eine der gefährlichsten Missionen deutscher Soldaten. Ob sie dort weiter Dienst schieben sollen, entscheidet jetzt der Bundestag. Lilith erklärt, was hinter dem Einsatz steckt.

Das Volk der Tuareq wurde jahrzehntelang von der malischen Regeirung ausgegrenzt und vernachlässigt. Einige nomadischen Stämme haben sich unter anderem auch deswegen mit islamistischen Terroristen zusammengetan, um einen eigenen Staat zu gründen. – © dpa

Mit seinen knapp 1,25 Millionen Quadratkilometern Fläche ist Mali eines der größten Länder Westafrikas. Und – seit 2012 – auch eines der größten Sorgenkinder. Terror, Kriminalität, Aufstände: Um das Land vor komplettem Chaos zu bewahren, sind unter anderem auch deutsche Streitkräfte vor Ort.

Die Republik Mali hat schon seit Jahrzehnten mit Auseinandersetzungen zwischen Nomadenstämmen aus dem Norden und der sesshaften Bevölkerung im Süden zu kämpfen. Doch seitdem islamistische Gruppen immer mehr Gewalttaten verüben und ein Militärputsch vor fünf Jahren zum Absetzen der Regierung geführt hat, schwindet die Stabilität in Mali immer schneller.

Wiederaufbau und Schutz

MINUSMA – Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali, so heißt die Friedensmission der Vereinten Nationen, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist. Ihre Ziele sind die Überwachung der Waffenruhe, der Schutz der Zivilbevölkerung, der Wiederaufbau des malischen Sicherheitssektors und der Erhalt des malischen Kulturguts.

Dass es immer schwieriger wird, diese Ziele zu erreichen, zeigen neueste Berichte: Der ursprüngliche Konfliktherd im Norden des Landes hat sich auf regionale Angriffe im Süden ausgeweitet. Inzwischen gab es Anschläge auf Regierungstruppen, Blauhelme (so heißen die Friedenstruppen der Vereinten Nationen) und Zivilisten. Dazu kommen zahlreiche Geiselnahmen. Auch die Konditionen, unter denen die deutschen Soldaten nach Afrika geschickt werden, sprechen für sich: Sie erhalten die höchste Stufe der Auslandszulage, die in der Bundeswehr gezahlt wird, als Kompensation für die hohen Risiken.

Nomaden und putschende Militärs

Doch Mali war mal eine afrikanische Vorzeigedemokratie – wie konnte es also dazu kommen, dass das Land jetzt kurz vor dem Zusammenbruch steht? Etwa 17 Millionen Menschen leben nach einem Schätzwert des Auswärtigen Amtes (Stand April 2017) aktuell in der ehemaligen französischen Kolonie. Frauen bekommen dort im Schnitt sechs Kinder, deshalb wächst die Bevölkerungszahl sehr schnell. Mali erklärte 1960 – nach 62 Jahren Kolonialherrschaft – die Unabhängigkeit. Besonders die nördliche Stadt Timbuktu stand während dieser Zeit in internationalem Licht: als friedliches Zentrum der islamischen Kultur und als wichtiger Handelsplatz.

Neben Französisch als offizielle Sprache wird Arabisch und die westafrikanische Sprache Bambara gesprochen. Schon nach dem Erreichen der Unabhängigkeit ging es in Mali steil bergab. Die Tuareg, ein ursprünglich nomadisch lebendes Volk aus der Sahara, sollte nach Willen der neuen Regierung ihre "altertümliche" Lebensweise ablegen und fühlte sich unter Druck gesetzt. Es kam zur Rebellion. Weitere Aufstände, Hungersnöte und 23 Jahre Militärdiktatur wurden erst 1992 mit einer demokratischen Wahl beendet. Dann kehrte Ruhe in Mali ein – vorerst.

Schmuggel, Drogen, Menschenhandel

Seit 2003 mischten sich immer mehr Anhänger islamistischer Gruppierungen unter die Bevölkerung im Norden von Mali. Sie finanzierten sich durch Entführungen, Schmuggel, Drogen- und Menschenhandel. Der Schmuggel und Drogenhandel war vorher Sache der Tuareg, welche daraufhin zum Teil Zweckallianzen mit den Islamisten eingingen. Ende 2011 starteten Angehörige der Tuareg eine nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad. Azawad ist der nördliche Teil von Mali, in dem unter anderem auch Timbuktu liegt.

Mit einem Aufstand gegen die Regierung im Januar 2012 schafften es die Tuareg und andere Stämme in kurzer Zeit, weite Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie riefen bereits im April des gleichen Jahres den autonomen Staat Azawad aus. Aufgrund der Unzufriedenheit des Militärs mit der in ihren Augen zu zögerlichen Reaktion der Regierung auf die Unruhen, fand in der malischen Hauptstadt Bamako im März 2012 ein Militärputsch statt, der zum Sturz der Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré führte.

Erst Besatzer, jetzt Helfer

Mali rief schließlich seine ehemalige Kolonialmacht Frankreich, mit der es immer noch enge Beziehungen pflegte, um Hilfe an. Mit dem Ziel, die Islamisten zurückzudrängen, begann als Antwort darauf im Januar 2013 der Einsatz "Serval" mit französischen Kräften. Die Erholung Malis setzte lange nicht so schnell ein, wie erhofft. Erst im Juni 2015 wurde ein innerstaatliches Friedensabkommen unterzeichnet. Angesichts der sich steigernden Spannungen beschloss der UN-Sicherheitsrat im April 2013 die Unterstützung der Streitkräfte vor Ort. Bereits zwei Monate darauf stimmte der Deutsche Bundestag der Beihilfe der Mission MINUSMA mit eigenen Kräften zu.

Deutsche helfen mit

Im Januar 2016 verabschiedete der Bundestag einen Beschluss zur Verlängerung und Ausweitung des Einsatzes – verbunden mit einer Anhebung der Personalobergrenze um mehr als das Vierfache, sodass anstelle von 150 nun 650 deutsche Soldaten in Mali ihren Dienst vollbrachten. Die aktuellste Entscheidung erfolgte am 26. Januar 2017 und erweitert den Einsatz um ein weiteres Mal. Demnach ist nun das Entsenden von bis zu 1.000 deutschen Soldaten möglich.

Über eine Verlängerung der Mission um vorerst drei Monate bis Januar 2018 diskutiert aktuell der Hauptausschuss des Bundestages auf Grundlage eines Antrags der Bundesregierung. An der Stabilisierungsmission beteiligen sich aktuell mehr als 50 Nationen. 11.000 Blauhelmsoldaten, und um die 1.500 Polizisten und Zivilpersonen zählt die Mission derzeit.

Schwierige Hilfe

Eine besonders große Rolle spielen die Aktivitäten in Mali beim weitergefassten Ziel, die Lage in der gesamten Sahel-Region zu stabilisieren. Die Sahelzone ist das Übergangsgebiet von den Savannen Afrikas zur Sahara. Die Wichtigkeit Malis wurde im Oktober 2016 nochmals durch den Besuch der Bundeskanzlerin bekräftigt. Versuche, Abkommen zwischen dem afrikanischen Land und der EU zu treffen, die auch als Migrationspartnerschaften bezeichnet werden, sollen sich besonders auf die Rücknahme von Flüchtlingen beziehen. Bisher konnten jedoch noch keine Erfolge verzeichnet werden. Dafür sind die Interessen zu unterschiedlich.

Kommentare

 

Susanne schrieb am 07.12.2017 21:04

Auch wenn man es selbst nachsehen kann, wäre ein Satz, wo genau Mali in Afrika liegt, hilfreich - sonst sehr informativ. Die "altertümliche" Lebensweise der Nomaden gehört in Anführungsstriche, da diese Lebensweise ja nur so von Angehörigen der sesshaften Bevölkerung des Südens so gesehen wurde und auch von manchem Europäer.

 

 

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